Rentenkommission schlägt Rente mit 68 vor
Die gesetzliche Rente erst mit 68 Jahren – das ist der Kern der Vorschläge, die eine Regierungskommission am 20. Juni 2026 vorgelegt hat. Der Aufschrei folgte prompt: Sozialverbände und Gewerkschaften werfen dem Gremium Realitätsverlust vor und kündigen Widerstand an. Die Kommission unter Leitung von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda empfiehlt, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln; es würde demnach bis 2041 auf 67,5 und bis 2051 auf 68 Jahre steigen. Die umstrittene „Rente mit 63“ soll entfallen, Minijobs abgeschafft und Selbständige sowie Beamte für Neuzugänge in die gesetzliche Rente einbezogen werden. Ein staatlicher Aktienfonds soll die Rente kapitalgedeckt ergänzen.
Sozialverbände von Anfang an übergangen
Bereits bei der Einsetzung der 13-köpfigen Kommission im Dezember 2025 kritisierten VdK und SoVD, dass keine Sozialverbände oder Betroffenenvertreter beteiligt wurden. VdK-Präsidentin Verena Bentele warnte vor einer „theoretischen und realitätsfernen Debatte“ und forderte eine sozialpolitische statt fiskalischer Ausrichtung. Nach Bekanntwerden der Empfehlungen erhob der VdK schwere Vorwürfe: Die Rente werde auf einen reinen Kostenfaktor reduziert. Der Verband verlangt ein dauerhaft festgeschriebenes Rentenniveau, höhere Bundeszuschüsse – finanziert durch stärkere Besteuerung hoher Einkommen – und einen höheren Arbeitgeberbeitrag nach österreichischem Vorbild.
Diese Vorschläge blenden die Arbeits- und Lebenssituation vieler Beschäftigter in unseren Betrieben aus.Christiane Benner (Vorsitzende der IG Metall)
Die IG Metall nannte die Pläne „realitätsfern“. Viele Beschäftigte könnten aus gesundheitlichen oder arbeitsmarktbedingten Gründen gar nicht bis zum erhöhten Rentenalter arbeiten, betonte die Gewerkschaft. Auch ver.di-Chef Frank Werneke schloss sich der Kritik an und stellte klar, dass der Kern der Vorschläge in die falsche Richtung gehe – trotz einiger guter Ansätze.
Trotz mancher guter Vorschläge – im Kern gehen die Pläne der Alterssicherungskommission der Bundesregierung in die falsche Richtung.Frank Werneke (ver.di-Vorsitzender)
Die Sozialverbände warnen, dass die gesetzliche Rente durch den Ausbau privater Vorsorge geschwächt werde. VdK-Präsidentin Bentele gab zu bedenken, dass viele Geringverdiener sich keine zusätzliche private Altersvorsorge leisten könnten – und ein ETF keine Reha-Leistungen biete. Der SoVD sprach von „Kürzungen und Einsparungen“ und betonte, dass die bereits beschlossene Anhebung auf 67 Jahre die gestiegene Lebenserwartung bereits kompensiere. Verbandschefin Michaela Engelmeier warnte: „Die Stimmung ist angespannt, und es grummelt deutlich. Viele Menschen haben den Eindruck, dass bei den kleinen Leuten gespart werde.“
Offene Konfrontation im Bundestag erwartet
Die Empfehlungen sind nicht bindend, doch die Koalition muss nun über die Umsetzung entscheiden. Angesichts der breiten Ablehnung durch Sozialverbände und Gewerkschaften steht eine heftige politische Auseinandersetzung bevor. Der VdK und der SoVD haben bereits weitere Proteste angekündigt, sollte die Regierung an den Plänen festhalten. In den anstehenden parlamentarischen Beratungen dürfte vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, wie eine generationengerechte Rente aussehen kann – ohne den sozialen Zusammenhalt zu gefährden.









