Holm will Identität bewahren und illegale Einwanderung stoppen
AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm distanziert sich im WELT-Interview von der „Großer Austausch“-Verschwörung, pocht aber auf strikte Migrationsbegrenzung. Mit einer „Rückführungspolizei“ und 43-Prozent-Ziel geht er in den Endspurt um die Alleinregierung.
AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hat im Interview mit der WELT AM SONNTAG klargestellt, dass er nicht an den „Großen Austausch“ glaube. „Faktisch verändert sich das Land durch die illegale Einwanderung drastisch. Und das müssen wir stoppen, denn wir wollen unsere Identität bewahren“, sagte der 56-Jährige. Gleichzeitig schloss er eine gesteuerte Fachkräftezuwanderung nicht aus.
„Ich glaube nicht an einen großen geheimen Plan. Aber faktisch verändert sich das Land durch die illegale Einwanderung drastisch. Und das müssen wir stoppen, denn wir wollen unsere Identität bewahren. Das schließt eine gesteuerte, dosierte Fachkräftezuwanderung nicht aus.“
Leif-Erik Holm, AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern
Als migrationspolitisches Kerninstrument forderte Holm eine „Rückführungspolizei“ – eine spezialisierte Einheit innerhalb der Landespolizei, die sich konsequent um die Abschiebung ausreisepflichtiger Personen kümmert. „Viele ausreisepflichtige Personen tauchen unter“, begründete er. Dass dabei oft gut integrierte Menschen abgeschoben werden, während Schwerkriminelle untertauchen, räumte er als „gewisse Ungerechtigkeit“ ein, betonte jedoch: „Trotzdem muss ein Rechtsstaat geltendes Recht durchsetzen.“
Koalitionsoptionen und Warnung an die CDU
Holm hält an seinem Ziel einer Alleinregierung fest. Bei der Landtagswahl am 20. September peilt er mindestens 43 Prozent an – in aktuellen Umfragen liegt die AfD bei 36 Prozent. Eine Zusammenarbeit mit der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schließt er aus, die CDU sieht er inhaltlich am nächsten. Doch die Union verstecke sich „hinter der Brandmauer“. Für den Fall, dass die CDU in Sachsen-Anhalt mit der Linkspartei koaliere, prophezeite er: „Das würde den Laden zum Explodieren bringen.“
Holm selbst hofft auf Rückenwind aus Sachsen-Anhalt, wo am 6. September gewählt wird und die AfD in Umfragen sogar bei 41 Prozent liegt. „Wenn die das schaffen, was meint ihr, was dann los ist? Dann gibt es einen Endspurt, den es so noch nie gegeben hat“, sagte er beim Wahlkampfauftakt in Stralsund. Schon im Juli hatte Holm die absolute Mehrheit als Ziel ausgegeben.
Die Wahl des Bundestagsabgeordneten Dario Seifert zum Generalsekretär des Landesverbands verteidigte Holm, obwohl Seifert von 2012 bis 2014 Mitglied der NPD-Jugendorganisation war. „Man kann der Jugend nicht ewig Fehler nachtragen“, so Holm, und zog einen Vergleich zum früheren Außenminister Joschka Fischer: „Der hat Steine auf Polizisten geworfen und wurde später Außenminister.“
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Leif-Erik Holms politischer Werdegang
Die Chronologie
2013
Mitgründer der AfD
Holm gehört zu den Gründungsmitgliedern der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.
2016 – 2017
Landtagsabgeordneter
Er sitzt im Landtag MV und führt zeitweise die AfD-Fraktion.
2017
Bundestagsabgeordneter
Holm wird Mitglied des Deutschen Bundestags und bis heute durchgehend wiedergewählt.
2023
„Altparteien“-Kontroverse
Er sagt, die etablierten Parteien gehörten auf den „Müllhaufen der Geschichte“.
2026
Wahlkampf in MV
Holm strebt mit mindestens 43 Prozent die Alleinregierung an und fordert eine Rückführungspolizei.
Holm vertritt auch in der Sozialpolitik klare Positionen: Er fordert die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren. „Die Dauer der Lebensleistung ist das gerechteste Kriterium, nicht eine starre Altersgrenze“, sagte er. Damit liegt er auf einer Linie mit Schwesig, warf dieser aber vor, die Bürger zu täuschen.
Leihmutterschaft lehnt Holm grundsätzlich ab, sie sei „zutiefst verwerflich“. Den Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef nach Bekanntwerden seiner Vaterschaft durch Leihmutterschaft nannte er „notwendig“.