Nach Nominierungs-Zoff: Joker Undav schießt Deutschland ins Achtelfinale
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Nach Nominierungs-Zoff: Joker Undav schießt Deutschland ins Achtelfinale

Erst ließ ihn der Bundestrainer zuhause, dann wurde er zum Matchwinner: Deniz Undav entschied mit zwei Treffern das WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste und sicherte Deutschland das Weiterkommen – trotz rassistischer Anfeindungen im Vorfeld.

Joker mit Rekord: Undav entscheidet Gruppenspiel

Es lief die vierte Minute der Nachspielzeit im Toronto Stadium, als Deniz Undav den Ball per Direktabnahme ins Netz jagte. Der 29-jährige Stürmer hatte Deutschland mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend zum 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste geschossen – und damit vorzeitig in die K.o.-Runde der WM 2026 gebracht. Zuvor hatte Franck Kessié die Afrikaner in der 30. Minute in Führung gebracht. Bundestrainer Julian Nagelsmann reagierte in der 60. Minute mit einem Dreifachwechsel und brachte Undav.

Acht Minuten nach seiner Einwechslung glich Undav mit einer sehenswerten Volleyabnahme nach Flanke von Nadiem Amiri aus. In der Schlussphase war es dann ein Steckpass von Felix Nmecha, den der Stürmer eiskalt zum umjubelten Siegtreffer verwertete. Mit nun drei Toren und zwei Vorlagen in nur zwei Joker-Einsätzen stellte Undav einen WM-Rekord für die meisten Torbeteiligungen eines Einwechselspielers ein – zuletzt gelang das Roger Milla 1990.

Zoff mit Nagelsmann: Vom Aussortierten zum Hoffnungsträger

Dabei stand der Matchwinner vor wenigen Monaten noch vor dem Aus im Nationalteam. Nagelsmann hatte Undav im März 2026 nicht für den Kader nominiert – eine Entscheidung, die öffentlich scharf kritisiert wurde. Der Angreifer selbst hatte zuvor als Einwechselspieler gegen Ghana getroffen und offen seinen Anspruch auf einen Stammplatz angemeldet. Nagelsmann konterte, Undav setze sich damit unnötig unter Druck, und äußerte, dieser hätte von Beginn an nicht getroffen. Die Spannung zwischen den beiden war offensichtlich.

Er braucht auch nicht mit mir zu reden.
Deniz Undav

Hinter den Kulissen lenkte Nagelsmann später ein und entschuldigte sich bei Undav. Der Stürmer nahm es gelassen zur Kenntnis. Erst am 20. Mai 2026 berief ihn der Bundestrainer schließlich in den endgültigen 26-köpfigen WM-Kader. Im emotionalen Nominierungsvideo rang Undavs Frau mit den Worten, sie könne nicht in Worte fassen, wie glücklich sie sei.

Rassistische Angriffe und ein klares Statement auf dem Platz

Abseits des Rasens war Undav massiven Anfeindungen ausgesetzt. Nach einem Europa-League-Spiel des VfB Stuttgart bei Fenerbahçe Istanbul im Frühjahr 2026 überzog eine Welle rassistischer und antikurdischer Hasskommentare den in Niedersachsen geborenen Nationalspieler mit kurdisch-jesidischen Wurzeln. Kurdische Menschenrechtsorganisationen sprachen von beispiellosen Attacken. Der Spieler selbst beschrieb die gegnerischen Fans so:

War geil. Die haben nur gepfiffen und gebuht.
Deniz Undav

Nach seinem Tor gegen die Elfenbeinküste tanzte Undav mit Antonio Rüdiger einen traditionellen kurdisch-jesidischen Tanz – ein starkes Statement seiner Identität auf der größten Bühne. Politiker wie Cem Özdemir solidarisierten sich, Undav bedankte sich trocken: „Feels good! Thanks for the incredible support.“

Vom Fabrikarbeiter zum WM-Helden

Undavs Karriereweg ist außergewöhnlich. Als Jugendlicher bei Werder Bremen wegen zu geringer Körpergröße aussortiert, spielte er mit 17 für 120 Pfund die Woche als Halbprofi beim TSV Havelse. Um zu überleben, arbeitete er in Vollzeit achteinhalb Stunden an einer Lasermaschine. „Ich habe noch den gleichen Schaden wie vor 15 Jahren“, erinnerte er sich später (CI-2359). Nagelsmann schätzt heute seine seltene Flexibilität: Er könne als Neuner, hängende Spitze oder Zehner spielen – „beide Positionen sehr gut“.

Mit nun neun Toren in elf Länderspielen hat Undav alle Zweifel widerlegt. Ob er im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador erstmals von Beginn an ran darf, ließ Nagelsmann offen, sagte aber: „Yes, definitely. Why should I ruin his flow? He came in twice and got goals twice.“ Seine Ansage steht: Tore machen.

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