69 Jahre und Kapitalvorsorge: Rentenkommission empfiehlt radikalen Umbau
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69 Jahre und Kapitalvorsorge: Rentenkommission empfiehlt radikalen Umbau

Rente mit 63 vor dem Aus, Pflichtvorsorge an der Börse und Beamtenstatus nur noch für Polizei und Justiz – die Kommission legt einen Plan vor, der nicht nur Gewerkschaften auf die Barrikaden bringt.

Einstiegshaken: Der Bericht und seine Kernforderungen

Bis zu 69 Jahre arbeiten, keine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren mehr und eine verpflichtende Zusatzvorsorge am Kapitalmarkt – das sind die Kernempfehlungen der Alterssicherungskommission der Bundesregierung. Am 20. Juni 2026 übergaben die Co-Vorsitzenden Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise den 76-seitigen Abschlussbericht an Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas. Die 33 Vorschläge, darunter auch die Einbeziehung von Selbstständigen, Beamten und Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung, sollen als Gesamtpaket umgesetzt werden – andernfalls drohe eine Schieflage des Systems.

Das Ende der "Rente mit 63" und ein neues Eintrittsalter

Die Kommission schlägt vor, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise an die Lebenserwartung zu koppeln. Ab 2031 soll es regelmäßig steigen, bis es im Jahr 2045 bei 69 Jahren liegt. Für 2060 wird ein Niveau von etwa 70 Jahren prognostiziert. Gleichzeitig soll die 2014 eingeführte abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte vollständig abgeschafft werden. "Das geht völlig an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Menschen vorbei", sagte Verdi-Chef Frank Werneke am 21. Juni. "In sehr vielen Berufen sind die körperlichen und psychischen Belastungen so hoch, dass schon ein Renteneintrittsalter mit 67 Jahren für viele Menschen unerreichbar ist."

Die Gewerkschaften sehen in der Abschaffung der "Rente mit 63" eine "völlige Missachtung der Lebensleistung" der Beschäftigten. Positiv bewertet Werneke hingegen die geplante Abschaffung der Minijobs und die Einbeziehung von Selbstständigen und Vorständen in die Versicherungspflicht.

Pflichtvorsorge an der Börse und sinkendes Rentenniveau

Ein zweiter zentraler Baustein ist die Einführung einer verpflichtenden kapitalgedeckten Zusatzrente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen schrittweise jeweils die Hälfte von zwei Prozent des Bruttolohns in einen Kapitalfonds einzahlen. Dieses Modell orientiert sich an Schweden. Allerdings soll das Rentenniveau ab 2031 sinken – die Kapitalsäule soll dies perspektivisch ausgleichen. Für Arbeitnehmer, die in den 2030er-Jahren in Rente gehen, dürfte dieser Ausgleich jedoch kaum wirksam werden, da der Kapitalstock erst über Jahrzehnte aufgebaut wird.

Die Details einer möglichen "Schutzklausel" für Übergangsjahrgänge blieben im Bericht unklar. Laut dem Reuters-Bericht sehen Beobachter hier eine der größten Hürden für die Akzeptanz der Reform.

Beamtenstatus nur noch für Kernaufgaben

Auch das Beamtensystem soll tiefgreifend umgebaut werden: Nur noch Polizei, Justiz und Finanzverwaltung sollen künftig verbeamten dürfen. Lehrer und viele Verwaltungskräfte müssten dann regulär sozialversicherungspflichtig angestellt werden. Beamte, die neu in den Dienst eintreten, sollen zudem in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden – allerdings mit langen Übergangsfristen. Berufsgruppen mit eigenen Versorgungswerken bleiben ausgenommen.

Die Vorschläge stoßen bei Beamtenverbänden auf scharfe Kritik. Der tbb beamtenbund und tarifunion thüringen erklärte, die Einbeziehung der Beamten werde die strukturellen Finanzierungsprobleme nicht lösen. Die volle fiskalische Wirkung würde ohnehin erst nach Jahrzehnten eintreten.

Die Kommission betonte, die Empfehlungen seien nur als Ganzes tragfähig. Eine selektive Umsetzung würde das System gefährden. Die SPD-Fraktion signalisierte Zustimmung zu einem "Maßnahmenpaket, das auch jüngeren Menschen eine höhere Rente ermöglicht". Ob und in welcher Form die Bundesregierung die Vorschläge aufgreift, ist offen. Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl und des massiven Widerstands von Gewerkschaften und Beamtenverbänden dürften politische Verhandlungen schwierig werden.

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