Die 'Zollstation' am Kanal
Hamza, 14, hat sich in den Sommerwochen zur meistdiskutierten Figur in Frankreichs Hauptstadt entwickelt. Unter dem selbstgewählten Spitznamen 'La Douane' – der Zoll – verlangt er am Pariser Canal Saint-Martin von Radfahrern, Passanten und Autofahrern zwei Euro. Wer nicht zahlt, wird mit einer großen Wasserpistole nass gespritzt. Seine Ankündigung: 'Gibst du mir zwei Euro, mach ich dich nicht nass – gibst du sie mir nicht, spritz ich dich an.'
Eskalation und Massenpublikum
Die Aktionen sind kein einmaliger Jungenstreich. Hamza filmt sich dabei und verbreitet die Clips über Snapchat – von dort aus landen sie auf TikTok, Instagram, YouTube und X und erreichen Millionen von Zuschauern. Bald eskalieren die Szenen: Er bespritzt Polizisten, stößt eine junge Frau ins Wasser, wirft einen Stuhl von einer Brücke und kurvt mit einem E-Scooter samt angehängtem Barhocker durch die Straßen.
Wir machen Leute nass, wir tun nichts BösesHamza (14), der sich selbst 'La Douane' nennt
Gegenüber Reportern zeigt sich der Jugendliche uneinsichtig‑vergnügt. 'Ich spritze und renne weg', erzählt er der Zeitung Le Parisien. Sein Vater dulde das Treiben, solange keine echten Dummheiten passierten; seine Mutter habe lange nichts davon gewusst.
Polizei greift wiederholt durch
Die Polizei ist dem 2012 in Spanien geborenen Jugendlichen dicht auf den Fersen. Am 25. Juni versuchen Beamte, ihn am Kanalufer zu stellen – Hamza steigt in den Streifenwagen, öffnet kurz darauf die Tür und flüchtet ins Wasser. Zwei Tage später wird er in Gewahrsam genommen, der Vorwurf: gemeinschaftliche Gewalt und Sachbeschädigung. Anfang Juli folgt eine weitere Festnahme wegen schweren Diebstahls, Beamtenbeleidigung und Widerstands. Polizeiquellen berichten von mindestens zehn vorangegangenen Ingewahrsamnahmen.
Rassismusvorwurf und politische Debatte
Während die einen in Hamza einen harmlosen Lausbuben sehen – er selbst sagt: 'bestimmte Leute freuen sich, nass zu werden, und verlangen mehr, im Viertel liebt man mich' –, brandmarken ihn rechte Kreise als 'Terreur'. Die Eltern reagieren mit einer Strafanzeige wegen Belästigung und rassistischer Beleidigungen. SOS Racisme schaltet die Medienaufsicht Arcom ein und verurteilt eine 'Kampagne rassistischer Hetze' gegen den Minderjährigen.
Hören Sie uns zu, wenn wir über unsere Schwierigkeiten mit diesen Jugendlichen sprechenFatima Aït Bounoua, Lehrerin
Andere Stimmen wie der Politiker Jean-Philippe Doux werfen der Gesellschaft vor, aus dem Verhalten des 14‑Jährigen einen Star zu machen. Die Debatte bleibt ein Brennglas für die Auseinandersetzung über Jugendkriminalität, soziale Medien und den Umgang mit mehrfach auffälligen Minderjährigen.





