Bürgermeister Kevin Wiest tritt aus CDU aus – Merz-Politik für ihn untragbar
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Unmut an der Basis

Bürgermeister Kevin Wiest tritt aus CDU aus – Merz-Politik für ihn untragbar

Der Bürgermeister der oberschwäbischen Gemeinde Oberstadion, Kevin Wiest, hat seinen Austritt aus der CDU verkündet. Er wirft der Bundespartei um Friedrich Merz vor, bei Krankenhäusern, Bildung und innerer Sicherheit zu versagen.

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Was der Bundeskanzler tut, ist für ihn nicht mehr tragbar: Kevin Wiest, Bürgermeister der oberschwäbischen Gemeinde Oberstadion (Alb-Donau-Kreis), hat seinen Austritt aus der CDU verkündet. Das berichtet die Schwäbische Zeitung.

Was der Bundeskanzler tut, ist in meinen Augen für mich nicht tragbar.
Kevin Wiest, Bürgermeister von Oberstadion

Wiest ist seit 2016 Bürgermeister der rund 1.600 Einwohner zählenden Gemeinde. Bei seiner ersten Kandidatur trat er noch als parteiloser Kandidat an, 2018 schloss er sich der CDU an – vor allem, um in den Kreistag einzuziehen. Jetzt kehrt er der Partei den Rücken.

Die Austrittsgründe

Zentral für Wiests Entscheidung war die Krankenhausreform. „Vor allem die Krankenhausreform sei der letzte Punkt in Richtung der Austrittsentscheidung gewesen“, zitiert ihn die Schwäbische Zeitung. Die CDU versage bei der ärztlichen Versorgung insgesamt.

Die Bildung und die Krankenhäuser lassen sie vor die Hunde gehen.
Kevin Wiest, Bürgermeister von Oberstadion

Auch die Sicherheitslage treibt ihn um: „Ich habe viele Leute in meinem Umfeld, die sich abends in den großen Städten nicht mehr wohlfühlen.“ Die Bundesregierung müsse auf diesem Feld aktiver werden. Zudem stören ihn die Maut-Debatte und die Leihmutterschafts-Kontroverse um den früheren Unions-Fraktionschef Jens Spahn – Spahn war im Juli wegen dieser Debatte zurückgetreten.

„Das sind alles Themen, da kann ich nicht mehr voll Inbrunst sagen: Die Partei ist es“, so Wiest. Er kritisiert, dass die CDU-Bundesebene nicht auf Bedenken und Kritik von unten höre. Die Hinweise verhallten bei den Bundespolitikern, ohne zum Umdenken anzuregen.

Vom Parteilosen zum CDU-Mitglied

Kevin Wiests politischer Weg

  1. 25.09.2016
    Wahl zum Bürgermeister

    Wiest wird als parteiloser Kandidat zum Bürgermeister von Oberstadion gewählt.

  2. 2018
    Eintritt in die CDU

    Um in den Kreistag einzuziehen, tritt Wiest der CDU bei und engagiert sich im Kreisvorstand.

  3. 12.08.2026
    Austritt aus der CDU

    Wiest verkündet seinen Parteiaustritt aus Enttäuschung über die Bundes-CDU und Kanzler Merz.

Wiest betont, dass es ihm speziell um die Bundesebene geht. „Die, die hier in den Ortsvereinen sind, sind wirklich gute Leute. Ich habe gegen die Leute, die sich hier engagieren, nichts.“ Mit den Ehrenamtlichen vor Ort sei er immer gut ausgekommen. Seinen Austritt versteht er ausdrücklich als persönliche Entscheidung als Wähler.

Nach dem Austritt ist Wiest wieder parteilos. Als Bürgermeister habe er sich stets neutral gegenüber allen Menschen verhalten, ungeachtet der Parteizugehörigkeit – das habe im Rathaus keine Rolle gespielt. Seine künftige Parteilosigkeit solle auch nach außen verdeutlichen, dass er neutral sei. Grundsätzlich wünsche er sich mehr Offenheit bei Problemlösungen: „Ich finde bei fast allen Parteien etwas, das ich gut finde.“

Unmut an der CDU-Basis

Der Austritt Wiests reiht sich in eine Serie von Unmutsbekundungen innerhalb der CDU ein. Ende Juli war die Vorsitzende der Jungen Union Brandenburg, Laura Strohschneider, von ihrem Amt zurückgetreten und hatte der Parteispitze den Verlust der Glaubwürdigkeit vorgeworfen. Strohschneider verließ die CDU sogar ganz.

Zuvor hatte die Entlassung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder für parteiinternen Streit gesorgt – die CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz sagte ein Treffen mit dem Kanzler ab. Der CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, griff Merz mehrfach an. Die Frankfurter Rundschau berichtet zudem, CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann habe vor dem Austritt von 50.000 Mitgliedern gewarnt.

Wiest ist damit ein weiteres Beispiel für den Unmut an der CDU-Basis über den Kurs von Bundeskanzler Merz. Auch in Niedersachsen werfen Wahlkämpfer der Parteispitze eine Linksdrift vor. Wie viele Mitglieder tatsächlich gehen, bleibt offen – doch die Signale aus den Ortsvereinen werden lauter.