Die AfD steht im Insa-Sonntagstrend bei 30 Prozent, die Union bei 18. Zwischen beiden Parteien liegen zwölf Prozentpunkte – der größte Abstand, den das Institut je zwischen ihnen gemessen hat. Für die AfD ist es der höchste Insa-Wert überhaupt, für die Union der niedrigste.
Veröffentlicht wurde der neue Insa-Sonntagstrend für die „Bild“-Zeitung am 3. Oktober 2026, dem Tag der Deutschen Einheit. Befragt wurden 1.202 Wahlberechtigte zwischen dem 28. September und dem 2. Oktober. Zur Vorwoche gewinnt die AfD einen Prozentpunkt, die Union verliert einen.
Ein Rekord auf beiden Seiten
Den bisherigen Tiefstwert für die Union hatte Insa im Oktober 2021 mit 18,5 Prozent gemessen. Der neue Wert liegt noch einmal einen halben Punkt darunter, wie der Sturz der Union auf ein Rekordtief zeigt. Bei der AfD war ein Stand von 29,5 Prozent aus der Erhebung vom 25. bis 28. September die Bestmarke – damals mit 2.001 Befragten, die Union lag bei 19 Prozent.
Dahinter bleibt das Feld eng. SPD und Grüne liegen bei je 14 Prozent, wobei die SPD ihren Wert hält und die Grünen einen Punkt verlieren. Die Linke verharrt bei 10 Prozent. FDP und BSW kommen auf je 4 Prozent und würden damit den Bundestag verpassen; auf die sonstigen Parteien entfallen 5 bis 6 Prozent.
AfD und Union im Insa-Sonntagstrend
Angaben in Prozent, drei Erhebungen im Herbst 2026
79 Prozent unzufrieden mit dem Kanzler
Unzufrieden sind die Wähler auch mit der Regierungsspitze. In einer zweiten Insa-Erhebung vom 1. bis 2. Oktober mit 1.001 Befragten äußerten sich 79 Prozent unzufrieden mit der Arbeit von Kanzler Friedrich Merz, nur 15 Prozent zufrieden – ein Punkt weniger als zuvor.
Mit der Arbeit der Bundesregierung sind ebenfalls 79 Prozent unzufrieden, zufrieden nur 14 Prozent. Das sind drei Punkte weniger als bei der vorigen Messung und der tiefste Wert, den Insa je für die Regierung ermittelt hat.
Beim Kanzler setzt sich damit die sinkende Popularität von Friedrich Merz fort. Im ARD-Deutschlandtrend vom 1. Oktober, in dem die Union auf 20 Prozent fällt, lag die Zufriedenheit mit Merz bei zehn Prozent – der tiefste Wert, den diese Erhebung je für einen Kanzler gemessen hat.
Binkert sieht keinen Spielraum mehr
Insa-Geschäftsführer Hermann Binkert sieht Union und SPD nicht mehr in der Lage, gegenzusteuern. Der „Bild“-Zeitung sagte er:
„Union und SPD werden diesen Negativtrend nicht mehr substanziell drehen können.“
Der Satz richtet sich an eine Koalition, die im Sonntagstrend nur noch auf 32 Prozent kommt – Union und SPD zusammen. Das ist zwei Punkte mehr, als die AfD allein erreicht.
Weidel spricht von der politischen Wende
Für die AfD ist der Wert vor allem ein Signal an die anderen Parteien. Ihre Vorsitzende Alice Weidel wertete die Zahlen am 3. Oktober als Beleg für einen Stimmungswechsel:
„Auch bei Insa haben wir die 30%-Marke geknackt, während der Rekordvorsprung zur Union (18%) bei inzwischen 12 Prozentpunkten liegt. Deutschland will die politische Wende!“
Ob aus dem Umfragewert ein Mandat wird, entscheidet sich nicht am Sonntagstrend, sondern an Wahlen. Die AfD liegt in dieser Erhebung zwei Prozentpunkte hinter der Summe aus Union und SPD (32 Prozent).
Andere Institute messen ähnlich
Der Wert von 30 Prozent ist kein Ausreißer, aber auch kein Konsens der Institute. Bereits Mitte September hatte GMS die AfD bei 30 Prozent und die Union bei 20 Prozent gemessen. YouGov sah die Union damals ebenfalls bei 18 Prozent.
Andere Institute lagen zuletzt teils vier Punkte niedriger bei der AfD und fünf Punkte höher bei der Union. Wie groß der Abstand zwischen beiden Parteien ausfällt, hängt damit auch vom Auftraggeber und der Erhebungsmethode ab.
Einheitstag mit Neuwahl-Spekulation
Der Veröffentlichungstag ist kein beliebiger. Am 3. Oktober 2026, dem Tag der Deutschen Einheit, nahm Bundeskanzler Merz an der zentralen Einheitsfeier in Bremen teil – während in Berlin über Neuwahlen spekuliert wird.
Zuvor hatte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Streit um die Pflegereform eingeschaltet und am 2. Oktober mit dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt telefoniert.
Ob die Koalition den Abstand von zwölf Punkten bis zur nächsten Erhebung verkürzen kann, ist offen. Der folgende Sonntagstrend wird zeigen, ob die AfD weiter zulegt oder die Union ihren Sturz stoppt.
