Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld für Anschlag auf Verdi-Demo in München
Bild: KI-generiert
München

Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld für Anschlag auf Verdi-Demo in München

Das Oberlandesgericht München hat Farhad Noori zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Der 25-jährige Afghane war am 13. Februar 2025 mit einem Auto in eine friedliche Demonstration gerast, tötete eine Mutter und ihre Tochter und verletzte über 40 Menschen schwer.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Lebenslange Haft und keine Aussicht auf vorzeitige Entlassung: Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München hat den 25-jährigen Farhad Noori am 6. August 2026 für seinen tödlichen Auto-Anschlag auf eine Verdi-Demonstration zur Höchststrafe verurteilt.

Das Gericht sprach Noori wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes in 23 Fällen, 19-facher gefährlicher Körperverletzung und dreifacher vorsätzlicher Körperverletzung schuldig, wie ZDFheute berichtet. Der Senat hatte bereits im Juli 2026 ein irakisches Ehepaar wegen Völkermordes an Jesiden verurteilt. Der Anschlag reiht sich in eine Serie islamistischer Angriffe ein, zuletzt beim Berliner CSD, nach dem Islamismus-Experte Ahmad Mansour scharfe Kritik an der Justiz übte (wie jux.news berichtete).

Die Tat – 13. Februar 2025

Am Morgen des 13. Februar 2025 steuerte Noori seinen weißen Mini Cooper in der Seidlstraße von hinten in einen friedlichen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern, wie die WNOZ meldete. Er schlängelte sich durch fünf Polizeiwagen, beschleunigte auf 34 bis 42 km/h und raste in die Menschenmenge.

Die 37-jährige Amel und ihre erst zweieinhalbjährige Tochter Hafsa, die im Kinderwagen saß, wurden als erste erfasst und starben zwei Tage später im Krankenhaus. Insgesamt wurden 43 weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Die Tat hinterließ auf 12 mal 23 Metern ein Trümmerfeld. Nur ein technischer Zufall verhinderte noch mehr Tote: Beim Aufprall sprang der Gang des Mini Cooper heraus, sodass Noori nicht weiter beschleunigen konnte.

Chronologie des Anschlags

  1. 13. Februar 2025
    Anschlag auf Verdi-Demo

    Farhad Noori rast mit einem Mini Cooper in einen Demonstrationszug in der Münchner Seidlstraße. Zwei Menschen sterben, über 40 werden verletzt.

  2. 26. August 2025
    Anklageerhebung

    Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage wegen zweifachen Mordes und 22-fachen versuchten Mordes.

  3. 16. Januar 2026
    Prozessauftakt

    Vor dem OLG München beginnt der Prozess. Noori schweigt und zeigt die islamistische Tauhid-Geste.

  4. 6. August 2026
    Urteilsverkündung

    Das Gericht verurteilt Noori zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld.

Der Täter und sein Motiv

Farhad Noori, 2001 in Kabul geboren, kam 2016 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er erhielt jedoch eine Duldung und später eine Aufenthaltserlaubnis. In den Wochen vor der Tat radikalisierte er sich und wandte sich einem extremistischen Islam zu, wie der Merkur berichtet. Kurz vor der Tat überwies er seinen Gläubigern noch ausstehendes Geld und sprach das islamische Glaubensbekenntnis.

Während der Fahrt trug er eine Gebetskette und hatte einen Koran berührt. Das Gericht sah einen religiös-politischen Hintergrund: Noori habe eine „gottgefällige Tat“ begehen wollen, aus Rache für das Leid von Muslimen in Gaza und Afghanistan. In der Untersuchungshaft äußerte er wiederholt, als Märtyrer sterben zu wollen.

Die Tathandlung war, man muss es so deutlich sagen, auf die Vernichtung von Menschenleben angelegt.
Michael Höhne, Vorsitzender Richter am OLG München

Der Prozess und das Urteil

Der Prozess begann am 16. Januar 2026. Noori schwieg zu den Vorwürfen und zeigte mehrfach die islamistische Tauhid-Geste. In der Untersuchungshaft äußerte er, er würde „die Tat im Namen Allahs wieder ausführen“, so der Vorsitzende Richter laut Merkur. Die Verteidigung beantragte hingegen eine Höchststrafe von 15 Jahren und die Unterbringung in der Psychiatrie, ein Gutachter sah jedoch nur eine Persönlichkeitsstörung und keine verminderte Schuldfähigkeit.

Der Senat folgte dem Gutachter und verurteilte Noori zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Richter Höhne wandte sich direkt an den Angeklagten:

Anschläge dieser Art sind mitnichten gottgefällig, sondern sinnlos, brutal und menschenverachtend. Muslimen, Ausländern und Minderheiten haben Sie damit einen Bärendienst erwiesen. Rechte und rechtsradikale Kreise nutzen gerade solche Verbrechen, um in der Bevölkerung den Hass auf Ausländer, Muslime und Minderheiten zu schüren.
Michael Höhne, Vorsitzender Richter am OLG München

Die Opfer und die Folgen

Der Angeklagte hat ganze Familien zerstört, Beziehungen und Ehen, Körper und Seelen, aber auch berufliche Karrieren, finanzielle Polster und in vielen Fällen auch die gesamte Zukunft.
David Mühlberger, Nebenklageanwalt

Viele Verletzte leiden bis heute an den physischen und psychischen Folgen. Einige können nicht mehr arbeiten oder sind bedürftig geworden, wie der Merkur schreibt. Eine betroffene Lehrerin sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Ich dachte, das Urteil bringt Frieden und Abschluss, aber das hat es nicht.“

Die Familie der Getöteten, selbst muslimisch geprägt, rief unmittelbar nach der Tat dazu auf, den Tod nicht zu instrumentalisieren. Sie nannte den Täter einen „feigen Kindermörder, hier und in Ewigkeit“ und erklärte: „Da ist nichts Männliches dran, da ist nichts Religiöses dran, da ist nichts Menschliches dran.“