Die FIFA durchbricht die Isolation: Im Oktober 2026 wird bei der ersten U15-Weltmeisterschaft in Aserbaidschan eine russische Nationalmannschaft auflaufen. Es ist die erste Teilnahme an einem FIFA-Turnier seit dem März 2022, als der Verband Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgeschlossen hatte.
Infantino drängte auf Rückkehr
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte bereits im Februar 2026 für eine Aufhebung des Banns geworben. In einem Interview mit der Deutschen Welle erklärte er, das Verbot habe 'nichts gebracht' und nur 'Frustration und Hass' geschürt. 'Wir müssen das tun – zumindest auf Jugendebene', forderte Infantino. Die Sanktionen waren von FIFA und UEFA gemeinsam verhängt worden – mit der Begründung, der Krieg gefährde die 'Integrität des Wettbewerbs'.
Im Juni 2026 bestätigte das FIFA-Council Aserbaidschan als Gastgeber und legte fest, dass das Turnier allen 211 Mitgliedsverbänden offensteht. Ausdrücklich schloss das die Verbände Russlands und Belarus' ein, deren Teams zuvor von sämtlichen Wettbewerben ausgeschlossen waren. Die Entscheidung war bereits erwartet worden, nachdem Infantino mehrfach Signale in diese Richtung gesendet hatte.
Schwere Vorwürfe aus Kiew
Die ukrainische Regierung und der Fußballverband reagierten empört. Sportminister Matvii Bidnyi nannte Infantinos Vorstoß 'unverantwortlich' und 'infantil'. Er verwies auf mehr als 650 getötete ukrainische Athleten und Trainer seit Kriegsbeginn, darunter über hundert Fußballer. 'Fußball kann nicht außerhalb der Realität existieren', sagte Serhii Palkin, Geschäftsführer von Schachtar Donezk, und warf Infantino 'vollständige Loslösung von der Realität' vor.
Der ukrainische Fußballverband drohte indirekt mit Boykott, ähnlich wie bereits 2023, als ein kurzzeitiger Versuch, russische U17-Teams zuzulassen, nach heftigen Protesten mehrerer europäischer Verbände – darunter England – scheiterte. 'Das Böse darf nicht ignoriert werden', so Palkin weiter.
Ein historischer Schritt mit Sprengkraft
Die Zulassung zur U15-WM ist kein Einzelfall. Die FIFA plant bereits ein Mädchenturnier 2027 und will ab 2028 alle Verbände mit beiden Geschlechtern einladen. Kritiker sehen darin eine schleichende Normalisierung des Aggressors, während Befürworter auf die integrierende Kraft des Sports verweisen. Infantino selbst hat die Rückkehr an Fortschritte in Friedensverhandlungen geknüpft, doch konkrete Bedingungen fehlen.
Offen bleibt, wie europäische Verbände reagieren. Ein gemeinsamer Boykott scheint derzeit unwahrscheinlich, doch einzelne Nationen könnten ihre Teilnahme verweigern. Die UEFA hat sich bislang nicht offiziell geäußert, Präsident Aleksander Čeferin hatte jedoch erklärt: 'Wenn der Krieg aufhört, werden sie wieder zugelassen.' Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht.





