IfW-Chef Schularick fordert Mehrwertsteuer von 22 Prozent
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft will die Mehrwertsteuer um drei Punkte anheben, um Steuern und Abgaben zu senken. Die Koalition hatte diesen Schritt aus Angst vor Protesten verworfen.
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) will die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte anheben. Moritz Schularick schlägt vor, den regulären Satz von 19 auf 22 Prozent zu erhöhen – mit dem Ziel, Arbeit und Einkommen zu entlasten und Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.
Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die schwarz-rote Koalition ihre eigene Steuerreform gegen massive Kritik verteidigen muss. Die Regierung hatte im Frühjahr eine Anhebung der Mehrwertsteuer erwogen, sie aber wegen der durch den Irankrieg erhöhten Inflation und aus Furcht vor Protesten verworfen.
„Ich denke, für eine echte Steuerreform und eine Entlastung von Einkommen und Gewinnen muss man an die Mehrwertsteuer ran.“
Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft
Koalition verwarf den Schritt – Mini-Reform blieb
Union und SPD prüften die Mehrwertsteuer-Option im Frühjahr 2026 tatsächlich, wie der Focus berichtet. Wegen der deutlich erhöhten Inflation infolge des Irankriegs und aus Furcht vor größeren Protesten entschieden sie sich dagegen.
Stattdessen einigten sich Union und SPD auf ein kleineres Paket: Kleine und mittlere Einkommen sollen 2027 und 2028 in Summe um zehn Milliarden Euro entlastet werden, der Reichensteuersatz steigt, und die kalte Progression wird erstmals seit 2016 nicht ausgeglichen. Die Entlastung hatte die Koalition im Juli beschlossen, wie jux.news berichtete.
Die Debatte im Zeitraffer
Frühjahr 2026
Koalition prüft höhere Mehrwertsteuer
Union und SPD erwägen eine Anhebung, verwerfen sie aber wegen Inflation und Protestgefahr.
Juli 2026
Mini-Steuerreform beschlossen
Zehn Milliarden Euro Entlastung für kleine und mittlere Einkommen, Reichensteuer steigt.
17. August 2026
Schularick legt Vorschlag vor
Im Capital-Interview fordert der IfW-Präsident eine Anhebung um drei Prozentpunkte.
Schularick nennt die Mini-Reform mutlos
Schularick stimmte in die Kritik an dem Paket ein. Konkret sagte er: „Man müsste die Mehrwertsteuer meinetwegen um drei Prozentpunkte anheben und könnte mit den Mehreinnahmen die Belastung aus Steuern und Sozialabgaben deutlich senken.“ „Hier hätte ich mir wirklich mehr Mut von der Regierung gewünscht“, ergänzte er.
Auch aus der Opposition kommt scharfe Kritik: Linken-Chefin Ines Schwerdtner nannte die Entlastung einen Witz, wie jux.news berichtete. Schularick betont, dass nur so aus einem absehbaren Aufschwung eine echte und dauerhafte Belebung der deutschen Wirtschaft werde.
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Auch andere Ökonomen fordern Reformen
Ifo-Präsident Clemens Fuest hatte zuletzt vorgeschlagen, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent abzuschaffen und alles einheitlich mit 19 Prozent zu besteuern. Damit steht Schularick mit seiner Forderung nach einer umfassenden Umsatzsteuer-Reform nicht allein, wie jux.news berichtete.
Ob die Bundesregierung die Vorschläge aufgreift, ist offen. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde Verbraucher direkt treffen – ein Grund, warum die Koalition den Schritt bereits einmal verworfen hat. Nun erhöhen Ökonomen den Druck und bringen eine Debatte zurück, die in der Koalition bereits abgeschlossen schien.