Hallervorden überrascht mit Grünen-Sympathie
In der heißen Phase des Landtagswahlkampfs in Sachsen-Anhalt sorgt Dieter Hallervorden mit einem Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.) für eine Überraschung: Der 90-jährige Komiker und Kabarettist, der in den vergangenen Wochen gemeinsam mit CDU-Ministerpräsident Sven Schulze auf Wahlkampfbühnen stand, offenbarte darin eine politische Präferenz, die kaum jemand erwartet hatte.
„Bei den ständigen Klimakatastrophen tendiert die Option eher in Richtung GRÜN!“
Damit stellt sich der langjährige FDP-Sympathisant und erklärte „Wokeness“-Kritiker auf die Seite der Grünen – ein deutlicher Kurswechsel. Zugleich verteidigte er seine umstrittenen Auftritte mit Schulze und erklärte sie für „wahltaktisch“: Die CDU in Sachsen-Anhalt sei die einzige Partei, die in Koalition mit SPD und Grünen eine AfD-Regierung verhindern könne. Wie jux.net bereits berichtete, hatte Hallervorden vor wenigen Wochen mit Schulze eine mehrteilige Gesprächsreihe unter dem Motto „Kunst braucht Freiheit“ gestartet.
Chronologie der Eskalation
Seit dem 28. Juli 2026 hat Hallervorden in vier Städten in Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Schulze auf der Bühne gestanden – zuletzt am 3. August in Dessau. Die Serie begann mit einem Paukenschlag in Halle, wo Hallervorden Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius als „Kriegstreiber“ bezeichnete.
Hallervordens Wahlkampfauftritte mit der CDU
- 28. Juli 2026Halle an der Saale
Auftakt der Reihe. Hallervorden attackiert Merz und Pistorius als „Kriegstreiber“.
- 29. Juli 2026Magdeburg
Zweiter Abend. Bundes-CDU und Generalsekretärin Hoppermann kritisieren Hallervordens Israel-Aussagen.
- 3. August 2026Dessau
Hallervorden greift Hoppermann direkt an: „Selbst wenn ich Pantomime machen würde, würde die bestimmt noch ein unzulässiges Wort entdecken.“
- 5. August 2026Schulze distanziert sich
Via Social Media nennt Schulze Hallervordens Völkermord-Vorwurf „grundfalsch“, hält aber an der Reihe fest.
- 6. August 2026Jüdische Gemeinschaft kritisiert
Die Jüdische Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt veröffentlicht eine scharfe Erklärung: Schulzes Distanzierung reiche nicht aus.
- 7. August 2026F.A.S.-Interview
Hallervorden bekennt sich zu Grünen-Präferenz und verteidigt CDU-Auftritte als wahltaktisch.
Die Auftritte stoßen auf erhebliches Echo – nicht nur bei Kulturinteressierten, die die Meinungsfreiheit feiern, sondern auch bei der Parteiführung in Berlin. In Umfragen liegt die AfD unterdessen uneinholbar vorn – eine absolute Mehrheit mit 41 Prozent droht.
Völkermord-Vorwurf und jüdische Kritik
Am deutlichsten wird der Konflikt bei Hallervordens Haltung zum Nahen Osten. In seinen Bühnenprogrammen blendet er das Bild einer Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ ein. Der F.A.S. sagte er:
„In dem Staat Israel: Ja! In den israelischen Politikern unter Netanjahu: Nein! Wer seit Dezember 2023 vor dem Internationalen Gerichtshof wegen Völkermords angeklagt ist, hat seinen Anspruch auf Freundschaft verwirkt.“
Die Jüdische Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt reagierte daraufhin am 6. August mit einer scharfen Erklärung, wie die Welt berichtet. Darin heißt es, Hallervorden vertrete „offen antiisraelische Positionen“ und verbreite Narrative, „die die tragischen Ereignisse in und um Israel verzerren“. Schulzes Distanzierung sei „als Klarstellung nicht ausreichend“ für demokratische Parteien dürfe es „keine öffentliche Nähe zu Personen geben, die die Terrorangriffe der Hamas vom 7. Oktober relativierten“.
Unterstützung erhält die Kritik aus der Bundes-CDU: Generalsekretärin Franziska Hoppermann stellte bereits zuvor klar: „Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.“
Innerparteilicher Druck auf Schulze
Nicht nur die jüdische Gemeinschaft, auch führende CDU-Vertreter erhöhen den Druck auf Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten. Dennis Thering, CDU-Landesvorsitzender in Hamburg, sagte dem Tagesspiegel: „Es bleibt eine offene Frage, wie sinnvoll es ist, mit den zum Teil kruden Thesen von Herrn Hallervorden als CDU zu werben.“
„Es bleibt eine offene Frage, wie sinnvoll es ist, mit den zum Teil kruden Thesen von Herrn Hallervorden als CDU zu werben.“
Schulze selbst versucht eine Gratwanderung. In Dessau erklärte er: „Ich teile nicht jeden Inhalt von Didi.“ Zum Völkermord-Vorwurf habe er eine „völlig andere Meinung“. Dennoch wolle er die Gesprächsreihe fortsetzen – Demokratie müsse kontroverse Meinungen aushalten.
