Mit einem klaren Nein zu Annäherungen an die AfD und einem Machtwort zur Geschlossenheit hat CSU-Chef Markus Söder am Sonntagabend im ARD-Sommerinterview die Reihen der Union geschlossen. Der bayerische Ministerpräsident wehrte sich strikt dagegen, die rechtspopulistische Partei zu imitieren.
Seine Botschaft war unmissverständlich:
„Wir können ja nicht, um sozusagen die AfD zu bekämpfen, die AfD kopieren. Da wehre ich mich dagegen.“
Auch als Moderatorin Anna Engelke ihm ein internes Papier mit Austrittsdrohungen aus der CSU vorhielt, blieb Söder gelassen – verlangte aber, ausreden zu dürfen: „Lassen Sie mich bitte ausreden, nachdem Sie zwei Minuten die Gelegenheit hatten, alles Mögliche zusammenzumixen, was ich so nicht sehe.“ Ein solcher Brief habe in der Form nie existiert, sagte er.
CSU: Stabil trotz Verlusten
Die CSU hatte bei den bayerischen Kommunalwahlen im März mit 32,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit den 1950er-Jahren eingefahren und 13 Landratsposten an die AfD verloren. Söder bewertete die Lage dennoch optimistisch.
Söders sinkender Rückhalt
- 15. März 2026Kommunalwahl-Debakel
CSU rutscht auf 32,5 %, verliert 13 Landratsposten; AfD legt auf 12,2 % zu.
- April 2026Persönliche Talfahrt
Söders Zustimmungswerte im ARD-Deutschlandtrend fallen von 58 % (Pandemie) auf 27 %.
- 27. Juli 2026Machtwort in Kloster Banz
Söder verteidigt Merz' Kabinettsumbau bei der CSU-Klausur.
- 2. August 2026ARD-Sommerinterview
Söder bekräftigt Ablehnung von AfD-Kopie und unterstützt Merz.
Die CSU sei der größte Stabilitätsanker in diesen demokratisch unsicheren Zeiten, sagte Söder. Und: „Ich bleibe dabei: Auch wenn die AfD stärker wird – die CSU ist stabil.“
Rückendeckung für Merz
Angesichts der Turbulenzen um den Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionschef und den gescheiterten Wechsel im Verkehrsministerium rief Söder seine Partei zur Geschlossenheit auf. Erst vor wenigen Tagen hatte er noch Spahns politische Rückkehr für möglich gehalten und die jüngste Kabinettsumbildung verteidigt.
„Ich bin fest überzeugt, dass Friedrich Merz der Kanzler bleibt.“
Ein Kanzlerwechsel könne nur über ein konstruktives Misstrauensvotum erfolgen und könnte zu Neuwahlen führen. „Wer aber jetzt Neuwahlen zulässt, stärkt die Radikalen“, warnte Söder. Sein Appell an die eigenen Reihen: „Mein dringender Rat ist, sich aufs Arbeiten zu konzentrieren und weniger aufs Spekulieren im Hintergrund.“
Ilse Aigner als Bundespräsidentin
Zum Ende des Gesprächs brachte Söder eine neue Personalie ins Spiel: Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61, CSU) solle als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt 2027 in Betracht gezogen werden. Aus der SPD habe er bereits „sehr positive Signale“ erhalten. Die Union müsse sich aber noch einigen, räumte er ein – und das sei „nie immer ganz leicht“.
Migration und Wirtschaft: Söders Rezepte
Als Rezepte gegen den AfD-Aufstieg nannte Söder eine harte Migrationspolitik und Wirtschaftserfolge. Zwar seien die Zuwanderungszahlen gesunken, aber es seien immer noch viele Menschen ohne Aufenthaltsrecht im Land. „Das machen wir in Deutschland jetzt sehr, sehr stark“, behauptete er mit Blick auf Abschiebungen. Laut ARD-Faktenfinder sank die Zahl der Abschiebungen im ersten Halbjahr 2026 jedoch auf 9.663 – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Wirtschaftspolitisch mahnte Söder eine Technologieoffenheit bei Verbrennern an und warnte vor Radikalisierung, wenn Autowerke geschlossen würden. Arbeitszeitverkürzungen erteilte er eine klare Absage: „Wir werden nicht mit weniger Arbeit in Deutschland am Ende erfolgreich sein.“
