Putin meldet 1.301 Quadratkilometer Eroberung – ISW zählt Verluste
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Ukraine-Krieg

Putin meldet 1.301 Quadratkilometer Eroberung – ISW zählt Verluste

Putin meldet für September 1.301 Quadratkilometer erobertes ukrainisches Gebiet. Das ISW rechnet nach und kommt auf einen russischen Nettoverlust von 80,81 Quadratkilometern – und wirft dem Kreml kognitive Kriegsführung vor.

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Wladimir Putin hat am 1. Oktober auf dem Waldai-Diskussionsforum verkündet, russische Truppen hätten allein im September 1.301 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums erobert. Die Analyse des Institute for the Study of War (ISW) vom 2. Oktober kommt auf das Gegenteil: einen russischen Nettoverlust von 80,81 Quadratkilometern.

Nach der ISW-Analyse zum September 2026 brachten russische Einheiten im vergangenen Monat 175,54 Quadratkilometer unter ihre Kontrolle, ukrainische Kräfte befreiten 256,35 Quadratkilometer. Rechnet man russische Infiltrationen in nicht kontrollierte Gebiete hinzu, steigt das Minus auf 175,18 Quadratkilometer.

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Wir wissen aus Geheimdienstinformationen und von einigen Leuten um Putin, dass Putin Anfang September sagte: „Jetzt gibt es keine Regeln mehr.“ Die Russen konnten uns nicht besetzen. Also führen sie jetzt massive Angriffe und massives Töten durch. Und natürlich wollen sie auf unsere Brücken losgehen und, soweit wir verstehen, auf unsere Rechenzentren, Internet, Mobilfunknetz, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Universitäten – alles. Sie wollen, dass die Menschen aus ihren Städten fliehen, und wir müssen alles tun, um unsere Menschen und Städte zu retten. F-16s zerstören jetzt 50 bis 60 % der Jet-Drohnen. Das ist ein Weg, und wir arbeiten viel daran, Waffen für F-16s zu bekommen. Der zweite Weg sind schnelle Abfangjäger. Jetzt haben wir fünf Abfangjäger im Test. An einem Tag sind sie 70 % effektiv, am anderen Tag – 30 %. Also, um die Frage zu beantworten „Wann können wir die Produktion hochskalieren?“ – wir haben nicht Milliarden, um eine Million Abfangjäger zu produzieren, die nicht funktionieren werden. Motoren sind der Schlüssel. Wir importieren viel und produzieren einige, aber diese Zahlen sind nicht genug. Also von diesen 5 Mustern wurden einige fünfmal verwendet, einige zehnmal und einige nur einmal. Aber du hattest einen und hast eine russische Drohne zerstört. Das ist das Problem. Ich kenne das genaue Datum nicht, aber im Oktober werden wir 400 dieser Abfangjäger haben. Und es ist normal, wenn du 400 Abfangjäger über mehrere Tage von Angriffen einsetzt und du sagst: „Schaut, Leute, sorry, aber es zerstört nur 10 %. Es funktioniert nicht.“ Oder zum Beispiel, wenn es 30 % oder mehr ist: „Großartig, Leute, ihr müsst ein bisschen daran arbeiten, und wenn der Prozentsatz 60–70 % ist – riesiger Erfolg.“ Aus einem Interview mit der Financial Times.

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Putins Angabe ist nach ISW-Daten das 2,5-Fache der Gewinne, die der Kreml in den Vormonaten behauptet hatte. Das ISW nennt Putins Zahlen „so weit von der Realität entfernt, dass sie an Halluzinationen erinnern“ und ordnet sie der russischen kognitiven Kriegsführung zu.

Russlands Vorstoß kommt fast zum Erliegen

Die Diskrepanz ist kein Ausrutscher. Von Juni bis August 2026 brachte Russland laut ISW monatlich nur zwischen 30 und 90 Quadratkilometer unter seine Kontrolle – die Invasion kam nahezu zum Erliegen. Seit März 2026 verlangsamen sich die russischen Geländegewinne deutlich.

In derselben Zeit drehte sich die Bilanz: Von März bis September 2026 gewann die Ukraine netto 293,59 Quadratkilometer zurück. Russland verlor also nicht nur im September Boden.

Geländebilanz in der Ukraine im September 2026

Quelle: Institute for the Study of War, 2. Oktober 2026

Täuschungsmanöver im Norden Donezks

Den Gegenpol zu Putins Zahlen liefert der Norden der Oblast Donezk. Dort bestätigte Brigadegeneral Andrij Bilezkyj am 15. September die ukrainische Gegenoffensive „Operation Vivaldi“. Am 28. September meldete er 176 seit Beginn befreite Quadratkilometer, davon 51 in der dritten Phase.

„Wir haben weitere 51 Quadratkilometer ukrainischen Landes zurückerobert, und seit Beginn der Offensivhandlungen insgesamt 176 Quadratkilometer.“
Andrij Bilezkyj, Brigadegeneral und Kommandeur des 3. Armeekorps

Nach Angaben des 3. Armeekorps wurden bei der Operation mehr als 250 russische Soldaten gefangen genommen. Bilezkyj beschreibt, wie sich der Widerstand auflöste: „Die Russen ergaben sich in ganzen Einheiten in Gefangenschaft, zusammen mit Offizieren, Piloten und Artilleristen.“

Ein Einzelfall ist das nicht. Aus dem Raum Lyman berichten russische Gefangene von Wochen ohne Wasser und von geflohenen Offizieren.

Der Erfolg beruht offenbar auf einer Täuschung. Bilezkyj zufolge war der Gegner überzeugt, der Hauptangriff richte sich auf Schandryholowe und Selenyj Dolyna – ein Täuschungsmanöver, das die russische Front überrumpelte.

Selenskyj meldet vereitelten Durchbruch

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 30. September, die Ukraine habe russische Durchbruchspläne bei Slowjansk und Kramatorsk vereitelt. Die russischen Verluste in diesem Abschnitt bezifferte er auf über 5.000 Getötete und Verwundete.

Für den gesamten September meldete Kiew 46.230 getötete oder verletzte russische Soldaten. Namentlich dokumentiert sind bislang die von Mediazona bestätigten russischen Kriegstoten.

Putins neue Theorie des Sieges

Das ISW vermutet, dass Putin auf eine neue „Theorie des Sieges“ setzt: eine massive Langstrecken-Angriffskampagne im Winter 2026/2027 gegen ukrainische Großstädte, die die Ukraine zur Kapitulation zwingen soll. Genau auf diese Eskalation zielt Putins Kalkül auf einen Sieg im Jahr 2027, vor dem der Militäranalyst Markus Reisner warnt.

Die russische Führung verbreite damit weiter eine „fiktive Schlachtfeld-Realität“, heißt es beim ISW – Teil einer kognitiven Kriegsführung, die russische Vorstöße fälschlich als flächendeckend darstelle. Die Zahlen der eigenen Analyse sprechen dagegen.

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Entscheidend wird der Winter. Die nächste ISW-Bilanz für Oktober wird zeigen, ob Russland wieder Gelände gutmacht oder ob die Ukraine ihren Vormarsch im Norden Donezks ausweitet. Putins 1.301 Quadratkilometer tauchen bislang in keiner unabhängigen Erhebung auf.