Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil hat im ARD-Sommerinterview am 5. Juli 2026 Änderungen an der Rentenreform des schwarz-roten Reformpakets in Aussicht gestellt. Die Einigung auf das 34-Punkte-Paket war erst drei Tage zuvor erzielt worden. Moderator Matthias Deiß konfrontierte Klingbeil mit einer kritischen Rechnung, die offenbar Belastungen für bestimmte Gruppen aufzeigte – der SPD-Vorsitzende reagierte prompt und signalisierte Korrekturen.
Welche konkreten Anpassungen Klingbeil anstrebt, blieb im Interview offen. Er betonte jedoch die Gesprächsbereitschaft für das anstehende parlamentarische Verfahren. Bereits im Koalitionsausschuss war die Rentenreform als Teil des Pakets „Wachstum und Beschäftigung“ beschlossen worden, das unter anderem Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen vorsieht.
Krankschreibung: „Nicht krank zur Arbeit schleppen“
Die geplante Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag hatte im Vorfeld scharfe Kritik von Ärztevertretern und Gewerkschaften ausgelöst. Klingbeil verteidigte den Kompromiss als sozialdemokratische Alternative zum ursprünglichen Vorstoß der Union, unbezahlte Karenztage einzuführen.
Da haben wir als Sozialdemokraten gesagt, das machen wir nicht mit.Lars Klingbeil, SPD-Vorsitzender und Vizekanzler
Er erinnerte daran, dass es eine solche Regelung in den Siebzigerjahren bereits gab und sie nicht funktioniert habe. Für die praktische Umsetzung riet er zu Pragmatismus: Die Bescheinigung müsse nicht am ersten Tag vorgelegt werden, und Arbeitgeber sowie Tarifpartner könnten flexible Lösungen vereinbaren.
Ihr müsst euch nicht krank zum Arzt schleppen und auch nicht krank auf die Arbeit schleppen.Lars Klingbeil
Steuerstreit: „Superreichensteuer“ im Faktencheck
Für Aufsehen sorgte Klingbeils Behauptung, er habe eine „Superreichensteuer“ durchgesetzt. Ein Faktencheck der ARD widersprach dieser Darstellung. Zwar wird die Reichensteuer in zwei Stufen ausgeweitet – ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen gelten künftig 45 Prozent, ab 280.000 Euro 47 Prozent –, eine darüber hinausgehende „Superreichensteuer“ ist im Paket nicht enthalten.
Deswegen habe ich sehr dafür gekämpft, dass die Reichensteuer ausgeweitet wird und wir jetzt sogar eine Superreichensteuer einführen.Lars Klingbeil
Daneben betonte Klingbeil die steuerliche Entlastung von zehn Milliarden Euro für kleine und mittlere Einkommen. Für eine Familie bedeute das rund 600 Euro mehr im Jahr – eine Summe, die „nicht nichts“ sei, so der Vizekanzler.
Das gesamte Reformpaket sei aber nur ein erster Schritt: „Wir haben jetzt ein kleines Stück Weg geschafft, aber noch nicht mehr“, sagte Klingbeil. Die geplante höhere Neuverschuldung rechtfertigte er mit sicherheitspolitischen Notwendigkeiten und der Aufrüstung der Bundeswehr. Zugleich kündigte er einen robusteren Kurs gegenüber China an.
Die Reformpläne gehen nun in die parlamentarischen Beratungen. Klingbeil rechnet mit der einen oder anderen Änderung, warnte aber davor, das Gesamtpaket aufzuschnüren: „Nichts tun und unser Land einfach in diesem Status quo belassen, das wäre das Schlimmste, was man diesem Land gerade antun könnte.“









