Geipel wirft der Linken offensive Wählermanipulation vor
Die Schriftstellerin Ines Geipel nennt den Erfolg der Linken „nichts anderes als offensive Wählermanipulation“ und spricht von der tiefsten Spaltung seit der Wiedervereinigung. Sie fordert, das Erreichte nicht von Extremisten abräumen zu lassen.
Für den Erfolg der Linken bei den Landtagswahlen im September hat Ines Geipel nur einen Begriff: „Nichts anderes als offensive Wählermanipulation.“ Die Schriftstellerin und frühere DDR-Leichtathletin sagt, sie habe in Deutschland „noch nie eine solche Spaltung erlebt“.
Geipel äußert sich in einem Interview, das am 3. Oktober 2026 erscheint – am Tag der Deutschen Einheit. Das Gespräch mit Chefredakteur Jacques Schuster hat eine Lesezeit von rund neun Minuten, die Frühausgabe lag bereits am 2. Oktober vor. Über dem Text steht die Frage: „Was hat das noch mit Demokratie zu tun?“
Anlass ist der Ausgang der Wahlen vom September in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Linke gewinnt die Berliner Abgeordnetenhauswahl, ihre Spitzenkandidatin heißt Elif Eralp. Im Bund liegt die AfD in Umfragen erstmals bei 30 Prozent, die Union stürzt auf 18 Prozent – ein Rekordtief für die Union.
Die tiefste Spaltung seit der Wiedervereinigung
Geipel beschreibt eine Stimmung, die sie in dieser Härte nicht kennt. Von einer normalen politischen Gegnerschaft will sie nicht sprechen:
„Diese Rutschpartie, das viele Nein immerzu, der Hass sind neu.“
Ines Geipel, Schriftstellerin und Publizistin
Das Nein, das sie beschreibt, ist für Geipel kein Widerspruch in der Sache mehr, sondern eine Haltung – und der Hass das eigentliche Neue.
Die 66-Jährige war Leistungssportlerin in der DDR und arbeitet heute als Schriftstellerin und Publizistin. Sie nennt die Lage die „tiefste Spaltung seit der Wiedervereinigung“ und verortet sie nicht nur zwischen Parteien, sondern zwischen Menschen.
Vorwurf an die Kampagnenteams
Der Vorwurf richtet sich an die Linke und ihren Berliner Wahlkampf. Geipel kritisiert aber auch, wie im September insgesamt geworben wurde: Die Wahlkämpfe seien von Emotionen getragen gewesen, nicht von Sachargumenten.
„Sachargumente? Wozu das denn? Gewonnen hat, wer die Lügen des eigenen Kampagnenteams am verlogensten umsetzen konnte“, sagt sie. In der öffentlichen Debatte vermisst sie „gescheite Stimmen“.
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Appell am Tag der Deutschen Einheit
Zum Jahrestag der Einheit wirbt Geipel für einen gemeinsamen Blick zurück. Vor 37 Jahren habe es in diesem Land eine echte Revolution gegeben – und darauf die Einheit:
„Man könnte sich doch zusammen sagen: In diesem Land hat es vor 37 Jahren eine echte Revolution gegeben und darauf die Einheit.“
Ines Geipel, Schriftstellerin und Publizistin
Aus dieser Erinnerung leitet sie ihre Forderung ab: Das Erreichte dürfe nicht von Extremisten abgeräumt werden. Die friedliche Revolution von 1989 ist für sie der Grund, an diesem Tag zusammenzuhalten.
Am selben Wochenende zeigt sich in Berlin, wie tief der Graben ist. Bundestagsvizspräsident Bodo Ramelow klagt im Festgottesdienst im Berliner Dom über ein tiefes Misstrauen und eine Einkommenslücke von 17 Prozent zwischen Ost und West – Ramelows Klage über tiefes Misstrauen.
Antwortet die Linke auf Geipels Vorwurf – oder bleibt er als Zuspitzung einer Schriftstellerin stehen? Die Wahlen sind entschieden, die Debatte über ihren Ausgang nicht.