Tankrabatt startet – Konzerne müssen 17 Cent nicht weitergeben
Bild: KI-generiert
Spritpreise

Tankrabatt startet – Konzerne müssen 17 Cent nicht weitergeben

Um 0 Uhr am 1. Oktober sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter. Ob die rechnerisch 16,7 Cent an der Zapfsäule ankommen, entscheiden die Konzerne – eine Pflicht zur Weitergabe gibt es nicht.

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Um Mitternacht wird Tanken rechnerisch um 16,7 Cent je Liter billiger – doch ob dieser Betrag an der Zapfsäule ankommt, entscheiden allein die Mineralölkonzerne. In der Nacht zu Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, tritt der neue in Kraft; eine Pflicht zur Weitergabe an die Kunden gibt es nicht.

Der September brach an den Zapfsäulen alle Rekorde: Super E10 kostete am Sonntag, 27. September, im Bundesschnitt 2,28 Euro, Diesel 2,43 Euro, wie die Rekordpreise vor dem neuen Tankrabatt zeigen. Wichtigster Preistreiber ist der Iran-Krieg, der den Rohöl- und Treibstoffexport aus der Golfregion einschränkt – die Straße von Hormus ist faktisch blockiert. Zum Vergleich: Am letzten Tag vor Kriegsbeginn Ende Februar kostete E10 im Bundesschnitt 1,78 Euro, Diesel 1,75 Euro.

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Beim ersten Rabatt fehlte ein Teil des Geldes

Beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni 2026 kam nach Berechnungen mehrerer unabhängiger Stellen nur ein Teil des Geldes an: Das Bundeskartellamt ermittelte eine durchschnittliche Weitergabe von rund 13,8 Cent bei Diesel und 13 Cent bei Super E5, das ifo-Institut beim Diesel nur rund 12 Cent – gerechnet von jeweils 16,7 Cent. Zum Ende des ersten Rabatts am 30. Juni spürten 81 Prozent keine Entlastung.

Wie viel vom ersten Tankrabatt ankam

Weitergabe in Cent je Liter, Mai/Juni 2026

Quelle: Bundeskartellamt, ifo-Institut

Der Monopolkommissions-Vorsitzende Tomaso Duso sagte der „Bild“, von 1,6 Milliarden Euro Entlastungsvolumen seien rund 200 Millionen Euro bei den Mineralölkonzernen verblieben – etwa ein Achtel. Die Branche hält dagegen: en2x-Chef Christian Küchen versichert, die Senkung werde „ab 1. Oktober um Mitternacht ohne Einschränkungen und Aufschläge weitergegeben – wie schon im Mai und Juni“. Er verweist auf den „intensiven Wettbewerb von 14.000 Tankstellen“. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn verweist auf „80, 90 Prozent, was weitergegeben wurde“.

Der Steuerrabatt greift bei der Lieferung

Der Steuerrabatt greift nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern bei der Lieferung. Steuerbegünstigt ist nur Kraftstoff, der nach Mitternacht aus Raffinerien oder Großtanklagern die Reise zur Tankstelle antritt.

In den Tanks der Tankstellen liegt um 0 Uhr also praktisch noch kein verbilligter Sprit. Bis überall steuerbegünstigter Kraftstoff angekommen ist, kann es ein paar Tage dauern. Trotzdem sinken die Preise an vielen Tankstellen erfahrungsgemäß schon um Mitternacht – allein wegen der Erwartungshaltung der Verbraucher. Dass sofort überall die vollen 16,7 Cent ankommen, gilt als unwahrscheinlich.

Im Eilverfahren durch Bundestag und Bundesrat

Damit der Rabatt schnell starten konnte, hängten die Koalitionsfraktionen die Steuerregelungen per Änderungsantrag an das Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs- und Aufsichtsänderungsgesetz (VSAAG); die übliche erste Lesung und die Ausschussdebatten entfielen. Den Beschluss von Bundestag und Bundesrat gab es am Freitag, 25. September: 434 zu 128 Stimmen im Bundestag, der Bundesrat verzichtete auf den Vermittlungsausschuss und billigte das Gesetz am selben Nachmittag.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnete es am 25. September, am 28. September war der Rabatt rechtskräftig. Der Staat rechnet mit Steuerausfällen von rund 2,485 Milliarden Euro. Neu ist die Finanzierung des 2,5-Milliarden-Pakets von Bund und Ländern: Erstmals tragen die Bundesländer die Hälfte, der Bund tritt ihnen dafür einen geringeren Anteil an der Umsatzsteuer ab.

Kritik und der geplante Preisdeckel

Die Kritik am Rabatt ist breit: Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm nannte ihn „zynisch“ – er subventioniere das Fahren von Verbrennungsmotoren auf Kosten der jungen Generation. ifo-Präsident Clemens Fuest hält den Rabatt für einen Fehler: Der Staat erreiche damit vor allem Autofahrer, die sich die Benzinpreise leisten können. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge nannte ihn eine „Schwachsinnslösung“. Im Bundesrat forderte Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig mehr als den Rabatt:

„Aber es wird nicht reichen. Der Sprit muss nach meiner Auffassung wieder unter 2 Euro.“
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern (SPD)

Nach dem Rabatt soll ein staatlicher Spritpreisdeckel kommen – aber erst Anfang 2027 und nur als Kriseninstrument. Der Bundesverband Freier Tankstellen lehnt ihn ab; Aral und Shell verweigern einen freiwilligen Preisdeckel ohnehin. Autofahrer sollten vor allem die Uhr beachten: Wegen der 12-Uhr-Regel dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal pro Tag erhöhen, nach Daten des Portals Tankerkönig geht es am Mittag oft um rund 20 Cent nach oben. Ob die vollen 16,7 Cent ankommen, entscheiden die Konzerne Tag für Tag neu – bis zum 31. Dezember.