Sehnsucht nach Helmut Schmidt – Merz fällt auf minus 1,9
Die Deutschen sehnen sich nach einem Kanzler wie Helmut Schmidt. Doch die aktuelle Regierungskrise zeigt: Friedrich Merz ist von echter Führungskraft weit entfernt – und in der Union wächst der Unmut.
Deutschland sehnt sich nach einem Kanzler, den es so nie gab: Helmut Schmidt wird 2026 als entschlossene Führungsfigur verklärt – obwohl seine Entscheidungen schon zu Amtszeiten extrem umstritten waren. Genau diese Ironie benennt ein Kommentar mit dem Titel „Der Kanzler-Vergleich“.
Zwischen 1974 und 1982 steuerte Schmidt das Land durch Ölpreisschocks, den Terror der RAF und den NATO-Doppelbeschluss. Der Doppelbeschluss spaltete die SPD und führte 1982 zu Schmidts Sturz durch ein konstruktives Misstrauensvotum. Heute wird er dennoch als Maßstab für echte Führungskraft gefeiert.
Diese Sehnsucht trifft eine Bundesregierung in der tiefsten Krise. Bundeskanzler Friedrich Merz fällt im ZDF-Politbarometer auf minus 1,9 – ein persönlicher Negativrekord, wie jux.news berichtet.
Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt laut einer YouGov-Umfrage, über die SWR Aktuell berichtet, nicht, dass Merz bis zur Bundestagswahl 2029 durchhält. In bundesweiten Umfragen liegt die AfD vorn; CDU/CSU kommen nur noch auf 21 bis 22 Prozent, die SPD auf historisch schlechte zwölf Prozent.
Merz im Sturzflug
Merz' Autorität gilt seit der chaotisch wirkenden Kabinettsumbildung im Juli als angekratzt. Schon einen Tag nach Jens Spahns erzwungenem Rücktritt deutete Merz eine größere Regierungsumbildung an, wie jux.news berichtete.
Vom Krisenkanzler zur Kanzlerkrise
1974
Helmut Schmidt wird Bundeskanzler
Er übernimmt in der Ölkrise und führt die sozialliberale Koalition.
1977
Deutscher Herbst
RAF-Terror und die Entführung der „Landshut“ stellen Schmidts Härte auf die Probe.
1982
Sturz durch Misstrauensvotum
Der NATO-Doppelbeschluss spaltet die SPD; Helmut Kohl wird Kanzler.
2015
Schmidt stirbt
Er bleibt als „Schmidt Schnauze“ und Krisenkanzler im Gedächtnis.
2025
Merz wird Kanzler
Die schwarz-rote Koalition startet mit großen Versprechen.
Juli 2026
Kabinettsumbildung
Die chaotisch wirkende Umbildung beschädigt Merz' Autorität.
31. August 2026
Kanzler-Vergleich
Ein Kommentar fordert: Deutschland braucht wieder einen Helmut Schmidt.
Die Union zweifelt
Der frühere baden-württembergische CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart nannte die Kabinettsumbildung in der FAZ einen „Witz“ und eine „Zwangsrochade“.
„gnadenlos enttäuscht, weil er seine Versprechen nicht gehalten hat, weder bei der Performance noch programmatisch“
Wolfgang Reinhart, Ex-CDU-Fraktionschef Baden-Württemberg
Auch die Wirtschaft übt Druck aus: Der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) warf Merz in einem öffentlich gemachten Brandbrief Führungsschwäche vor, wie Tichys Einblick berichtet.
Sehnsucht ohne Erfüllung
Merz selbst setzt auf harte Töne. Im ARD-Sommerinterview sagte er: „Was nützt uns das schönste Elterngeld, wenn wir unsere Freiheit verlieren und der Frieden in Europa gefährdet ist?“ – wie die Deutsche Welle berichtet.
Kanzleramtsministerin Nina Warken verlangt Vertrauen und Kommunikation: „Man muss die Menschen mitnehmen, man muss gut kommunizieren, man muss ihnen auch erklären, was passiert.“
Ob ein neuer Helmut Schmidt in Sicht ist, bleibt offen. Die aktuellen Umfragen und die interne Kritik sprechen dagegen – und die Sehnsucht nach dem Altkanzler wird größer, je tiefer Merz fällt.