Nach Ceuta-Krise: Weber fordert Abschiebezentren in Afrika und Frontex-Kommandogewalt
Manfred Weber (EVP) drängt nach dem Massenansturm auf Ceuta auf rasche Einrichtung von „Return Hubs“ in Afrika und einen massiven Ausbau der EU-Grenzagentur Frontex – notfalls mit Kommandogewalt über nationale Behörden. Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen fordern Rückführungszentren außerhalb der EU.
Die Bilder von Ceuta haben Europa aufgeschreckt: 72.000 Migranten überrannten Ende Juli die spanische Exklave, mindestens 75 Menschen kamen ums Leben. Italien setzte das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien aus, wie jux.net meldete, die Regierungen von Finnland bis Tschechien forderten Spaniens Ausschluss aus dem Schengen-Raum, 22 EU-Staats- und Regierungschefs warfen Madrid vor, mit einem Massen-Regularisierungsprogramm einen Pull-Faktor geschaffen zu haben.
Nun legt Manfred Weber nach. Der CSU-Europapolitiker, Vorsitzender der EVP-Fraktion und Chef der Europäischen Volkspartei, fordert in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (10. August 2026) einen radikalen Kurswechsel in der EU-Migrationspolitik. Sein Rezept: Abschiebezentren in Afrika, eine massive Aufrüstung der Grenzagentur Frontex und notfalls die Durchsetzung gegen widerspenstige Mitgliedstaaten.
Die Ceuta-Krise im Zeitraffer
Ceuta-Krise - Chronik
29. Juni 2026
Gericht verbietet heiße Rückführungen
Das spanische Oberste Gericht erklärt Rückführungen auf See für unzulässig. Nur an physischen Grenzanlagen bleiben sie legal.
20. Juli 2026
Sánchez besucht Algerien
Spaniens Ministerpräsident reist zum engen Verbündeten der Polisario-Front - Marokko reagiert verstimmt.
30. Juli 2026
Massenansturm auf Ceuta
Tausende Marokkaner überwinden die Grenze schwimmend oder watend. Ceutas Regierungschef Vivas fordert vergeblich den nationalen Notstand.
31. Juli 2026
Schengen-Aussetzungen
Italien und Frankreich setzen das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien aus. Rund 48.300 Migranten kehren freiwillig nach Marokko zurück.
4. August 2026
EU-Innenminister loben Krisenmanagement
Bei einer Sonderkonferenz erklärt EU-Kommissar Brunner, Europa habe den Test bestanden. Die Zahl der Ankömmlinge wird auf 72.000 korrigiert.
10. August 2026
Weber veröffentlicht FAZ-Gastbeitrag
Der EVP-Chef fordert Return Hubs in Afrika und Frontex-Ausbau mit Kommandogewalt.
Weber: „Europa muss rasch Return-Hubs in Afrika verwirklichen“
Weber drängt auf eine schnelle Umsetzung von Rückführungszentren in Drittstaaten. „Europa muss rasch Return-Hubs in Afrika verwirklichen“, schreibt er. Als Anreiz für kooperationswillige Länder verweist er auf die Wirtschaftsmacht der EU: „Die EU hat mit guten Handelsbeziehungen, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und auch legaler Migration enorme Angebote für Länder, die mit uns bei diesen Return-Hubs kooperieren.“
„Europa muss rasch Return-Hubs in Afrika verwirklichen.“
Manfred Weber, EVP-Vorsitzender und CSU-Europapolitiker
Der CSU-Politiker will zudem das Einstimmigkeitsprinzip in der EU-Migrationspolitik aushebeln. „Wir dürfen nicht länger auf den langsamsten Mitgliedstaat warten“, mahnt er. Rückführungen dürften „nicht länger vom politischen Willen einzelner Mitgliedstaaten abhängen“. Die EU hat bereits im Juni 2026 den Weg für solche Zentren geöffnet: Eine neue Rückführungsverordnung erlaubt Abschiebungen in Drittstaaten.
Frontex: 50.000 Kräfte und notfalls Kommandogewalt
Noch weiter geht Weber bei der EU-Grenzschutzbehörde. Frontex müsse zu einer „echten europäischen Grenzschutzagentur mit 50.000 Einsatzkräften ausgebaut werden“, schreibt er. Die Agentur solle „den Mitgliedstaaten auch auf die Finger schauen“ – mit unabhängigen, unangekündigten Kontrollen an den Grenzposten Europas.
„Wenn nationale Behörden nicht willens sind, unsere Grenzen zu schützen, dann muss Frontex auch Kommandogewalt erhalten.“
Manfred Weber, EVP-Vorsitzender und CSU-Europapolitiker
Meloni und Frederiksen fordern ebenfalls Rückführungszentren
Weber steht mit seinen Forderungen nicht allein. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen veröffentlichten kurz zuvor eine gemeinsame Erklärung, in der sie vor „unkontrollierter Migration“ warnen und sich ebenfalls für Rückführungszentren außerhalb der EU aussprechen. „Wir akzeptieren keine unkontrollierte Migration nach Europa“, heißt es darin. Durch illegale Einwanderung stiegen die Kriminalitätsraten, öffentliche Dienstleistungen würden zunehmend belastet.
„Wir akzeptieren keine unkontrollierte Migration nach Europa.“
Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin Italiens
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) treibt das Vorhaben in einer Arbeitsgruppe mit den Niederlanden, Österreich, Griechenland und Dänemark voran. Noch 2026 sollen konkrete Vereinbarungen mit Drittstaaten getroffen werden. Menschenrechtsorganisationen laufen Sturm: UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk warnte, dass EU-Mitgliedstaaten ihre menschenrechtlichen Verpflichtungen nicht einfach auslagern könnten – es bestehe ein „hohes Risiko von Menschenrechtsverletzungen“.