Kritik am „Stückelwerk" der Regierung
Ricarda Lang will Millionen Deutschen den früheren Ruhestand erschweren. Die ehemalige Grünen-Chefin hat die Rentenpolitik der Bundesregierung scharf angegriffen und eine stärkere Begrenzung der sogenannten Rente mit 63 gefordert. In der WELT-TV-Sendung „Die Stimme am Morgen" nannte sie die Reformpolitik „ziemlich viel Stückelwerk".
Lang zielt damit auf die altersfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Sie stellte den früheren Renteneintritt zwar nicht grundsätzlich infrage, forderte aber, ihn gezielter einzusetzen. „Gerade ist das reale Renteneintrittsalter aus meiner Sicht zu niedrig", sagte sie laut WELT. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter lag 2024 laut Deutscher Rentenversicherung bei 64,7 Jahren.
Diese Regierung produziert am laufenden Band enttäuschte Erwartungen.Ricarda Lang, Ex-Grünen-Chefin
Die Grünen-Politikerin warf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mangelnde Empathie und Respekt gegenüber den von Reformen betroffenen Menschen vor. „Der Respekt für die Lebenslage der Menschen fehlt, genauso wie die Empathie bei Friedrich Merz", sagte Lang. Sie sprach sich gleichzeitig für eine Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung aus – aus Gerechtigkeitsgründen.
Lang lehnt eine generelle Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ab. Sie will den frühen Austritt lediglich gezielter steuern. Die FDP zeigte sich erfreut: FOCUS online zitierte FDP-Rentenexperte Pascal Kober mit den Worten: „Es ist schön, dass die Entwicklung nun auch bei den Grünen zum Nachdenken führt."
Scholz bleibt hart – Langs Vorstoß bringt Bewegung
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt Einschnitte bei der Rente strikt ab. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters nannte er „absurd". „Auf deren Kosten sollte das nicht gehen", bekräftigte Scholz bei einer RND-Talkrunde. Die FDP hingegen will die Rente mit 63 ganz abschaffen.
Langs Aussagen fallen in eine Zeit, in der sie selbst in der Kritik stand. Erst kürzlich konnte sie bei Markus Lanz die Höhe der Durchschnittsrente nicht nennen – sie schätzte 2.000 Euro, tatsächlich sind es 1.543 Euro. Nun positioniert sie sich in der Rentendebatte neu – und riskiert, die traditionelle Klientel der Grünen zu verärgern.
Ob Langes Vorstoß die festgefahrene Rentendebatte in der Koalition lösen kann, ist offen. Die SPD hält an ihrer Position fest, die FDP drängt auf radikalere Reformen. Lang steht mit ihrer Forderung zwischen den Fronten – und muss sich bald entscheiden, wie weit sie ihren eigenen Grünen-Kurs korrigiert.








