Russland plant 2027 ein Militärbudget von 17,1 Billionen Rubel
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Kriegsfinanzierung

Russland plant 2027 ein Militärbudget von 17,1 Billionen Rubel

Russland schiebt 2027 umgerechnet 178 Milliarden Euro ins Militär – und holt das Geld bei Rentnern, Schülern und Kranken. Sozialpolitik, Bildung und Gesundheit verlieren bis zu 7,4 Prozent, neue Steuern sollen das Loch stopfen.

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Russland will 2027 so viel Geld ins Militär stecken wie nie seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine: 17,1 Billionen Rubel. Bezahlt werden soll das mit Kürzungen bei Renten, Schulen und Krankenhäusern. Der Haushaltsentwurf, der am 1. Oktober ins Parlament geht, verschiebt Geld aus dem Sozialstaat an die Front.

Nach Regierungsdokumenten, die der Reuters-Bericht über das Rekord-Militärbudget auswertet, steigt der Verteidigungsetat von ursprünglich geplanten 13,5 auf 17,1 Billionen Rubel. Das ist ein Plus von 27 Prozent und der höchste Wert seit dem Beginn des Angriffskriegs 2022. Umgerechnet sind das rund 202,6 Milliarden Dollar oder 178 Milliarden Euro.

Gebilligt hat das Kabinett den Entwurf für die Jahre 2027 bis 2029 am 24. September. Vorgelegt werden soll er in der Staatsduma am 1. Oktober – an genau diesem Tag steigen in Russland die kommunalen Tarife landesweit um durchschnittlich 9,9 Prozent.

Neue Steuern statt Sozialstaat

Das Loch im Budget sollen nicht nur Einschnitte stopfen, sondern auch neue Abgaben. Eine Übergewinnsteuer soll Metall-, Düngemittel- und Goldproduzenten mit 30 beziehungsweise 20 Prozent belasten.

Auch Privatleute zahlen drauf: Passive Einkünfte werden künftig mit 13 bis 22 Prozent besteuert statt mit 13 bis 15 Prozent, rund vier Millionen Menschen sind betroffen. Für Käufe in ausländischen Online-Shops fällt die volle Mehrwertsteuer von 22 Prozent an.

Die Defizitprognose für 2026 wurde von 1,6 auf 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppelt. Die Gesamtausgaben sollen 2026 um 13,2 Prozent auf 48,6 Billionen Rubel steigen, das sind 20,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Schätzung für Öl- und Gaseinnahmen sank dagegen von 8,9 auf 7,6 Billionen Rubel.

Den Gesetzentwurf zur Änderung des Steuergesetzbuchs begründet das Finanzministerium damit, die „Stabilität des Haushaltssystems“ erhöhen zu wollen. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am 9. September Steuererhöhungen noch ausgeschlossen und die makroökonomische Stabilität Russlands für vollständig gesichert erklärt.

„Davon war nicht die Rede.“
Dmitri Peskow, Sprecher des Kremls

Renten, Bildung, Kliniken: die Kürzungsliste

Auf der Ausgabenseite trifft es die Zivilbevölkerung. Die Sozialpolitik verliert 7 Prozent, die Bildung 6 Prozent, das Gesundheitssystem 6,8 Prozent. Die Position "Nationale Wirtschaft" – Straßenbau und Agrarsubventionen – sinkt um 7,4 Prozent, wie aus der Reuters-Recherche zu den Sozialkürzungen hervorgeht.

Betroffen sind nach diesen Angaben Renten, Zahlungen an Kriegsveteranen und Mutterschaftsleistungen. Der Schuldendienst steigt dagegen um 21,6 Prozent – Russland muss für seine Kredite immer mehr zahlen.

Geplante Kürzungen im russischen Haushalt 2027

Einschnitte nach Ressorts in Prozent

Quelle: Regierungsdokumente, Reuters, September 2026

Fast die Hälfte des Etats für Sicherheit

Die Verteidigung macht 2027 rund 35 Prozent aller Bundesausgaben aus. Zusammen mit dem Sicherheitsetat – Innenministerium, Nationalgarde, Geheimdienste – entfallen 43,9 Prozent oder 21,4 Billionen Rubel auf Sicherheit und Verteidigung, umgerechnet rund 253 Milliarden Dollar.

Der Rekordetat bezahlt Waffen, Sold und Personal. Die Vorbereitung von bis zu 300.000 weiteren Einberufungen gilt als eingeplant, und die Haushaltsplanung folgt einem politischen Ziel: Putins Rechnung mit einem Sieg im Jahr 2027.

Auf der anderen Seite der Front ist Geld ebenfalls knapp: Der ukrainischen Regierung fehlen nach eigenen Angaben rund 23 Milliarden Euro für den laufenden Verteidigungshaushalt.

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Was bis zum 1. Oktober entschieden wird

Am 1. Oktober soll der Entwurf im Parlament liegen. Ob die Duma die Kürzungen unverändert durchwinkt, ist offen; nach Angaben von Reuters ist das Steuerpaket im Zuge des Haushaltsentwurfs noch nicht parlamentarisch beraten worden.

Der Druck auf die Regierung wächst ohnehin. Die Öl- und Gaseinnahmen werden niedriger veranschlagt, die Ausgaben steigen, und die neuen Abgaben treffen Betriebe und Sparer gleichzeitig. Ob der Rekordetat ohne weitere Einschnitte durch das Parlament kommt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.