Russlands Präsident Wladimir Putin beteuert, sein Land bereite sich nicht auf einen Krieg mit Europa vor. Genau davor warnen aber mehrere europäische Geheimdienste – und Deutschland macht Moskau für einen versuchten Sprengstoff-Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich.
Anlass ist ein Auftritt am Freitag, dem 25. September 2026, am Rande des 12. St. Petersburg International United Cultures Forum. Das Forum läuft vom 24. bis 26. September in der russischen Nordhauptstadt, unter anderem im Mariinsky-Theater; Putins Beteuerung an Europa fiel dort vor Journalisten.
Der Kremlchef schob die Verantwortung für die wachsenden Spannungen nach Westen: Viele Europäer erwarteten eine russische Aggression und rüsteten deshalb selbst auf. Zugleich beteuerte er, es gebe für Moskau kein wirkliches Motiv, die Lage zu verschärfen.
„Viele in Europa sagen, dass sie eine Aggression vonseiten der Russischen Föderation erwarten und dass sie sich deshalb selbst auf Kämpfe, auf einen Krieg mit Russland, vorbereiten müssen.“
Wladimir Putin, Präsident von Russland
Geheimdienste warnen vor begrenztem Angriff
Der dänische Militärnachrichtendienst FE erklärte am 24. September 2026, es gebe ein geringes, aber wachsendes Risiko, dass Russland einen begrenzten militärischen Angriff gegen ein oder mehrere Nato-Länder an der Grenze zu Russland führt. Einen Einmarsch hält der Dienst für höchst unwahrscheinlich.
„Es gibt ein geringes, aber wachsendes Risiko, dass Russland einen begrenzten militärischen Angriff gegen ein oder gegen mehrere Nato-Länder an der Grenze zu Russland ausführen wird.“
Thomas Ahrenkiel, Chef des dänischen Militärnachrichtendienstes FE
Der Dienst stuft die Lage als ernster ein als zu jedem anderen Zeitpunkt seit dem Ende des Kalten Krieges. Auch die Geheimdienste Tschechiens, Lettlands und Schwedens sowie die CIA warnten. Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, das Bündnis sei bereit, hybride Angriffe abzuwehren.
Deutschland macht Russland für den versuchten Sprengstoff-Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle vom 4. August 2026 verantwortlich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesaußenminister Johann Wadephul erklärten am 1. September 2026, die Erkenntnisse deutscher und europäischer Sicherheitsbehörden deuteten klar auf russische Involvierung hin.
Am Tatort wurden eine Drohnenkonfiguration, Sprengstoff und Zündtechnik sichergestellt, die aus anderen hybriden Operationen Russlands bekannt sind. Wadephul sagte, Deutschland sei nicht im Krieg mit Russland, aber Kriegsziel. Die Bundesregierung bestellte den russischen Botschafter ein, schloss das Generalkonsulat in Bonn zum 18. September und kündigte den Vertrag für das Russische Haus in Berlin.
Moskau weist die Vorwürfe zurück: Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa nannte sie einen weit hergeholten und konstruierten Vorwand. Eine Verurteilung gibt es bislang nicht – die Vorwürfe stützen sich auf Erkenntnisse deutscher und europäischer Sicherheitsbehörden, die Eilmeldung der tagesschau zur russischen Verantwortung fasst den Stand zusammen.
Von Leipzig bis St. Petersburg: die Eskalation seit August
4. August 2026
Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt
Am Flughafen Leipzig/Halle wird eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt; in der Nähe stehen ukrainische Frachtflugzeuge.
25. August 2026
CIA-Direktor reist nach Moskau
CIA-Direktor John Ratcliffe reist laut Berichten nach Moskau, um vor Angriffen auf europäische Verbündete zu warnen.
1. September 2026
Bundesregierung macht Russland verantwortlich
Dobrindt und Wadephul erklären, die Erkenntnisse deuteten klar auf russische Involvierung; Deutschland ordnet die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn an.
24. September 2026
Dänischer Militärgeheimdienst warnt
Das FE sieht ein wachsendes Risiko eines begrenzten russischen Angriffs auf Nato-Gebiet, Rutte erklärt das Bündnis für abwehrbereit. Am selben Tag warnt ein EU-Bericht, die Aufrüstung sei zu langsam.
25. September 2026
Putin beteuert in St. Petersburg
Putin sagt, Russland bereite sich nicht auf einen Kampf mit Europa vor, und droht der Ukraine zugleich mit Vergeltung.
Putins Drohung an Kiew
Zur möglichen Wiederaufnahme von Gesprächen mit der Ukraine sagte Putin, die Vorschläge lägen alle auf dem Tisch, und es sei alles möglich. Nach den jüngsten ukrainischen Angriffen werde Russland aber sehr sorgfältig darüber nachdenken, welche Schritte es als Antwort unternehme.
Putin warf der Ukraine vor, mit Angriffen auf Moskau und auf Wahllokale während der russischen Parlamentswahl provoziert zu haben. Moskau spricht vom bislang größten Drohnenangriff auf die Hauptstadt. Kiew müsse den Preis zahlen und russische Vergeltungsschläge spüren.
„Sie sind es, die damit angefangen haben. Überall, an jeder Front.“
Wladimir Putin, Präsident von Russland
Die Glaubwürdigkeitsfrage
Beobachter und EU-Vertreter erinnern daran, dass Putin auch kurz vor der Vollinvasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 alle Angriffspläne geleugnet hatte. Russland bestreitet jede Angriffsabsicht und wirft Europas Führungen Angstmache vor.