Putin fürchtet um Macht und Leben – und eskaliert den Krieg
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Russland

Putin fürchtet um Macht und Leben – und eskaliert den Krieg

Laut Economist hat Wladimir Putin über eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs entschieden. Ausschlaggebend ist die Angst des Kremlchefs um Macht und Leben – und der wachsende Unmut im eigenen Land.

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Wladimir Putin hat sich nach wochenlangen Überlegungen offenbar zu einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs entschlossen. Wie die Welt unter Berufung auf den britischen Economist berichtet, fürchtet der russische Präsident vor allem um seine Macht – und um sein Leben.

Der Kremlchef glaube offenbar, dass ein Ende der Kämpfe ohne die vollständige Einnahme des ostukrainischen Donbass als Niederlage gewertet würde. Das russische System zeige eine hohe Toleranz gegenüber Gewalt, sei aber gegenüber Versagen unversöhnlich, schreibt das Magazin. Putin folge der „kriminellen Logik seines Regimes“: Zeige niemals Schwäche.

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Seine wirtschaftlichen und politischen Probleme seien derzeit nicht unmittelbar tödlich. Doch die Wahrnehmung des Krieges im eigenen Land werde immer entscheidender. Ein Insider sagte dem Economist: „Der Zar ist nackt.“

Sie werden mich hängen
Wladimir Putin, Präsident Russlands

Innenpolitischer Druck

Nach Angaben des unabhängigen Lewada-Instituts bezeichneten zuletzt 57 Prozent der Befragten die Lage im Land als „angespannt“. Als Gründe nennen sie den Krieg, die Zahl der Toten, die Mobilisierung, Drohnenangriffe und fehlende Zukunftsperspektiven.

Das Vertrauen in die staatliche Fernsehpropaganda sinkt, während jüngere Russen in sozialen Netzwerken ein Ende des Kriegs verlangen. Auch in Teilen der Elite wächst die Unzufriedenheit. Unabhängig vom Ausgang werde eine Dauer von fast fünf Jahren als Scheitern wahrgenommen.

Die Unzufriedenheit reicht bis in die Wirtschaftsspitze: Die Entlassung des Chefökonomen Andrej Klepatsch nach einem Anruf von oben hatte bereits für Aufsehen gesorgt, wie jux.news berichtete.

Wie Russen die Lage im Land bewerten

Anteil der Befragten, die die Lage als „angespannt“ bezeichnen

57%Angespannt
Quelle: Lewada, August 2026

Mögliche Eskalationsschritte

Als konkrete Optionen nennt der Economist eine Intensivierung des hybriden Krieges gegen Europa sowie neue Sabotageakte gegen Nachschubwege der Ukraine. Westliche Geheimdienste halten Angriffe auf europäische Fabriken für möglich, die Ausrüstung für das ukrainische Militär produzieren. Eine direkte militärische Konfrontation mit der Nato halten sie aber für unwahrscheinlich.

Auch eine Mobilisierung von mehreren hunderttausend weiteren Soldaten werde erwogen. Eine offene Mobilmachung sei jedoch unwahrscheinlich, weil sie vor den anstehenden Parlamentswahlen unpopulär wäre. Stattdessen dürfte der Kreml die Regionalbehörden unter Druck setzen, den Personalbedarf selbst zu decken. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits Mitte August vor einer solchen schleichenden Mobilmachung nach der Duma-Wahl gewarnt, wie jux.news berichtete.

Russlands Verteidigungsministerium hatte zudem angekündigt, massive Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur vorzubereiten. Als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf zivile Infrastruktur und den Energiesektor in Russland drohte Putin öffentlich mit einer harten Antwort. Westliche Geheimdienste halten mögliche russische Aktionen gegen Nato-Mitglieder „in den nächsten Jahren“ für denkbar, wie auch jux.news berichtete.

Die Eskalation im Zeitraffer

  1. Ende August 2026
    CIA-Direktor warnt Moskau

    John Ratcliffe reist nach Moskau und warnt vor Angriffen auf Nato-Staaten, insbesondere das Baltikum.

  2. 29. August 2026
    Putin spricht über Orcas

    Vor Studenten vergleicht Putin das Verhältnis von Orcas und Eisbären mit der Lage Russlands.

  3. Nacht zum 30. August 2026
    Ukraine trifft Raffinerie

    Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie in der Region Leningrad; Feuer bricht aus.

  4. 30. August 2026
    Economist berichtet

    Das Magazin meldet Putins Entscheidung zur weiteren Eskalation.

Front und Hinterland

Die Front in der Ukraine ist weitgehend erstarrt, die russische Armee erleidet weiterhin hohe Verluste. Ukrainische Drohnenangriffe treffen zunehmend Ölraffinerien, Logistikzentren und andere Ziele tief im russischen Hinterland. In der Nacht zum 30. August griff das ukrainische Militär nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie in der russischen Ostsee-Region Leningrad an; der Gouverneur meldete 42 abgeschossene Drohnen und ein Feuer nahe der Raffinerie.

Russland intensiviert gleichzeitig seine Luftangriffe auf ukrainische Städte. Vermehrt kommen ballistische Raketen zum Einsatz, zivile Einrichtungen wie Supermärkte, Buchläden und Museen geraten ins Visier. Teilweise folgt nach einem ersten Einschlag ein zweiter Angriff, um Rettungskräfte zu treffen. Nach russischen Angriffen auf ein Munitionsdepot nahe Kiew stieg die Zahl der Toten auf 38, vier Menschen galten noch als vermisst.

Der Osteuropa-Experte Marcel Hirsiger vom SRF prognostiziert, der Kreml werde den Krieg nach den russischen Wahlen im September weiter eskalieren. Putin habe sein eigenes politisches und physisches Schicksal stark mit einem Sieg verknüpft. Wie lange die Ukraine den zunehmenden Druck durchhält, ist offen.