Sieben CDU-Ministerpräsidenten beraten ohne Kanzler Merz
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Kanzlerkrise

Sieben CDU-Ministerpräsidenten beraten ohne Kanzler Merz

Nach dem Desaster bei den Landtagswahlen treffen sich sieben der acht CDU-Ministerpräsidenten am Wahlabend in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin – ohne Kanzler Merz. Die erste Rücktrittsforderung kommt aus der eigenen Partei.

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Sieben der acht CDU-Ministerpräsidenten verließen am Wahlabend des 20. September 2026 gegen 20 Uhr das Konrad-Adenauer-Haus in Berlin und kamen wenige Straßen weiter erneut zusammen, in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. Bundeskanzler Friedrich Merz war bei dem Treffen der Ministerpräsidenten am Wahlabend nicht dabei.

Der Anlass war ein Debakel: In Mecklenburg-Vorpommern verpasste die CDU mit Spitzenkandidat Daniel Peters nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 4,9 Prozent erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in einen Landtag, während die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft wurde – AfD-Sieg und CDU-Aus in Mecklenburg-Vorpommern.

In Berlin reichte es für die CDU mit Spitzenkandidat Stefan Evers mit 18,8 Prozent nur für Platz zwei hinter der Linken, die mit Elif Eralp 25,7 Prozent holte. Merz hielt sich seit kurz vor 16 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus auf, ab 17 Uhr liefen dort Gespräche mit den Spitzen der Union.

Nach Informationen der dpa kamen in der Landesvertretung sieben der acht Ministerpräsidenten zusammen, dazu die Landesvorsitzenden Manuel Hagel aus Baden-Württemberg und Sebastian Lechner aus Niedersachsen. Berlins scheidender Regierender Bürgermeister Kai Wegner fehlte.

Der Geheim-Gipfel der CDU-Landeschefs ohne Merz zog sich laut Bild bis fast 23 Uhr hin – „unter dem strengsten Siegel der Vertraulichkeit“. Laut Stern saß die Runde mehr als zwei Stunden zusammen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst soll das Gebäude mit Basecap und Sneakern verlassen haben.

Wortgefechte vor der Prognose

Noch vor der 18-Uhr-Prognose war es im CDU-Präsidium nach einem Bericht des Stern zu Wortgefechten mit dem Kanzler gekommen. Mehrere Ministerpräsidenten widersprachen Merz deutlich bei dessen Plan, nun noch vehementer auf Reformen zu drängen. Man könne nicht ignorieren, wie stark die Ablehnung bei den Bürgern sei, hieß es in der Runde.

Merz hatte das Präsidium für den Wahlabend möglichst vollzählig in die Parteizentrale einbestellt – anders als bei früheren, eher informellen Treffen. Schon Tage zuvor war berichtet worden, dass er das CDU-Präsidium über seine Zukunft entscheiden lassen wollte.

Kurz nach 18 Uhr trat Merz selbst vor die Presse – ungewöhnlich, weil bei Landtagswahlen üblicherweise Generalsekretäre und Landesvorsitzende die Deutung übernehmen. Die vom Teleprompter abgelesene Rede hatte er länger vorbereitet, die Landeschefs wurden erst kurzfristig informiert. Ein mit ihnen gemeinsam geplantes Manöver war das nicht.

Merz nannte das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ein „Desaster“ – und machte klar, dass er an seinem Reformkurs festhalten will.

Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.
Friedrich Merz, Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender

Der Brief, in dem Merz nicht vorkommt

Das Treffen wiegt auch deshalb schwer, weil die acht CDU-Ministerpräsidenten bereits am Mittwoch vor der Wahl eine gemeinsame Erklärung abgegeben hatten – auf Initiative des rheinland-pfälzischen Regierungschefs Gordon Schnieder.

Darin versicherten sie: „Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir ihre Probleme angehen. Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten.“ Der Name von Merz aber fehlte – acht CDU-Ministerpräsidenten nennen Merz in ihrem Brief nicht. Politico bewertete die Erklärung als alles andere als unerschütterliche Unterstützung; sie könne auch der Beruhigung interner Debatten vor den Wahlen gedient haben.

