Der Eklat
Nach der 0:1-Niederlage Paraguays gegen Frankreich im WM-Achtelfinale am 4. Juli 2026 in Philadelphia entlud sich der Frust einer Politikerin in rassistischen Tiraden. Die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia veröffentlichte auf X eine Serie von Kommentaren gegen den französischen Kapitän Kylian Mbappé, der das Siegtor per Foulelfmeter erzielt hatte.
Amarilla, 61-jähriges Mitglied der Liberalen Radikalen Partei, bezeichnete Mbappé unter anderem als „kolonisierten Kameruner, der verzweifelt versuche, sich als Franzose auszugeben“ und als „Rohling“. Sie forderte Paraguays Torhüter Orlando Gill auf, Mbappé den Mittelfinger zu zeigen, und legte den Spielern nahe, den Stürmer nach Abpfiff zu schlagen. Auslöser war laut Amarilla eine vermeintlich respektlose Geste Mbappés.
Madame Celeste Amarilla, Sie sind eine verabscheuungswürdige Frau und Ihres Amtes unwürdig. Sie repräsentieren nicht Paraguay, jenes Land, das während des gesamten Wettbewerbs mit Leidenschaft und Ehre gekämpft hat. Durch Ihre Rücksichtslosigkeit und Ihren unverfrorenen Rassismus hat die ganze Welt den Weg und die historische Leistung Ihrer Spieler bei dieser Weltmeisterschaft bereits vergessen und macht Platz für eine inkompetente Frau, die das denkbar schlechteste Bild ihres Landes abgibt. Ich werde niemals zulassen, dass Menschen wie sie die Freiheit haben, ihren Hass und Rassismus über die Welt zu verbreiten.Kylian Mbappé antwortete auf X
Ermittlungen und Verurteilungen
Noch am Montag kündigte der französische Fußballverband (FFF) an, rechtliche Schritte einzuleiten. In einer Stellungnahme nannte der Verband die Äußerungen „rassistisch“, „absolut verabscheuungswürdig und inakzeptabel“. Am Dienstag bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft, ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer öffentlicher Beleidigung sowie Aufstachelung zu Hass aufgrund der Herkunft eingeleitet zu haben. Die Delikte sind mit bis zu einem Jahr Haft und 45.000 Euro Geldstrafe bedroht.
Auch die paraguayische Regierung reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme, in der sie betonte, die Kommentare repräsentierten weder Regierung noch Volk. Vizepräsident Pedro Alliana schrieb, Fußball sei ein Ausdruck der Brüderlichkeit und solle vereinen. Paraguays Präsident wandte sich zudem in einem Schreiben an Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron, um die Äußerungen zu missbilligen.
Senatorin verlangt Entschuldigung
Am späten Montag veröffentlichte Amarilla einen offenen Brief in französischer und spanischer Sprache. Sie räumte ein, Mbappé mit denselben Beleidigungen attackiert zu haben, die sie selbst aufgrund ihrer gemischten Herkunft erfahren habe, und forderte von Mbappé eine öffentliche Entschuldigung. Andernfalls drohte sie mit rechtlichen Schritten, da die Bezeichnung als „verabscheuungswürdige Frau“ eine Form „geschlechtsspezifischer und politischer Gewalt“ gegen eine gewählte Mandatsträgerin darstelle.
Diese Äußerungen bringen Schande über diejenigen, die sie machen und die sie verbreiten. Die Spieler der französischen Nationalmannschaft repräsentieren Frankreich; es ist unser Land, das beleidigt wird.Philippe Diallo, Präsident des französischen Fußballverbands





