Nach Mangel an Freiwilligen: Pistorius droht Soldaten mit Marschbefehl nach Litauen
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PolitikBundeswehr in Litauen

Nach Mangel an Freiwilligen: Pistorius droht Soldaten mit Marschbefehl nach Litauen

Die dauerhafte Stationierung einer deutschen Kampfbrigade in Litauen droht am Personalmangel zu scheitern. Verteidigungsminister Pistorius schließt nicht mehr aus, Soldaten zwangsweise an die NATO-Ostflanke zu schicken.

Freiwilligenmangel gefährdet Aufbau

Der Aufbau der Panzerbrigade 45 in Litauen steckt in einer massiven Personalkrise. Obwohl die Brigade bis Ende 2027 rund 4.800 Soldaten umfassen soll, haben sich bisher nicht genügend Freiwillige für den mehrjährigen Dienst an der NATO-Ostflanke gemeldet. Die Bundeswehr räumt ein, intern nicht genügend Personal gefunden zu haben – einige Berichte sprechen von fehlenden 90 Prozent der benötigten Mannschaftsdienstgrade.

Der formelle Aufstellungsappell im Mai 2025 in Vilnius zählte lediglich 400 Soldaten. Zwar wuchs die Truppe durch die Integration des NATO-Gefechtsverbands im Februar 2026 auf rund 1.800 Männer und Frauen an, doch das offizielle Ziel von 4.800 Soldaten und 200 zivilen Mitarbeitenden bleibt in weiter Ferne. Das bestätigt auch die Bundeswehr auf ihrer Webseite.

Pistorius setzt auf Zwang

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) machte bei einem Truppenbesuch im Juni 2026 deutlich, dass das Prinzip der Freiwilligkeit nicht länger durchzuhalten sei. Er könne nicht ausschließen, dass Soldaten künftig per Marschbefehl nach Litauen versetzt werden: "Es wird passieren, dass manche nicht deshalb hingehen, weil sie es wollten." Zugleich betonte der Minister: "Die Einsatzbereitschaft hat höchste Priorität."

Ursprünglich hatte die Bundesregierung zugesichert, den Großverband ausschließlich mit Freiwilligen zu besetzen. Angesichts der schleppenden Meldungen ist dieses Versprechen nun faktisch Makulatur. Die Brigade soll direkt an der Grenze zu Belarus und zur russischen Exklave Kaliningrad als Abschreckung gegenüber Moskau dienen – ein Leuchtturmprojekt der sicherheitspolitischen Zeitenwende.

Offene Fragen zur Zwangsverpflichtung

Pistorius ließ offen, wie viele Soldaten von einer dienstlichen Verpflichtung betroffen sein könnten. Versetzungen seien in der Bundeswehr "nicht unüblich", so der Minister. Der Aufstellungsstab der Brigade prüft derzeit, ob und in welchem Umfang zusätzliche finanzielle Anreize und Familienunterstützung die Attraktivität des Standorts erhöhen können. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, die aktuellen Freiwilligenzahlen stellten nur einen Zwischenstand dar, aus dem sich "keine belastbare" Prognose ableiten lasse.

Die Bundeswehr steht nun vor der Herausforderung, innerhalb von rund anderthalb Jahren tausende zusätzliche Kräfte zu gewinnen – notfalls gegen deren Willen. Ob dies gelingt und wie sich die Truppe zusammensetzen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der Zeitplan für die volle Einsatzbereitschaft Ende 2027 wackelt.

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