AfD zeigt Hape Kerkeling wegen Buchenwald-Satzes an
Bild: KI-generiert
AfD-Verbotsverfahren

AfD zeigt Hape Kerkeling wegen Buchenwald-Satzes an

Eine Kolumne von Jagoda Marinić nennt Hape Kerkeling „Kerkelking“ und verteidigt ihn gegen Beschimpfungen nach seinem Satz über Buchenwald. Die AfD erstattete Anzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung; über ein Ermittlungsverfahren ist noch nicht entschieden.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Ein Satz über Buchenwald hat Hape Kerkeling eine Strafanzeige eingebracht. In einer stern-Kolumne nennt Jagoda Marinić den Entertainer „Kerkelking“ und stellt sich gegen die Beschimpfungen, die auf seine Äußerung folgten.

Die Kolumne „König Hape I.“ von Jagoda Marinić erschien am 5. Oktober um 17:30 Uhr. Darin verteidigt sie einen Mann, der sich öffentlich geäußert hat und dafür beschimpft wird. Der stern stellt der Kolumne den Satz voran, ein Anständiger werde in Deutschland sofort verleumdet und beschimpft.

Ausgelöst hat die Debatte Kerkelings Auftritt am Mittwoch, 30. September, im Justizausschuss des Thüringer Landtags in Erfurt. Es war die erste öffentliche Anhörung eines deutschen Parlaments zu einem AfD-Verbotsverfahren. Kerkeling sagte dort einen Satz, den die AfD jetzt juristisch verfolgen lässt.

Der Satz, der die Anzeige auslöste

Kerkeling sprach in Erfurt als Nachfahre eines NS-Opfers. Sein Großvater Hermann, katholischer Kommunist und Zimmermann aus Recklinghausen, kam im März 1933 als politischer Häftling ins KZ Buchenwald, nachdem er in Herten Flugblätter gegen Hitler verteilt hatte. Dort erlebte er Zwangsarbeit und Folter.

In der Fragerunde sagte Kerkeling den Satz, um den es seither geht. Er bezog ihn auf den Wahlslogan „Alles ist möglich“, mit dem der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, wirbt. Der Welt-Bericht über Kerkelings Buchenwald-Satz aus Erfurt dokumentiert die Passage.

„Menschen, die mit dem Wahlslogan kommen: ‚Alles ist möglich‘ – bei einem Autohersteller verstehe ich das. Da geht es dann um Geschwindigkeitssteigerung, mehr Sitzplätze im Auto. Aber eine politische Partei, bei der alles möglich ist und die das zu ihrem Wahlslogan macht, bei denen ist unter Umständen auch Buchenwald möglich.“
Hape Kerkeling, Entertainer und Autor

Schon am 13. April hatte Kerkeling beim Gedenken an die Befreiung des KZ Buchenwald eine vielbeachtete Rede gehalten, als Enkel eines Überlebenden. Am 30. September saß er in Erfurt neben Juristen, die über die erste öffentliche Anhörung zum AfD-Verbot stritten.

Die AfD nennt es einen harten Angriff

Der Thüringer AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff nannte Kerkelings Satz eine „skandalöse Aussage“ und einen „harten Angriff“ gegen seine Partei. Er reagierte damit einen Tag nach der Anhörung, am 1. Oktober.

Mit der Familiengeschichte des Entertainers zeigte er begrenztes Mitleid, ließ aber keine Deutung zu: „Mir tut natürlich die Geschichte des Herrn Kerkeling ein Stück weit leid und ich verstehe auch seine Emotion, aber das mit uns in Verbindung zu bringen, ist natürlich ein harter Vorwurf, ein harter Angriff.“

Der Berliner AfD-Politiker Julian Adrat ging weiter und erstattete bei der Staatsanwaltschaft Erfurt Strafanzeige. Der Vorwurf lautet auf Volksverhetzung nach Paragraf 130 Absatz 3 des Strafgesetzbuchs. Ob die Behörde ein Verfahren eröffnet, ist offen – und ein Urteil gibt es nicht.

