Eine Entscheidung, die bislang nur eine Seite bestätigt: Die Ukraine soll künftig selbst Patriot-Abfangraketen herstellen dürfen. Das verkündete Wolodymyr Selenskyj am Freitag, dem 25. September 2026, in einer Sprachnachricht an Journalisten; wie die Meldung über Trumps angebliche Zusage festhält, beruft er sich auf eine endgültige Entscheidung von Donald Trump.
Aus Washington kam bis zum Abend keine Bestätigung. Ein Sprecher des US-Außenministeriums hatte noch am Mittwoch, dem 23. September 2026, erklärt, die Gespräche liefen weiter, eine endgültige Entscheidung sei nicht gefallen. Das Weiße Haus äußerte sich zu der Sache nicht.
Damit hängt die Verkündung allein an ukrainischer Darstellung. Die Zusage soll bei einem Treffen Selenskyjs mit Trump am Dienstag, dem 22. September 2026, am Rande der UN-Generaldebatte in New York gefallen sein – Ankündigung des Treffens mit Trump hatte der ukrainische Präsident zuvor selbst gemacht.
Ein Ja, das nur Kiew bestätigt
Selenskyj beruft sich auf ein persönliches Gespräch mit Trump. Beim Treffen in New York habe der US-Präsident ihm gegenüber betont, es gebe eine endgültige Entscheidung; vor Reportern sagte Selenskyj zudem, es gebe „konkrete Vereinbarungen“. Einzelheiten nannte er nicht.
„Bei unserem letzten Treffen hat Präsident Trump mir gegenüber betont, dass er eine endgültige Entscheidung getroffen hat. Die Ukraine wird Lizenzen für die Herstellung von Patriot-Raketen erhalten.“
Das Zitat stammt vom ukrainischen Präsidenten – bestätigt hat es niemand aus der US-Regierung. Trump selbst hat ein solches Versprechen nie öffentlich erwähnt, und Anfragen an Weißes Haus und Außenministerium blieben offen, wie der Bericht über die fehlende US-Bestätigung vermerkt.
Offen ist auch der Umfang der Lizenz. Ob sie die Abfangraketen vom Typ PAC-2 oder PAC-3 betrifft, ob das gesamte System, wann die Produktion starten soll und wer eine Fabrik in der Ukraine bezahlt – dazu sagte Selenskyj nichts.
Von Ankara bis New York: eine Serie von Kehrtwenden
Die Ankündigung ist kein neuer Plan, sondern der vorläufige Schlusspunkt eines monatelangen Hin und Her.
Von der Zusage in Ankara bis zur Verkündung in New York
- 8. Juli 2026Trump verspricht Lizenzen in Ankara
Beim NATO-Gipfel sagt Trump, die USA würden der Ukraine das Recht geben, Patriots herzustellen.
- Ende Juli 2026Trump rudert zurück
Die USA müssten sehr vorsichtig sein, wenn sie jemandem den Bau erlauben, sagt der US-Präsident.
- Mitte September 2026Nur noch eine abgespeckte Version
An Bord der Air Force One stellt Trump eine Lizenz für eine weniger fortschrittliche Version der Rakete in Aussicht.
- 22. September 2026Treffen am Rande der UN-Generaldebatte
In New York kommt Trump mit Selenskyj zusammen; dort soll die endgültige Zusage gefallen sein.
- 23. September 2026US-Außenministerium widerspricht
Ein Sprecher erklärt, die Gespräche liefen weiter, eine finale Entscheidung sei nicht gefallen.
- 25. September 2026Selenskyj verkündet die Entscheidung
In einer Sprachnachricht an Journalisten sagt Selenskyj, die Ukraine erhalte die Lizenzen; das Weiße Haus schweigt.
Beim NATO-Gipfel in Ankara hatte Trump am 8. Juli 2026 öffentlich versprochen, die USA würden der Ukraine „das Recht geben, Patriots herzustellen“, und hinzugefügt: „Wir werden ihnen zeigen, wie es geht.“ Ende Juli ruderte er zurück: Man müsse „sehr vorsichtig sein, wenn wir jemandem erlauben, sie zu bauen“.
Was die Lizenz leisten könnte – und was sie nicht löst
Selbst wenn die Lizenz existiert: Kurzfristig hilft sie nicht. Der Aufbau einer Fertigung in der Ukraine würde mehr als ein Jahr dauern, in anderen Einschätzungen deutlich länger. US-Außenminister Marco Rubio hatte Anfang September erklärt, der Bau von Fabriken, der Aufbau von Lieferketten und die Steigerung der Produktion würden Jahre dauern.
Der Bedarf ist akut: Das Patriot-System gilt als die einzige westliche Waffe, mit der die Ukraine russische ballistische Raketen zuverlässig abschießen kann – doch es fehlt an Abschussanlagen und vor allem an Lenkflugkörpern. Im August 2026 bat Selenskyj um fünf Prozent der US-Patriot-Raketen für den Winter; für die Abwehr aller ballistischen Raketen hielt er zehn Prozent für nötig, konkret forderte er mindestens 300 Raketen.
Verschärft wird der Engpass durch den Krieg der USA gegen den Iran: Der Nachschub geht in den Nahen Osten, die Bestände sind knapper geworden. Trumps Regierung hatte seit 2025 groß angelegte US-Verteidigungshilfen an Kiew beendet. Für westliche Waffen wäre eine Fertigung in der Ukraine nicht ohne Beispiel: Frankreichs SCALP-Baupläne für die Ukraine wurden als möglicher Präzedenzfall genannt.
Zwei weitere Signale aus New York
Am selben Tag nannte Selenskyj zwei weitere Punkte. Die Ukraine habe sich mit einem nicht genannten Land auf die Lieferung von Patriot-Raketen verständigt; um welches Land es geht und wie viele Raketen geliefert werden sollen, blieb offen.
Außerdem habe die US-Seite ein Dreiertreffen von USA, Russland und Ukraine auf technischer Ebene vorgeschlagen. Als Ort seien die Vereinigten Arabischen Emirate im Gespräch, ein Termin stehe noch aus.
Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte am 25. September entsprechende Kontakte, nannte aber keine Einzelheiten. Zur Patriot-Lizenz selbst äußerte sich Moskau an diesem Tag nicht.
Ob das Weiße Haus die Lizenz in den kommenden Tagen offiziell bestätigt, ist offen. Bis dahin bleibt es bei einer ukrainischen Ankündigung – und bei dem Problem, das sie lösen soll: Der Winter kommt schneller als jede Fabrik in der Ukraine.
