Drei von vier Deutschen unzufrieden mit Merz
75 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unzufrieden – ein neuer Negativrekord und ein Prozentpunkt mehr als bei der letzten Erhebung am 10. Juli 2026. Nur 18 Prozent zeigen sich zufrieden mit dem Kanzler. Das ist das Ergebnis des neuen INSA-Sonntagstrends, den das Meinungsforschungsinstitut INSA wöchentlich für die „Bild am Sonntag“ erhebt und der am 25. Juli 2026 veröffentlicht wurde.
Auch die Arbeit der schwarz-roten Koalition insgesamt bewerten die Deutschen überwiegend negativ: 74 Prozent sind unzufrieden (−1), lediglich 19 Prozent äußern Zufriedenheit (+2). Die zusätzliche Befragung von 1.003 Personen am 23. und 24. Juli bestätigt das anhaltende Stimmungstief der Regierung.
Sonntagsfrage: AfD vorn, Grüne überholen SPD
Bei der Sonntagsfrage bleibt die AfD mit 28 Prozent (−1) klar stärkste Kraft. CDU/CSU stagnieren bei 21 Prozent. Die Grünen legen einen Punkt auf 14 Prozent zu und verdrängen die SPD (12 Prozent, −1) vom dritten Platz. Die Linke kommt auf 11 Prozent (+1), BSW und FDP erreichen jeweils 4 Prozent, die sonstigen Parteien 6 Prozent (−1). Die maximale statistische Fehlertoleranz beträgt ±2,9 Prozentpunkte.
Besonders bitter für die Sozialdemokraten: Die SPD liegt erstmals hinter den Grünen auf Rang vier. Union und SPD, die bei der Bundestagswahl 2025 gemeinsam noch 45 Prozent erzielten, kommen nun nur noch auf 33 Prozent. Die Regierungsunzufriedenheit setzt sich damit als bestimmendes politisches Thema fort.
Chaotische Kabinettsumbildung als Auslöser
Der neue Umfragedämpfer trifft den Kanzler in einer turbulenten Woche. Am 24. Juli 2026 präsentierte Merz eine Kabinettsumbildung, die durch den Rücktritt von Jens Spahn (CDU) als Unionsfraktionschef ausgelöst worden war. Spahn war zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass er und sein Ehemann in den USA eine Leihmutter für ihr Kind in Anspruch genommen hatten – eine in Deutschland verbotene Praxis.
Merz besetzte Thorsten Frei als neuen Fraktionsvorsitzenden, Nina Warken als Kanzleramtschefin, Carsten Linnemann als Gesundheitsminister und Philipp Amthor als Staatsminister für Bund-Länder-Beziehungen. Was der Kanzler bei der Pressekonferenz nicht sagte: Eigentlich sollte Verkehrsminister Patrick Schnieder entlassen und durch den Finanzexperten Fritz Güntzler ersetzt werden. Güntzler sagte jedoch am Freitagmorgen kurzfristig ab.
„Der Bundeskanzler hat mir gestern am späten Nachmittag mitgeteilt, dass er mich als Verkehrsminister entlassen wird. Heute Morgen um 9.00 Uhr wird er dies u. a. in einer Pressekonferenz öffentlich machen. Ich wollte Euch vorher informieren. Vielen Dank für Eure großartige Unterstützung!“
Merz musste sich daher mit einer vagen Ankündigung begnügen: „Es wird weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben.“ Als möglicher Nachfolgekandidat wird nun Steffen Bilger, Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, gehandelt. Aus Koalitionskreisen fiel über die gescheiterte Güntzler-Nominierung die sarkastische Bemerkung, Merz setze „einen Torwart als Linksaußen“ ein.
Reaktionen und Ausblick
AfD-Co-Chefin Alice Weidel forderte auf X Neuwahlen: „Deutschland braucht Neuwahlen.“ Der Politikwissenschaftler Uwe Jun (Universität Trier) ordnete dagegen ein: „Friedrich Merz will zeigen, dass diese Koalition handlungsfähig ist und er als Kanzler handlungsfähig ist. Er will sie jetzt auf einen schnelleren und stärkeren Kurs bringen.“
Der Regierungskoalition stehen im September 2026 schwierige Landtagswahlen bevor, insbesondere in Sachsen-Anhalt, wo die AfD auf eine Mehrheit und damit erstmals auf die Kontrolle einer Landesregierung hofft. Merz hatte erst am 19. Juli erklärt, die Regierung habe „ihren Rhythmus gefunden“ und „geliefert“. Die aktuellen Umfragezahlen und das Chaos um die Ministerrochade widersprechen dieser Darstellung deutlich.





