Katharina Dröge spricht sich erstmals für Grün-Rot-Rot im Bund aus
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat sich erstmals für eine Koalition aus Grünen, SPD und Linken im Bund ausgesprochen – und wirft Kanzler Merz vor, nur den Stillstand zu verwalten. Aus der Bundesregierung kommt offener Widerstand.
Die Grünen öffnen sich für eine Koalition mit SPD und Linken im Bund. Fraktionschefin Katharina Dröge hat sich erstmals öffentlich für Grün-Rot-Rot ausgesprochen – ein Vorstoß gegen Kanzler Friedrich Merz und gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Union, die jede Zusammenarbeit mit der Linken ausschließt.
Veröffentlicht wurde die Vorabmeldung des Interviews mit Dröge am Sonntag. Darin verweist sie auf breite gesellschaftliche Mehrheiten für die Besteuerung extrem hoher Vermögen, für die Regulierung bezahlbarer Mieten und für den Kampf gegen Kinderarmut.
Ihre Begründung fasst Dröge in einem Satz zusammen: „Die Mitte tickt eigentlich links.“ Große Mehrheiten gebe es für soziale Fragen, nicht für die Politik der schwarz-roten Koalition. Merz wirft sie vor, mit seiner Reformpolitik eine „Umverteilung von unten nach oben“ zu organisieren.
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Nur zwei Aufbruchserzählungen
Dröge lässt neben Grün-Rot-Rot nur eine zweite Option gelten: Schwarz-Grün. Beide Bündnisse hätten, anders als eine Fortsetzung von Union und SPD, eine eigene Aufbruchserzählung. Der schwarz-roten Koalition hält sie vor, keine Antworten auf die sozialen Fragen des Landes zu haben. Der Streit mit dem Kanzler ist nicht neu: Die Grünen werfen Merz seit Monaten Stillstand vor.
„Wenn Union und SPD gemeinsam regieren, verwalten sie doch nur den Stillstand.“
Katharina Dröge, Fraktionschefin der Grünen
Rechnerisch rückt eine linke Mehrheit näher – der ZDFheute-Bericht zu Dröges Vorstoß nennt für die Grünen 14 Prozent, SPD und Linke liegen knapp dahinter. Der Union ist eine Zusammenarbeit mit der Linken per Beschluss verboten; Koalitionen mit AfD und Linken schließt sie aus. Für Grün-Rot-Rot im Bund bräuchten die drei Parteien also eine eigene Mehrheit ohne CDU und AfD.
Berlin treibt die Debatte an
Auslöser der Debatte ist auch die Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, die CDU kam auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent. Die Grünen erreichten 14,3 Prozent, die SPD 12,1 Prozent – CDU und SPD verloren ihre Mehrheit.
Wahlergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026
Stimmenanteile in Prozent
In Berlin verhandeln Linke, Grüne und SPD seit Tagen über eine gemeinsame Regierung. Das erste Vorgespräch am 1. Oktober blieb ergebnislos: Das ergebnislose Vorgespräch der drei Parteien dauerte fünf Stunden. Grüne und SPD verlangen von der Linken verbindliche Zusagen zu Antisemitismus und organisierter Kriminalität. Am 3. Oktober verständigten sich alle drei auf einen „weiteren gemeinsamen Weg“.
Warnung aus dem Kabinett
Gegenwind kommt aus der Bundesregierung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) warnt in der „Bild am Sonntag“ vor einer von der Linken geführten Regierung in Berlin – und vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sie sieht darin eine Gefahr für den Investitionsstandort.
„Das, was die Linke hier in Berlin vertritt und die Personen, die sie repräsentieren, ist nicht nur gefährlich für Berlin, sondern für unser Land.“
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin (CDU)
Reiche zielt damit auf die Berliner Koalitionsverhandlungen, die längst auf die Bundespolitik ausstrahlen. Für Dröges Vorstoß ist die Rechnung einfach: Ohne Union und ohne AfD gibt es im Bund nur mit der Linken eine Mehrheit links der Mitte. Ob die Grünen diesen Weg nach der Berliner Wahl tatsächlich gehen, hängt an den Zusagen der Linken – und daran, ob Schwarz-Grün für Merz eine Option bleibt.
In Berlin wird am Mittwoch weiterverhandelt. Für den 7. Oktober ist das nächste Vorgespräch geplant, die drei Parteien wollen die Gespräche dann zu einem Ergebnis führen. Auf Bundesebene ist noch nicht entschieden, ob Dröges Vorstoß nur eine Debatte eröffnet oder die Grünen wirklich auf Grün-Rot-Rot zusteuern. Die Union hat Koalitionen mit der Linken per Beschluss ausgeschlossen.