SEK nimmt drei Männer in Hagen und Unna in Gewahrsam
In Hagen wird die Tür einer Dachgeschosswohnung aufgesprengt, in Unna ein Mann festgesetzt: Polizei Dortmund und SEK nehmen am 1. Oktober drei Männer in Gewahrsam, weil sie eine staatsgefährdende Straftat vorbereitet haben sollen. Zwei Syrer kommen am Freitag wieder frei, der 33-Jährige bleibt – Innenminister Reul lobt den Einsatz als Erfolg seiner Behörden.
Spezialkräfte der Polizei Dortmund haben am Abend des 1. Oktober in Hagen und Unna drei Männer in Gewahrsam genommen. Gegen 19:30 Uhr sprengten die Beamten in Hagen die Tür einer Dachgeschosswohnung auf, wie der WDR-Bericht über den SEK-Einsatz in Hagen festhält. Der Vorwurf: Die Männer sollen eine staatsgefährdende Straftat vorbereitet haben.
Hinter der Maßnahme steht ein nachrichtendienstlicher Hinweis. Nach sich konkretisierenden Plänen brachte der Verfassungsschutz seine Erkenntnisse in einer sogenannten Fallkonferenz ein; die Polizei bereitete daraufhin einen präventiven Zugriff vor.
Die Polizei Dortmund bestätigte den Einsatz noch am späten Abend. Sie sprach vom Verdacht der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat und davon, dass das Landeskriminalamt NRW die Ermittlungen übernommen habe.
In Gewahrsam kamen ein 33 Jahre alter Deutscher aus Münster, der in Unna wohnt, sowie zwei Syrer im Alter von 20 und 24 Jahren aus Hagen. Der Verfassungsschutz hatte die drei laut Angaben aus Sicherheitskreisen seit Anfang 2026 im Visier; sie sollen sich zunehmend radikalisiert haben.
Was die Behörden bis heute offenlassen
Konkretes Ziel, Tatmittel und mögliche weitere Beteiligte haben die Ermittler bislang nicht öffentlich benannt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur besteht der Verdacht einer ideologischen Nähe zum IS. Der Verdacht auf eine staatsgefährdende Straftat ist bislang nicht gerichtlich geprüft.
Der Fall berührt eine größere Debatte über islamistische Gefährder. Die Bundesregierung hat aufgeschlüsselt, aus welchen Ländern die erfassten Gefährder mit ausländischem Pass stammen; Syrer stellen dabei die größte Gruppe, wie die Liste der 152 erfassten Gefährder nach Herkunftsländern zeigt.
Auch andernorts beschäftigen Anschlagspläne die Behörden. Mitte September ließ die Bundesanwaltschaft einen 24 Jahre alten Iraker im Landkreis Barnim festnehmen – wegen des geplanten Anschlags auf eine Bremer Kirche.
Befragungen, Durchsuchungen, zwei Freilassungen
Nach dem Zugriff befragte die Polizei die drei Männer und durchsuchte Wohnungen und Fahrzeuge. Die Ermittlungen laufen beim Landeskriminalamt NRW, das den Einsatz zuvor eng mit der Polizei Dortmund und weiteren Sicherheitsbehörden abgestimmt hatte.
Am Freitagmittag, dem 2. Oktober 2026, wurden die beiden Syrer aus Hagen wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Der 33-Jährige aus Unna blieb zunächst weiter in Gewahrsam.
Für die beiden Hagener endete der Gewahrsam damit weniger als einen Tag nach dem Zugriff. Der 33-Jährige aus Unna sitzt länger – über den Vorwurf gegen ihn hat bislang kein Gericht entschieden.
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Reul lobt den Zugriff und rechnet ab
Am selben Freitag meldete sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu Wort. Er nutzte den Zugriff für ein Lob an seine Behörden und rechnete mit den Verdächtigen ab:
„Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz und die NRW-Polizei haben gestern gezeigt, wie gut unsere Sicherheitsarchitektur funktioniert, wenn alle Rädchen ineinandergreifen. Diese Typen haben sich in Anschlagsfantasien verloren und glaubten, unsichtbar zu sein. Aber: Unser Verfassungsschutz sieht mehr, als ihnen lieb ist, und unsere Polizei schlägt zu, bevor sie es tun.“
Herbert Reul, NRW-Innenminister (CDU)
Der Zeitpunkt des Auftritts fällt auf: Reul lobt den Einsatz, während zwei der drei Männer längst wieder auf freiem Fuß sind. Für den 33-Jährigen aus Unna läuft der Gewahrsam weiter.
Wie es für den 33-Jährigen weitergeht
Offen ist, ob die Ermittler einen Haftbefehl beantragen, ob weitere Beteiligte hinzukommen und wann sie Ziel und Tatmittel der mutmaßlichen Planung öffentlich benennen.
Die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat ist bislang ein Vorwurf, kein Urteil. Ob daraus ein Verfahren wird, hängt an dem, was die Ermittlungen des LKA NRW ergeben. Für alle drei Männer gilt die Unschuldsvermutung.