Almirón fliegt als Erster wegen Mundbedeckens – Türkei trotz 32 Schüssen ausgeschieden
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SportHistorische Rote Karte

Almirón fliegt als Erster wegen Mundbedeckens – Türkei trotz 32 Schüssen ausgeschieden

Die neue IFAB-Regel findet erstmals auf großer WM-Bühne Anwendung: Miguel Almirón sieht nach einer Geste die Rote Karte. Paraguay gewinnt das Spiel trotz Unterzahl mit 1:0, die Türkei scheidet mit einem historischen Negativrekord vorzeitig aus.

Blitzstart: Galarza trifft nach 64 Sekunden

Es war eine Geste mit historischen Folgen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit des WM-Gruppenspiels zwischen Paraguay und der Türkei hielt sich Miguel Almirón den Mund zu – wenige Sekunden später zeigte ihm Schiedsrichter Ivan Barton die Rote Karte. Es war die erste Hinausstellung der WM-Geschichte aufgrund der neuen IFAB-Regel, die das Bedecken des Mundes in Konfrontationen bestraft. Der Platzverweis war der Wendepunkt, der das vorzeitige Aus der Türkei besiegelte. Zuvor hatte Matías Galarza die Partie in Santa Clara bereits nach 64 Sekunden mit einem wuchtigen Flachschuss aus 25 Metern zum 0:1 eröffnet – das bis dahin schnellste Tor des Turniers.

Historische Rote Karte: Mundbedecken führt zum Platzverweis

In der dritten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte eskalierte die Situation nach einem Foul an Isidro Pitta. Almirón richtete einige Worte an den türkischen Verteidiger Mert Müldür – und hielt sich dabei demonstrativ die Hand vor den Mund. Müldür erkannte den Regelverstoß sofort und alarmierte den Schiedsrichter-Assistenten. Nach VAR-Überprüfung schickte Barton den paraguayischen Star vom Platz. Die neue Vorschrift, die das Bedecken des Mundes mit einer Roten Karte ahndet, war Ende April 2026 vom IFAB beschlossen und von der FIFA erstmals bei dieser WM angewandt worden. Sie soll verhindern, dass verbale Entgleisungen vor Schiedsrichtern verborgen werden.

Türkei erstickt an eigener Dominanz

In Überzahl erspielte sich die Mannschaft von Vincenzo Montella ein gewaltiges Chancenplus. 79 Prozent Ballbesitz und 32 Torschüsse standen am Ende zu Buche. Doch Paraguays Schlussmann Orlando Gill parierte fünf Großchancen, darunter einen Kopfball von Müldür, der von der Unterkante der Latte an den Pfosten prallte. Kenan Yıldız, Can Uzun und Deniz Gül verpassten in der Schlussphase mehrfach knapp.

Die Türkei blieb damit in zwei WM-Spielen ohne eigenen Treffer – und das bei insgesamt 62 Torschussversuchen (30 gegen Australien, 32 gegen Paraguay). Das ist die höchste Zahl an Abschlüssen ohne Torerfolg in einem Zwei-Spiele-Zeitraum seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 1966. Als erstes Team nach Haiti war die Türkei damit vorzeitig ausgeschieden.

Wir haben nicht getroffen, aber wir hatten 65 Torschüsse in zwei Spielen. Sie haben ihr Herz und ihre Seele auf dem Feld gelassen. Fußball ist nicht logisch, deswegen ist es das schönste Spiel der Welt. Das bessere Team gewinnt nicht immer.
Vincenzo Montella, Trainer der Türkei

Den Spielern war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Mert Müldür sank nach Abpfiff weinend zu Boden. Arda Güler entschuldigte sich bei der Nation: „Wir haben uns sehr bemüht, aber es hat nicht sollen sein. Wir hätten Tore schießen müssen.“ Kapitän Hakan Çalhanoğlu bat die türkische Bevölkerung um Verzeihung und appellierte, die junge Mannschaft weiter zu unterstützen.

Paraguay hält durch den Sieg Kurs auf das Achtelfinale. Nach der 1:4-Auftaktniederlage gegen die USA hatte Trainer Gustavo Alfaro eine Trotzreaktion gefordert. „Wir sind keine Außenseiter mehr – nach dieser Leistung nicht“, sagte er. Mit drei Punkten belegen die Südamerikaner Platz zwei in Gruppe D, gleichauf mit Australien.

Für die Türkei geht es im letzten Gruppenspiel gegen die USA nur noch um die Ehre. Paraguay hingegen kann mit einem Punkt gegen Australien das Weiterkommen perfekt machen. Die türkische Presse sprach von einer „Blamage“, während in den sozialen Medien bereits über Montellas Zukunft diskutiert wurde.

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