SPD-Fraktion weist Blockadevorwürfe der Union im Rentenstreit zurück
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Koalitionsstreit

SPD-Fraktion weist Blockadevorwürfe der Union im Rentenstreit zurück

Die Union verlangt den Renten-Gesetzentwurf bis Jahresende, die SPD-Fraktion spricht von Ultimaten und Drohungen. Umstritten bleibt die Abschaffung der Rente mit 63 – am Mittwoch tagt der Koalitionsausschuss.

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Der Streit in der schwarz-roten Koalition über die ist offen ausgebrochen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verlangte in der „Bild am Sonntag“, das Paket müsse bis Jahresende beschlossen sein – und setzte damit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) unter Druck, endlich den Gesetzentwurf vorzulegen.

Die SPD-Fraktion wies die Blockadevorwürfe am Sonntag zurück, wie dem Bericht zum SPD-Widerstand gegen die Blockadevorwürfe zu entnehmen ist. Für die SPD sprach Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese.

„Blockadevorwürfe, öffentliche Forderungen oder Ultimaten bringen uns ehrlich gesagt nicht weiter. Sie machen die Suche nach gemeinsamen Lösungen sogar eher langwieriger.“
Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion

Die Union hält die Steuerreform zurück

Der Druck auf Bas wächst seit Tagen. Nun erwägt die CDU-Fraktionsspitze laut Handelsblatt, die Einkommensteuerreform von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zurückzuhalten, bis Bas Gesetzentwürfe zu Renten- und Arbeitsmarktreform vorlegt.

Unionsfraktionsvize Johannes Winkel (CDU) verlangte laut dem Tagesspiegel-Bericht über den geeinten Rentenreformplan einen zügigen Gesetzentwurf aus dem Arbeitsministerium. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch verteidigte Bas in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ und ließ sich auf die Drohung nicht ein: „Nein, die SPD lässt sich auch nicht drohen, denn es geht uns um Überzeugung.“

Der Streitpunkt Rente mit 63

Umstrittenster Punkt des Pakets ist die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, der „“. Die SPD-Spitze will sie erhalten; im Kanzleramt wurde darüber schon vertraulich gerungen, wie der Streit über die abschlagsfreie Rente im Kanzleramt zeigt.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte sich am Freitag für die Streichung ausgesprochen: Sollte die Umsetzung des Rentenkonzepts an diesem Streitpunkt scheitern, „wäre die Reformfähigkeit in Deutschland erheblich infrage gestellt“. Auch aus der Wissenschaft kommt Widerspruch gegen ein Aufweichen: 46 Ökonomen warnen vor einer Aufweichung der Rente.

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Wie es zum offenen Streit kam

Der Konflikt schwelt seit Monaten. Noch vor der Sommerpause hatten Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bas angekündigt, den Reformplan der Rentenkommission ohne Abstriche umzusetzen; Bas nannte ihn ein „Gesamtkunstwerk“. Seither ist daraus ein offener Streit über Tempo und Inhalt geworden.

Vom Zusage-Sommer zum Koalitionsausschuss

  1. Juli 2026
    Merz und Bas sagen die Umsetzung zu

    Vor der Sommerpause kündigen Kanzler Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bas (SPD) an, den Reformplan der Rentenkommission ohne Abstriche umzusetzen. Bas nennt ihn ein „Gesamtkunstwerk“.

  2. 30. September 2026
    Kabinett einigt sich auf Pflegereform

    Nach zähem Ringen beschließt das Kabinett eine Reform der Pflegeversicherung. Zuvor hatte Bundespräsident Steinmeier mit Dobrindt (CSU) und Klingbeil (SPD) telefoniert.

  3. 2. Oktober 2026
    Die CDU erhöht den Druck

    CDU-Generalsekretärin Hoppermann fordert in der FAZ einen Renten-Gesetzentwurf von Bas. Laut Handelsblatt erwägt die CDU-Fraktionsspitze, Klingbeils Einkommensteuerreform zurückzuhalten. Bundesbankpräsident Nagel fordert in Rostock die Streichung der abschlagsfreien Frührente.

  4. 3. Oktober 2026
    Reiche setzt die Jahresfrist

    Am Tag der Deutschen Einheit in Bremen ruft Steinmeier zur Verteidigung der Demokratie auf. Wirtschaftsministerin Reiche verlangt in der „Bild am Sonntag“, die Rentenreform müsse bis Jahresende beschlossen sein.

  5. 4. Oktober 2026
    SPD kontert, Merz mahnt

    Wiese weist die Blockadevorwürfe zurück, Winkel mahnt einen zügigen Entwurf an, Miersch verteidigt Bas in „Berlin direkt“. Merz mahnt in Kiew und in „Bericht aus Berlin“ Zusammenhalt an.

  6. 7. Oktober 2026
    Koalitionsausschuss berät

    Geplant ist die Sitzung des Koalitionsausschusses, auf der unter anderem die Rentenreform verhandelt werden soll.

Entscheidung am Mittwoch

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mahnte am Sonntag in Kiew und in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ Zusammenhalt an: „Wir müssen in der Regierung zusammenbleiben. Wir müssen das Land nach vorne bringen. Wir müssen die großen Chancen, die wir haben, auch gemeinsam nutzen.“

Am Mittwoch tagt der Koalitionsausschuss, dort soll die Rentenreform verhandelt werden. Ob die Union ihre Drohung wahr macht und Klingbeils Steuerreform bis dahin zurückhält, und ob Bas einen Entwurf vorlegt, der die abschlagsfreie Rente antastet – diese Fragen entscheiden in den nächsten Tagen über den Zusammenhalt der Koalition.