Vier Wochen vor der Landtagswahl liegt die AfD in Sachsen-Anhalt mit 42 Prozent uneinholbar vorn. Das BSW könnte als Königsmacher entscheiden, ob der CDU-Amtsinhaber abgewählt wird.
Vier Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD ihren Vorsprung auf ein Rekordniveau ausgebaut. Das ergab eine neue Insa-Umfrage, über die die Welt am Montag berichtete. Demnach erreicht die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund 42 Prozent – und liegt damit fast doppelt so hoch wie die CDU des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze, die auf 22 Prozent abstürzt.
Der Abstand von 20 Prozentpunkten sei nicht mehr aufzuholen, betonte Insa-Gründer Hermann Binkert. Seine Prognose fällt eindeutig aus.
„Die CDU wird die AfD bis zum 6. September nicht mehr überholen. Die AfD wird bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die stärkste politische Kraft.“
Hermann Binkert, Gründer des Meinungsforschungsinstituts Insa
Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU unter Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent geholt, die AfD kam auf 20,8 Prozent. Seitdem hat die AfD ihren Stimmenanteil verdoppelt, die CDU mehr als ein Drittel ihrer Wähler verloren.
Wagenknechts BSW als Königsmacher
Eine zentrale Rolle könnte dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zukommen. Mit 5 Prozent würde die Partei knapp in den Magdeburger Landtag einziehen. BSW-Parteigründerin Sahra Wagenknecht positionierte sich klar gegen den CDU-Amtsinhaber.
„Unser Wahlziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers und seine Ersetzung durch einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der die Brandmauer-Idiotie beendet.“
Sahra Wagenknecht, BSW-Parteigründerin
BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig ergänzte: „Nur wenn das BSW in den Landtag einzieht, kann die nächste Amtszeit des CDU-Ministerpräsidenten verhindert werden. Die AfD allein wird es nicht schaffen.“
Weder Schulze noch Siegmund hätten nach den aktuellen Umfragewerten eine absolute Mehrheit, die in den ersten beiden Wahlgängen für die Wahl zum Ministerpräsidenten nötig wäre. Im dritten Wahlgang reicht jedoch die einfache Stimmenmehrheit. Enthielten sich die BSW-Abgeordneten, käme die AfD mit 42 Prozent auf mehr Stimmen als CDU, Linke und SPD zusammen (41 Prozent).
Allerdings steht diese Rechnung auf der Kippe: FDP und Grüne scheitern mit jeweils 4 Prozent an der Fünfprozenthürde. Sollte eine der beiden Parteien doch noch den Einzug schaffen, würde es leichter, gemeinsam mit CDU, SPD und Linken einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern. Der Kampf um die Fünfprozenthürde ist damit wahlentscheidend.
Insa-Umfrage Sachsen-Anhalt (10. August 2026)
Angaben in Prozent
Quelle: Insa/Bild
Schulze unter Druck – Zufriedenheit im Keller
Die Zufriedenheit mit der Landesregierung ist gering: Nur noch 29 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden, 66 Prozent zeigen sich weniger oder gar nicht zufrieden, wie die Ostdeutsche Allgemeine berichtet. Bei der Regierungsfrage liegen AfD und CDU fast gleichauf: 44 Prozent wünschen sich die AfD an der Spitze, 43 Prozent die CDU.
Eine Koalition aus CDU und AfD lehnen jedoch 60 Prozent der Befragten ab, nur 33 Prozent sind dafür. Ein Bündnis aus CDU und Linken wird von 61 Prozent abgelehnt. Sven Schulze hat eine Zusammenarbeit mit beiden Parteien mehrfach ausgeschlossen. Unterdessen hatte der frühere CDU-Ministerpräsident Werner Münch kürzlich gefordert, die AfD regieren zu lassen.
Zuletzt sorgten gemeinsame Wahlkampfauftritte Schulzes mit dem Schauspieler Dieter Hallervorden für innerparteiliche Debatten. Hallervorden sang gegen Kanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius und zeigte dazu Bilder, die einen SA-Aufmarsch zeigten. Schulze und CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann distanzierten sich. Schulze räumte später ein, dass auf seiner Bühne Dinge gesagt und gesungen worden seien, „die ich für falsch halte“, teils sogar für „grundfalsch“.
Umfrage
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Chronik einer wachsenden Übermacht
Die Chronologie
6. Juni 2021
Landtagswahl 2021
CDU 37,1 %, AfD 20,8 % – Reiner Haseloff bildet eine Deutschland-Koalition.
3. Juli 2026
Insa-Umfrage
AfD 41 %, CDU 23 % – AfD erstmals deutlich vorn.
30. Juli 2026
Infratest-dimap
AfD 41 %, CDU 24 % – Vorsprung bleibt stabil.
10. August 2026
Neue Insa-Umfrage
AfD 42 %, CDU 22 % – Binkert erklärt den Rückstand der CDU für uneinholbar.
Der Trend ist unübersehbar: Die AfD hat sich im Laufe des Wahlkampfs kontinuierlich gesteigert, während die CDU weiter an Zustimmung verlor. Bereits Ende Juli zeichnete sich eine AfD-Mehrheit ab, nun ist der Vorsprung auf 20 Punkte gewachsen.
Am 6. September entscheidet sich, ob die AfD tatsächlich den Ministerpräsidenten stellt oder ob die anderen Parteien doch noch eine Koalition gegen sie bilden können. Für Schulze wird es eng – ein AfD-Erdrutschsieg könnte die politische Landschaft in Sachsen-Anhalt grundlegend verändern.