Umfrage
Lädt

Marinić macht ihn zum „Kerkelking“

Marinić tauft den Entertainer in der Kolumne in „Kerkelking“ um – nach seiner Rede im Thüringer Landtag. Der Text ist keine Würdigung des Auftritts, sondern eine Verteidigung: Wer sich in Deutschland anständig äußere, werde sofort verleumdet und beschimpft. Genau dagegen will die Kolumnistin anschreiben.

„Äußert sich in Deutschland ein Anständiger, wird er sofort verleumdet und beschimpft. Unsere Kolumnistin will sich nicht länger spalten lassen.“
Jagoda Marinić, Kolumnistin beim stern

Rückendeckung bekommt Kerkeling auch von Kollegen aus der Unterhaltungsbranche. Schauspieler Sky du Mont erklärte, er sei „entsetzt über die offenen, hasserfüllten Kommentare“ und schäme sich, dass so etwas nach der deutschen Geschichte wieder möglich ist.

Die Kolumne stellt sich damit gegen die Lesart der AfD. Haseloff hatte Kerkeling vorgeworfen, seine Partei mit dem NS-Regime zu verbinden; Marinić dreht die Richtung um und stellt sich vor den Mann, der die Beschimpfungen abbekommt.

Von 100.000 auf 150.000 Unterschriften

Die Unterstützung lässt sich an einer Zahl ablesen. Die WeAct-Petition „Hape Kerkeling als Bundespräsident“ erreichte am 15. Juni 100.000 Unterschriften. Am 3. Oktober waren es 150.000 – Kerkeling hatte in einer Videobotschaft zum Tag der Deutschen Einheit seine Forderung nach einem Verbotsverfahren erneuert, und prominente Unterstützer solidarisierten sich.

Der RTL-Moderator Steffen Hallaschka brachte die Stimmung auf eine kurze Formel: „Danke, ich nenne dich jetzt so lange Präsident, bis du es bist.“ Wenige Tage zuvor hatte Kerkelings Klage über die Hasswelle nach der Landtagsrede die Debatte weiter angeheizt.

Die überregionale Presse hatte den Fall längst aufgenommen. Die taz schrieb am 2. Oktober, Kerkeling hätte Bundespräsident werden sollen; der Tagesspiegel dokumentierte seine Rede im Thüringer Landtag im Wortlaut. Für die AfD bleibt der Satz über Buchenwald dennoch ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Ob die Staatsanwaltschaft Erfurt ein Ermittlungsverfahren eröffnet, ist nicht entschieden. Der nächste Schritt liegt damit bei den Ermittlern – und bei den Politikern, die über ein Verbot der AfD entscheiden müssten.

Von der Buchenwald-Rede bis zur Kolumne

  1. 13. April 2026
    Kerkeling spricht in Buchenwald

    Beim Gedenken an die Befreiung des KZ hält Kerkeling als Enkel eines Überlebenden eine vielbeachtete Rede.

  2. 15. Juni 2026
    Petition erreicht 100.000 Unterschriften

    Die WeAct-Petition „Hape Kerkeling als Bundespräsident“ überschreitet die Marke von 100.000 Unterschriften.

  3. 30. September 2026
    Anhörung im Thüringer Landtag

    In Erfurt sagt Kerkeling, bei einer Partei mit dem Slogan „Alles ist möglich“ sei „unter Umständen auch Buchenwald möglich“.

  4. 1. Oktober 2026
    AfD nennt den Satz „skandalös“

    Fraktionsvize Haseloff spricht von einem harten Angriff; Julian Adrat erstattet Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

  5. 2. Oktober 2026
    Die Presse nimmt den Fall auf

    Die taz schreibt, Kerkeling hätte Bundespräsident werden sollen; der Tagesspiegel dokumentiert seine Rede im Wortlaut.

  6. 3. Oktober 2026
    150.000 Unterschriften

    Kerkeling erneuert in einer Videobotschaft seine Forderung nach einem Verbotsverfahren, Prominente solidarisieren sich.

  7. 5. Oktober 2026
    stern veröffentlicht Marinićs Kolumne

    Jagoda Marinić tauft Kerkeling in „König Hape I.“ in „Kerkelking“ um und verteidigt ihn gegen die Verleumdungswelle.