Belit Onay gewinnt Hannover mit 61,5 Prozent der Stimmen
Bild: KI-generiert
Stichwahl Niedersachsen

Belit Onay gewinnt Hannover mit 61,5 Prozent der Stimmen

Belit Onay bleibt Oberbürgermeister von Hannover – doch der eigentliche Befund des Wahlabends ist ein anderer: Die AfD verliert alle drei Stichwahlen um kommunale Spitzenämter und bleibt im Land ohne Amt dieser Art.

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Belit Onay bleibt Oberbürgermeister von Hannover, und die AfD verpasst ihr erstes kommunales Spitzenamt in Niedersachsen. Nach dem vorläufigen Endergebnis der Hannoveraner OB-Wahl kam der Grünen-Politiker am Sonntag auf 61,5 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Axel von der Ohe (SPD) auf 38,5 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei 45 Prozent, rund 397.000 Hannoveranerinnen und Hannoveraner waren wahlberechtigt. Im ersten Durchgang am 13. September hatte Onay 45,6 Prozent erreicht, von der Ohe 21,5 Prozent – die absolute Mehrheit verfehlten beide.

Neun Kandidatinnen und Kandidaten waren zum ersten Durchgang angetreten, darunter die AfD-Landtagsabgeordnete Miriam Schülke. Der Wahlausschuss hatte die AfD-Kandidatin Schülke zur OB-Wahl zugelassen, in die Stichwahl kam sie nicht.

Onay regiert Hannover seit 2019, als er sich in der Stichwahl gegen den parteilosen, von der CDU unterstützten Eckhard Scholz durchsetzte. Vor dem zweiten Durchgang sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, die Motivation aus dem ersten Wahlgang sei sehr groß gewesen: „Wir sagten uns: Jetzt erst recht.“

AfD verliert alle drei Stichwahlen

Die AfD war in drei Stichwahlen um kommunale Spitzenämter vertreten und hätte damit erstmals ein solches Amt in Niedersachsen erringen können. In allen drei Fällen lagen ihre Bewerberinnen und Bewerber aber schon im ersten Durchgang deutlich zurück.

In Salzgitter verteidigte Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) sein Amt mit 74,7 Prozent gegen Patricia Mair (AfD, 25,3 Prozent) – ein Vorsprung von 16.885 Stimmen bei 46 Prozent Wahlbeteiligung. Klingebiel, seit 2006 im Amt, sprach danach von einer „Mehrheit für Demokratie, Respekt, Toleranz“.

In Munster im Heidekreis setzte sich die Einzelbewerberin Anna Adamczak mit 80,48 Prozent gegen den AfD-Bewerber Christoph Weynand (19,52 Prozent) durch. In Bockenem im Landkreis Hildesheim gewann der Einzelbewerber Jens Lüer mit 69,6 Prozent gegen Felix Mull (AfD, 30,4 Prozent).

Die AfD scheitert in allen drei Stichwahlen

Stimmenanteile der AfD-Kandidaten und ihrer Gegenkandidaten am 27. September 2026

Quelle: Vorläufige Endergebnisse der Kommunen, 27. September 2026

Wie NDRs Überblick zu Gewinnern und Verlierern der Stichwahlen festhält, hat die AfD weiterhin kein kommunales Spitzenamt in Niedersachsen inne. Ihr Landesverband ist vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.

Amtsinhaber siegen – aber nicht überall

In mehreren Städten bestätigten die Wählerinnen und Wähler ihre Amtsinhaber: Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) gewann mit 75,6 Prozent gegen Maximilian Pohler (CDU, 24,4 Prozent), Osnabrücks Katharina Pötter (CDU) verteidigte ihr Amt mit 56,95 Prozent gegen Volker Bajus (Grüne, 43,05 Prozent).

In Lüneburg blieb Claudia Kalisch (Grüne), diesmal als Einzelbewerberin angetreten, mit 52,9 Prozent gegen Heiko Meyer (47,1 Prozent) im Amt.

