Rund vier Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt offenbart eine Auswertung des WahlSwipers eine politische Zeitenwende: AfD und Linke sind sich bei fast der Hälfte aller landespolitischen Fragen einig. 18 von 38 Positionen (47,4 Prozent) beantworten beide Parteien identisch, wie FOCUS online am 8. August 2026 berichtet. Bei der Bundestagswahl 2025 lag dieser Wert noch bei 15,8 Prozent, 2021 sogar nur bei 13,9 Prozent – damals galt das Paar als das unähnlichste aller Parteien.
Übereinstimmung AfD – Linke im WahlSwiper
Anteil identischer Antworten bei Bundestagswahlen und der Landtagswahl 2026
Wo sich AfD und Linke plötzlich einig sind
„Bei der Bundestagswahl 2025 war das Paar AfD und Linke im WahlSwiper mit 15,8 Prozent das Unähnlichste überhaupt.“
Sieben der 18 gemeinsamen Antworten entfallen auf die Sozial- und Infrastrukturpolitik. Beide Parteien sprechen sich für beitragsfreie Kitas, kostenfreies Mittagessen in Kita und Schule sowie kostenlosen Nahverkehr für Schüler und Auszubildende aus. Auch die Erhöhung der Grundfinanzierung der Universitäten, die Abschaffung der Zweitstudiengebühren und ein Stopp weiterer Krankenhausprivatisierungen gehören zum beiderseits befürworteten Programm.
Darüber hinaus wollen beide das Wahlalter bei Landtagswahlen auf 16 Jahre senken – CDU und BSW lehnen das ab. Auch bei der Forderung, die Landespolizei um mindestens zehn Prozent aufzustocken, ziehen AfD und Linke an einem Strang. In der Russland-Frage gehen die Positionen hingegen auseinander: Der AfD-Vorstoß für ein Ende der EU-Sanktionen via Bundesrat findet bei der Linken keine Zustimmung.
Die harten Gegensätze bleiben
Bei 20 der 38 Fragen liegen beide Parteien weiterhin über Kreuz. Die klassische Links-rechts-Konfliktlinie bleibt intakt: Die Linke will eine Vermögensteuer, die AfD ist dagegen; die Linke macht neue Schulden, die AfD will sie konsequent vermeiden. Auch bei Privatisierungen öffentlichen Eigentums, Schwangerschaftsabbrüchen an Landeskliniken, Windkraft, Kohlestrom, dem Einsatz von Tasern, einer Arbeitspflicht für Asylbewerber oder dem Medienstaatsvertrag sind die Fronten klar.
Die CDU – isoliert in der politischen Landschaft
Die größte programmatische Nähe besteht innerhalb des linken Lagers: Linke und Grüne stimmen bei 92,1 Prozent der Fragen überein, Linke und SPD bei 84,2 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze findet dagegen kaum Anschluss. Ihre höchste Übereinstimmung hat sie mit der FDP (76,3 %), gefolgt von der AfD (50,0 %). Mit Grünen (36,8 %), SPD (39,5 %) und Linken (39,5 %) liegt sie im unteren Bereich, vom BSW (26,3 %) ist sie Welten entfernt.
Grund ist die zurückhaltende Antwortstrategie der CDU: Mit nur 24 Prozent Ja-Antworten ist sie die am wenigsten festgelegte Partei. Das erschwert Koalitionsoptionen massiv – rechnerisch möglich wäre allenfalls ein Bündnis unter Tolerierung der Linken, wie jux.news bereits analysiert hat.
„Derzeit hat keiner eine Mehrheit.“
Drei Gründe für die unerwartete Nähe
Landespolitischer Zuschnitt: Themen wie Kitas, Schulen und Nahverkehr sind Felder mit breiter gesellschaftlicher Einigkeit – die konfliktträchtigen Bundesthemen, an denen sich AfD und Linke sonst reiben, kommen weniger vor. Strategische Mitte: Beide Parteien haben einen Anreiz, sich mehrheitsfähigen Positionen anzunähern. Die entscheidenden Prozente für die Macht liegen in der Mitte, Protestwähler wählen die AfD ohnehin.
Politische Signale: Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, einem früheren CDU-Mitglied, versucht ein gemäßigteres Profil zu zeigen und sich vom radikalen Thüringer Landesverband abzusetzen. Auch die Linke hält sich eine Zusammenarbeit mit der CDU offen. Siegmund betonte gegenüber BILD:
„Denn ein programmatisches ‚Weiter so‘, wie es die CDU in den vergangenen 24 Jahren in der Regierung betrieben hat, wird es mit der AfD nicht geben.“
Wahlpolitische Folgen: Droht eine AfD-Alleinregierung?
In Umfragen führt die AfD derzeit mit rund 41 Prozent klar vor der CDU, die bei 24 bis 25 Prozent liegt, wie jux.news berichtete. Grüne, SPD, FDP und BSW kämpfen um das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde. Scheitern alle vier, könnten bereits 40 Prozent der Stimmen für eine absolute AfD-Mehrheit ausreichen. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Die CDU steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe: Eine Koalition mit der SPD hätte eine Schnittmenge von unter 40 Prozent, eine Regierungsbildung wäre nur unter Tolerierung der Linken möglich. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann erklärte:
„Wir kämpfen für eine stabile Regierung aus der demokratischen Mitte mit einer starken SPD.“
