Namibia drängt auf Ende der Reparationsverhandlungen bis Ende 2026
KI-Bild
PolitikVölkermord-Reparationen

Namibia drängt auf Ende der Reparationsverhandlungen bis Ende 2026

Präsidentin Nandi-Ndaitwah fordert von Deutschland eine förmliche Entschuldigung und echte Reparationen – doch die Bundesregierung lehnt rechtliche Zahlungen bisher strikt ab.

Der jahrzehntelange Streit um die Wiedergutmachung des Völkermords an Herero und Nama spitzt sich zu. Namibias Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah drängt auf einen Abschluss bis Ende 2026 – doch Deutschland blockt bei rechtlichen Reparationen. Das seit 2021 auf dem Tisch liegende Angebot von 1,1 Milliarden Euro Entwicklungsgeldern reicht Windhoek nicht aus.

Die koloniale Vergangenheit als offene Wunde

Zwischen 1904 und 1908 ermordeten deutsche Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika mindestens 60.000 Menschen der Volksgruppen der Ovaherero und Nama. Überlebende wurden in Konzentrationslager getrieben, der berüchtigte „Vernichtungsbefehl“ von General Lothar von Trotha zielte auf ihre Auslöschung. Historiker werten die Verbrechen als ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Das Abkommen von 2021: 1,1 Milliarden Euro ohne formelle Anerkennung

2021 erkannte Deutschland den Genozid an und sagte 1,1 Milliarden Euro für Entwicklungsprogramme zu – verteilt über 30 Jahre. Die Zahlung gilt jedoch als ex gratia, also ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Eine Entschuldigung oder Reparationen im juristischen Sinne bleiben aus. Namibias Parlament und die betroffenen Gemeinschaften lehnten das Abkommen ab. Sie forderten direkte Verhandlungen und echte Entschädigungen.

Nandi-Ndaitwah macht Reparationen zur Chefsache

Seit ihrem Amtsantritt im März 2025 treibt die neue Präsidentin die Forderungen mit Nachdruck voran. „I can not see this process going to next year“, erklärte sie im BBC-Interview. Beim ersten nationalen Genocide Remembrance Day am 28. Mai 2025 betonte sie den Willen zum Abschluss:

We must remain committed that as a nation, we shall soldier on until the ultimate conclusion is reached.
Netumbo Nandi-Ndaitwah

Nandi-Ndaitwahs Kernforderungen: Deutschland müsse den Völkermord staatlich anerkennen, sich bedingungslos entschuldigen und Reparationen leisten. International vernetzte sie das Thema mit der globalen Debatte um „reparatory justice“ – etwa auf einer Konferenz in Accra, die im Juni 2026 einen Rahmen für Wiedergutmachungsgerechtigkeit verabschiedete.

Bundesregierung bleibt hart: Keine rechtlichen Reparationen

Die deutsche Position ist unverändert: Eine Kleine Anfrage der Grünen beantwortete die Regierung im August 2025 mit der Feststellung, dass der völkerrechtliche Begriff der Wiedergutmachung die Verletzung einer internationalen Verpflichtung voraussetze – eine solche habe zur Tatzeit nicht existiert. Reparationszahlungen lehne man daher ab. Man biete stattdessen Entwicklungshilfe und Dialog an.

Ausblick: Entscheidung bis Jahresende?

Nandi-Ndaitwah zeigte sich zuletzt optimistisch, dass eine Einigung noch 2026 möglich sei. Der namibische Verhandlungsführer bestätigte, dass man „intensive Gespräche“ führe. Doch die Kluft zwischen rechtlicher Anerkennung und ex-gratia-Zahlungen bleibt tief. Ein Scheitern könnte den Druck auf Deutschland erhöhen – international und innenpolitisch.

Umfrage
Lädt
Mehr aus

Politik