38,2 Prozent für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern verdunkeln nach Einschätzung des Internationalen Auschwitz Komitees den Blick auf Deutschland. Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner erklärte am Wahlabend in Berlin, das starke Abschneiden der Partei gefährde das Ansehen Deutschlands in der Welt – so die Meldung über die Warnung des Auschwitz Komitees.
Das Komitee ist der Zusammenschluss von Auschwitz-Überlebenden und ihren Organisationen aus 19 Ländern; die Geschäftsstelle sitzt in Berlin, Präsidentin ist die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf. Der Blick von außen war schon vor der Wahl kritisch: Bereits im August gab es Warnungen der Auslandspresse vor einer AfD-Alleinregierung. Heubner richtete seinen Vorwurf an die Wählerinnen und Wähler selbst.
„Dass gerade in Deutschland Wählerinnen und Wähler Rechtsextremen Regierungsmacht übertragen wollen, mutet viele Menschen in Europa geradezu grotesk an.“
38,2 Prozent und ein CDU-Debakel
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis mit 38,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, 2021 hatte sie 16,7 Prozent erreicht. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig folgte mit 35,5 Prozent. Die Ergebnisse der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern bedeuten für die CDU das Aus: 5,2 Prozent, erstmals verpasst sie den Einzug in einen Landtag.
AfD-Spitzenkandidat war Leif-Erik Holm. Eine Regierungsbeteiligung gilt trotz des Siegs als unwahrscheinlich, weil die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit ausschließen; auch Holm räumte ein, dass es nicht danach aussehe. Zwei Wochen zuvor hatte die AfD bereits die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen, wo eine Regierungsbildung durch sie ebenso fraglich ist. In Berlin wurde am selben Sonntag die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft.
Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026
Das Komitee fordert ein Verbotsverfahren
Präsidentin Eva Umlauf verlangt von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, ein Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten. Umlauf sagte, für Überlebende des Holocaust seien diese Inszenierungen und Strategien der Verherrlichung der Nazijahre unerträglich; die AfD müsse vor die Schranken des Bundesverfassungsgerichts gebracht werden. Ähnlich argumentieren die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, und Teile der SPD.
Dobrindt hält eine ausreichende Grundlage für ein Parteiverbot bislang nicht für gegeben, wie der Bericht über die Verbotsforderung des Auschwitz Komitees festhält. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern prüft die Folgen eines gerichtlichen Verbots für Waffenrecht und Dienstrecht. Ein Verfahren können nur Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht beantragen.
Merz nennt die Wahl eine tiefe Zäsur
Der AfD-Erfolg und der Absturz der CDU setzen Bundeskanzler Friedrich Merz unter Druck. Am Tag nach der Wahl trat er vor die Presse und sagte: „Diese Wahl ist eine tiefe Zäsur.“ Dass die CDU die Fünf-Prozent-Hürde nicht überwand, sei ein schwerer Schlag; es habe eine Zuspitzung zwischen SPD und AfD gegeben, dazwischen sei die CDU zerrieben worden.
Merz betonte, die Gründe reichten über seine Person hinaus. Ministerpräsidentin Schwesig warf ihm vor: „Der Kanzler schätzt die Lage falsch ein.“ Aus der eigenen Partei kam eine weitere Zuspitzung: Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering brachte eine Vertrauensfrage im Bundestag ins Spiel. Der AfD-Spitzenkandidat Holm hatte am Wahlabend erklärt, Merz werde das Jahresende nicht erreichen.
„Bislang hätten offensichtlich nur wenige Regierungspolitiker in Berlin verstanden, welchen Donnerschlägen die Demokratie in Deutschland aktuell ausgesetzt ist und mit welchem Vertrauensverlust diese Entwicklung einhergeht.“
Was Dobrindt jetzt tun soll
Heubner nannte für Dobrindt eine Bringschuld: Der Minister sei verpflichtet, die seit Jahren beobachteten rechtsextremen Entwicklungen innerhalb der AfD systematisch zu dokumentieren, damit eine politische Entscheidung über ein mögliches Verbotsverfahren getroffen werden könne. Das Komitee fordert ein AfD-Verbot nicht erst seit dem Wahlerfolg; am 11. Februar 2026 hatte es die Forderung erhoben, im Juli 2026 schloss sich das Internationale Komitee Buchenwald, Dora und Kommandos an.
Vom ersten Verbotsvorstoß bis zur Doppelwahl
- 11. Februar 2026Das Auschwitz Komitee fordert ein AfD-Verbotsverfahren
- 4. Juli 2026Buchenwald-Komitee schließt sich an
Zum AfD-Bundesparteitag in Erfurt unterstützt das Internationale Komitee Buchenwald, Dora und Kommandos die Forderung.
- 7. September 2026AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Eine Regierungsbildung durch die AfD ist dort ebenso fraglich.
- 20. September 2026AfD siegt in Mecklenburg-Vorpommern, die Linke in Berlin
Am Wahlabend warnt Heubner vor einem Ansehensverlust Deutschlands.
- 21. September 2026Umlauf fordert Dobrindt zum Verbotsverfahren auf
Bundeskanzler Merz nennt die Wahl eine tiefe Zäsur.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte die AfD im Frühjahr 2025 als gesichert extremistisch eingestuft; diese Einstufung ist derzeit ausgesetzt, weil die Partei dagegen klagt. Ob Dobrindt dem Komitee folgt und die Bundesregierung einen Antrag beim Bundesverfassungsgericht auf den Weg bringt, ist offen.