Der WELT-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges fragte mit Blick auf das Treffen: „Haben sie da besprochen, dass der Brief, den sie geschrieben haben, nicht mehr gilt?“ In der Runde erreichte die Ministerpräsidenten zudem die Nachricht, dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde.

Das Treffen in der Landesvertretung sei länger schon geplant gewesen, auch um den turnusmäßigen Wechsel des MPK-Vorsitzes zu besprechen, der nun Sachsen-Anhalt zufallen würde, berichtet die FAZ. Dem Unmut über die Lage der Partei sei dort Ausdruck verliehen worden, ohne dass konkrete weitere Schritte vorgeschlagen wurden.

Erste Rücktrittsforderung aus der eigenen Partei

Die öffentliche Kritik an Merz wurde am Wahlabend und am Montag lauter. Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Berlin, Christian Gräff, forderte den Rücktritt des Kanzlers: „Merz muss weg. Er kann nicht Exekutive und er kann keine Kommunikation.“ Auf dpa-Anfrage sagte der frühere CDU-Abgeordnete, die Menschen wollten Reformen, Merz fehle es aber an Handwerk und Kommunikation. Einen Nachfolgenamen nannte er nicht.

Der frühere Partei- und Fraktionschef der CDU Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, führte die Niederlage unter anderem auf eine „mangelnde Empathie“ des Kanzlers zurück – und auf die „fortwährende Blockade der SPD“.

Das Wahlergebnis ist ein Desaster für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern. Ursache ist die Berliner Politik – die fortwährende Blockade der SPD und mangelnde Empathie des Bundeskanzlers.
Eckhardt Rehberg, früherer CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern

Unterstützung erhielt Merz dagegen vom stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Karl-Josef Laumann: „Die Parteispitze steht hinter dem Kanzler.“ Der Vizechef der Unions-Bundestagsfraktion, Günter Krings, lehnte eine Personaldebatte ab – über Alternativen könne man nur sprechen, wenn jemand darlegen könne, warum es mit ihm besser laufen würde.

Auch die Koalitionsseite machte Druck. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte, die Regierung dürfe nicht ignorieren, was die Wähler mitgegeben hätten: „Wir brauchen Reformen, aber diese Reformen müssen gerecht sein.“ SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf zeigte sich irritiert, dass von Merz „eigentlich nur die Botschaft kam: Wir machen so weiter wie bisher“.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig griff Merz scharf an: Ein Bundeskanzler mit nur noch fünf Prozent Zustimmung in ihrem Bundesland „sollte sich selbst kritisch fragen, was er vielleicht bisher falsch gemacht hat“. Einfach nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, reiche nicht aus.

Die Entscheidung fällt am Montag

Für Montag, den 21. September 2026, waren um 9 Uhr das CDU-Präsidium und um 11 Uhr der Bundesvorstand angesetzt; für 13.30 Uhr war eine Pressekonferenz von Merz mit Daniel Peters und Stefan Evers geplant. Dort musste sich zeigen, ob der Kanzler den Rückhalt der CDU-Führung noch hat.

Nach Informationen von Bild wurde in führenden Parteikreisen diskutiert, ob Merz zumindest den Parteivorsitz abgeben sollte; dabei fielen immer wieder die Namen der Ministerpräsidenten Boris Rhein und Hendrik Wüst. Als mögliche Nachfolger gelten Wüst und CSU-Chef Markus Söder, die sich untereinander aber nicht besonders gut verstehen. Wüst hat im April 2027 eine Landtagswahl in NRW vor sich.

Ein weiteres Risiko ist der Druck von der Basis: In der CDU erinnern Beobachter an die Dynamik, die im Sommer zum Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef geführt hatte – die Parteiführung hatte die Empörung an der Basis über dessen Leihmutterschaft unterschätzt.

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Ob Merz beide Ämter behält, entscheidet sich an diesem Montag in den Gremien – und daran, ob die Ministerpräsidenten, die am Wahlabend ohne ihn zusammenkamen, ihm am Vormittag öffentlich folgen oder nicht.