Ein flüchtiger Blickkontakt in einem BVG-Bus hat am Mittwochnachmittag in Berlin-Gropiusstadt zu einem Reizgasangriff mit neun Verletzten geführt. Gegen 16:30 Uhr eskalierte in der Linie X11 auf der Johannisthaler Chaussee ein Streit zwischen zwei Fahrgästen, wie die Berliner Polizei mitteilte.
Ein 33-Jähriger fühlte sich provoziert, weil ein anderer Mann seiner Ehefrau in die Augen geschaut hatte. Aus dem zunächst verbalen Schlagabtausch wurde schnell eine handfeste Konfrontation. Der Ehemann zog ein Tierabwehrspray und sprühte es dem Kontrahenten ins Gesicht.
Chaos im Feierabendverkehr
Der Busfahrer bemerkte den sich ausbreitenden Reizstoff und leitete sofort einen Notstopp ein. Er öffnete die Türen, um den Fahrgästen die Flucht nach draußen zu ermöglichen. Der angegriffene Mann nutzte die Gelegenheit und rannte zu Fuß in Richtung Wermuthweg davon – von ihm fehlt bislang jede Spur.
Doch das Spray traf nicht nur den eigentlichen Adressaten. In der stickigen Busluft verteilte sich der Reizstoff rasend schnell. Neun Menschen – darunter ein einjähriges und ein neunjähriges Kind – klagten über brennende Atemwege und Hustenreiz.
Sanitäter behandeln Betroffene direkt vor Ort
Alarmierte Rettungskräfte trafen wenig später ein und versorgten alle Verletzten noch an der Haltestelle. Glücklicherweise reichten die ambulanten Maßnahmen aus – niemand musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Nach der Behandlung konnten die Fahrgäste, einschließlich der Kinder, entlassen werden.
Die Polizei stellte das eingesetzte Tierabwehrspray sicher und nahm den 33-Jährigen vorübergehend fest. Nach der Identitätsfeststellung kam er jedoch wieder auf freien Fuß. Das zuständige Fachkommissariat der Polizeidirektion 5 (City) hat die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.
Eifersuchtsdrama mit Ansage?
Der Vorfall wirft Fragen nach der Verhältnismäßigkeit auf: Ein kurzer Blickkontakt als Auslöser für einen massiven Reizgaseinsatz – das zeugt von extremer Eifersucht und mangelnder Impulskontrolle. Dass selbst Unbeteiligte und Kleinkinder verletzt wurden, verschärft die Tat zusätzlich.
Noch ist unklar, ob der geflüchtete Fahrgast ebenfalls Anzeige erstatten wird oder selbst mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss. Die Ermittlungen dauern an. Der 33-Jährige dürfte sich in jedem Fall für mehr als nur den Besitz des Sprays verantworten müssen.





