124,7 Milliarden Euro: Deutschland meldet Rekord-Verteidigungsausgaben – Merz kontert Trump
KI-Bild
PolitikNato-Gipfel

124,7 Milliarden Euro: Deutschland meldet Rekord-Verteidigungsausgaben – Merz kontert Trump

Die Bundesregierung meldet der Nato mit 124,7 Milliarden Euro so hohe Verteidigungsausgaben wie nie – ein Plus von 25,5 Prozent. US-Präsident Trump nannte die bisherigen Beiträge erneut „lächerlich“, Kanzler Merz weist das zurück: „Kein Grund, uns zu verstecken.“

Rekordausgaben: 124,7 Milliarden Euro für Verteidigung

Die Bundesregierung hat der Nato zum Gipfelauftakt in Ankara am 7. Juli 2026 offizielle Zahlen zu den deutschen Verteidigungsausgaben übermittelt. Danach belaufen sich die Ausgaben im laufenden Jahr auf 124,7 Milliarden Euro – eine Steigerung um 25,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem sie rund 99,3 Milliarden Euro betrugen. In absoluten Zahlen entspricht dies einem Plus von 25,4 Milliarden Euro und markiert den höchsten jemals für Deutschland registrierten jährlichen Anstieg, wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte.

Der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt erreicht demnach 2,69 Prozent, verglichen mit 2,22 Prozent im Vorjahr. Deutschland liegt damit im Bündnis nur noch hinter den USA.

Trump poltert: Europäische Ausgaben „lächerlich“

Trotz des Rekordanstiegs hatte US-Präsident wenige Tage vor dem Gipfel die Ausgaben europäischer Partner erneut als „lächerlich“ und „einseitig“ bezeichnet und besonders Deutschlands frühere Beiträge zwischen 2014 und 2025 als „VIEL NIEDRIGER“ als die der USA oder anderer Verbündeter kritisiert, wie der Spiegel berichtete. Die harschen Worte sorgten für transatlantische Verstimmungen.

Bundeskanzler Friedrich Merz wies die Vorwürfe bei einer Pressekonferenz mit den baltischen Staatschefs am 3. Juli in Berlin scharf zurück: „Deutschland verdoppelt seinen Verteidigungshaushalt innerhalb von vier Jahren. Das ist die größte Anstrengung, die wir je unternommen haben, um unsere Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Wir haben keinerlei Grund, uns vor irgendjemandem zu verstecken.“ Merz unterstrich zudem die Ernsthaftigkeit, mit der Deutschland die russische Bedrohung nehme, und verwies auf die Rolle als größtem EU-Mitglied im Bündnis.

Nato-Gipfel: 3,5-Prozent-Ziel bis 2029 angepeilt

Beim Gipfel in Ankara bekräftigte Merz, Deutschland wolle das beim NATO-Gipfel in Den Haag 2025 beschlossene Ziel von 3,5 Prozent des BIP für Kernverteidigungsfähigkeiten bereits 2029 erfüllen – sechs Jahre vor der vereinbarten Frist 2035. Die Ausgaben des Verteidigungsministeriums sollen dazu von den für 2026 vorgesehenen gut 108 Milliarden Euro bis 2029 auf rund 152 Milliarden Euro steigen – eine Verdreifachung gegenüber 2023.

Insgesamt erreichten fünf der 32 NATO-Staaten 2026 bereits das Fünf-Prozent-Ziel: Estland, Griechenland, Lettland, Litauen und Polen. 17 Mitgliedstaaten schafften das Teilziel von 3,5 Prozent plus 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Posten. Einige Länder verharren dagegen bei etwa zwei Prozent, Slowenien rutscht sogar unter diese Marke. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hob in Ankara hervor, dass die europäischen Verbündeten und Kanada allein 2025 fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr investiert hätten und über die Jahre 2025 und 2026 hinweg insgesamt 258 Milliarden Dollar zusätzlich bereitstellten.

Hintergrund der massiv erhöhten Ausgaben ist die durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und hybride Angriffe wie die Beschädigung von Unterseekabeln drastisch verschärfte Sicherheitslage. Nachrichtendienste gehen davon aus, dass Russland ab 2029 theoretisch zu einem Angriff auf Nato-Territorium fähig wäre. Mit den Investitionen soll Abschreckung aufgebaut werden. Ob der transatlantische Streit über die Lastenverteilung damit beigelegt ist, bleibt offen.

Mehr aus

Politik