Andernorts verloren die Amtsinhaber: In Delmenhorst unterlag Petra Gerlach (CDU) mit 47,8 Prozent gegen Alexander Mittag (SPD, 52,2 Prozent) bei nur 30,8 Prozent Wahlbeteiligung. In Lingen wurde Dieter Krone abgewählt, Jens Hofschröer (CDU) siegte mit 71,22 Prozent. In Gifhorn löste Christopher Finck (SPD) den seit 2011 amtierenden Matthias Nerlich (CDU) mit 61,4 Prozent ab.

In der Region Hannover gewann SPD-Kandidatin Eva Bender die Stichwahl um die Regionspräsidentschaft mit 69,41 Prozent gegen Oliver Junk (CDU, 30,59 Prozent) bei 42,08 Prozent Beteiligung. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Region und tritt die Nachfolge von Steffen Krach an, der zur Berliner Abgeordnetenhauswahl wechselte.

In Hannover überlagerte sich das mit dem Muster Grün-Rot: Die Grünen wurden bei der Kommunalwahl stärkste Ratskraft, die SPD stellt mit Bender die Regionspräsidentin. Der unterlegene OB-Kandidat von der Ohe erkannte das Ergebnis an und mahnte seine Partei zur Mitarbeit.

„Der Auftrag heißt Grün-Rot. Das sollten wir annehmen.“
Axel von der Ohe, SPD-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Hannover

Landesweit legt die AfD deutlich zu

Bei der Kommunalwahl am 13. September wurden in Niedersachsen fast 2.200 Stadt- und Gemeinderäte sowie Kreistage gewählt, insgesamt ging es um rund 29.501 Mandate. Landesweit wurde die CDU mit 27,2 Prozent stärkste Kraft – doch die AfD verdreifacht ihr Ergebnis auf 15,9 Prozent.

2021 lag die AfD landesweit bei 4,6 Prozent. Hinter der CDU folgen die SPD mit 24,6 Prozent und die Grünen mit 14,1 Prozent; die CDU verlor gegenüber ihrem Ergebnis von 2021 (31,7 Prozent) rund 4,5 Punkte. In Salzgitter wurde die AfD bei der Stadtratswahl mit rund 27,4 Prozent stärkste Kraft. Zudem bleiben 258 gewonnene Mandate unbesetzt.

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Am 1. November beginnt Onays zweite Amtszeit

In 123 Kommunen wurden am Sonntag hauptamtliche Spitzenbeamte – Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte – für acht Jahre gewählt, alle Ergebnisse sind vorläufig. Der Wahlausschuss der Landeshauptstadt stellt das amtliche Ergebnis der OB-Wahl am Donnerstag, 1. Oktober, fest.

In Göttingen wird Onyeka Oshionwu (Grüne, unterstützt auch von Volt und dem Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung) mit 62,95 Prozent neue Oberbürgermeisterin gegen Ehsan Kangarani (CDU, 37,05 Prozent); sie folgt auf Petra Broistedt (SPD), die nicht erneut antrat. In Oldenburg gewann der parteilose, von Grünen und CDU unterstützte Jascha Rohr mit 51,55 Prozent knapp gegen den SPD-Landtagsabgeordneten Ulf Prange (48,45 Prozent).

Zwei weitere Stichwahlen fielen denkbar knapp aus: In Lamspringe trennten den CDU-Kandidaten Matthias Nicht und den SPD-Bewerber Martin Hauk nur 16 Stimmen, Nicht kam auf 50,3 Prozent. In Wennigsen am Deister gewann Ingo Klokemann (SPD) mit 50,06 Prozent gegen Daniel Stein – acht Stimmen Unterschied.

Offen bleibt, ob die AfD bei kommenden Stichwahlen um kommunale Spitzenämter überhaupt mobilisieren kann: In Salzgitter war sie bei der Ratswahl stärkste Kraft, in der Personenwahl lag ihre Kandidatin 16.885 Stimmen zurück. In Hannover beginnt die neue, achtjährige Amtszeit von Belit Onay am 1. November.