Köktürk droht CDU-Abgeordnetem Hardt im Bundestag mit Anwalt
Ein Instagram-Video, ein Antisemitismusvorwurf und eine Drohung im Plenarsaal: In der Gedenkdebatte zum 7. Oktober prallen der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt und die Linke-Abgeordnete Cansin Köktürk aufeinander. Köktürk kündigt rechtliche Schritte an.
Die Linke-Abgeordnete Cansin Köktürk hat dem CDU-Außenpolitiksprecher Jürgen Hardt im Bundestag mit einem Anwalt gedroht. Auslöser war Hardts Vorwurf, sie habe in einem Instagram-Video Israel als „genozidalen Apartheidsstaat“ beschimpft; ihr Auftreten nannte er „militanten Extremismus“.
Der Eklat fiel in die vereinbarte Debatte „Drei Jahre nach dem terroristischen Überfall der Hamas auf Israel – Antisemitismus entschlossen bekämpfen, Jüdisches Leben in Deutschland schützen“. Der Bundestag führte sie am Mittwoch, 7. Oktober 2026 – drei Jahre nach dem Überfall mit über 1.200 Ermordeten und rund 250 Geiseln.
In einer Kurzintervention wies Köktürk den Antisemitismusvorwurf zurück und kündigte rechtliche Schritte an. Wie der Bericht über die Anwaltsdrohung im Bundestag festhält, sagte sie zum Schluss an Hardt gerichtet:
„Sie werden von meinem Anwalt hören“
Cansin Köktürk, Bundestagsabgeordnete der Linken
Hardt greift Köktürk direkt an
Der CDU-Außenpolitiksprecher griff die Linke-Abgeordnete in seiner Rede direkt an. Zu ihrem Video und ihrem Auftreten sagte er:
„Was Sie da von sich geben, Frau Köktürk, ist militanter Extremismus und ein Nullsummendenken.“
Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion
Köktürk hielt dagegen und warf den anderen Fraktionen vor, das Leid der Palästinenser auszublenden. In der Debatte sagte sie: „Sie erwähnen mit keinem Wort den Genozid an den Palästinensern. Und hier hört der Dialog für mich auf.“ Damit standen sich zwei Vorwurfslinien gegenüber: Antisemitismus auf der einen, Wegsehen auf der anderen Seite.
Video aus Bochum, Anzeige, Parteidruck
Vorausgegangen war ein Streit, der die Linkspartei seit Wochen beschäftigt. Köktürk hatte am 3. und 4. Oktober das Instagram-Video mit den Israel-Beschimpfungen veröffentlicht, aufgenommen in Bochum; am 4. Oktober erklärte sie die Vorwürfe gegen sich und die Partei für haltlos.
Am 5. Oktober erstattete Tobias Huch Strafanzeige gegen die Abgeordnete. Zuvor hatte Die Linke Ende September die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gewonnen und war in eine Debatte über Antisemitismus geraten – die Warnung des Zentralrats vor einer Koalition mit der Berliner Linken fällt in diese Wochen.
Vom Hamas-Überfall bis zur Gedenkdebatte
7. Oktober 2023
Hamas überfällt Israel
Über 1.200 Menschen werden ermordet, mehr als 5.000 verletzt und rund 250 als Geiseln verschleppt.
2025
Antisemitische Straftaten fast verdoppelt
Die Polizei erfasst rund 6.500 Taten, RIAS dokumentiert 8.725 Vorfälle.
September 2026
Die Linke gewinnt die Berliner Abgeordnetenhauswahl
Die Partei gerät in die Debatte über Antisemitismusvorwürfe.
3./4. Oktober 2026
Köktürk veröffentlicht Video aus Bochum
Am 4. Oktober erklärt sie die Vorwürfe gegen sich und die Partei für haltlos.
5. Oktober 2026
Strafanzeige gegen Köktürk
Tobias Huch erstattet Anzeige gegen die Abgeordnete.
7. Oktober 2026
Debatte im Bundestag eskaliert
Hardt wirft Köktürk Antisemitismus vor, sie droht mit dem Anwalt.
Gaza, Brugger und ein verstörender Ton
Mehrere Rednerinnen und Redner von SPD, Grünen und Linken thematisierten in der Debatte das Leid der Palästinenser im Gazastreifen. Die Co-Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, sagte:
„Sie gelten im Kibbuz Ravid genauso wie in Rafah.“
Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Linken
Die Grüne Agnieszka Brugger hielt Teile der Aussprache für „verstörend und unpassend“, wie der Bericht über eine in Teilen verstörende Debatte festhält. Sie erinnerte an den Anlass: „Heute sollte das Gedenken mit den Opfern im Mittelpunkt stehen.“
6.500 Straftaten und offene Folgen
Die Aussprache fiel in eine Zeit deutlich steigender Fallzahlen. Im Jahr 2025 erfasste die Polizei rund 6.500 antisemitische Straftaten, fast doppelt so viele wie 2022; die Meldestelle RIAS dokumentierte 8.725 Vorfälle.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner machte in der Debatte den Anspruch des Staates zum Maßstab. Sie sagte: „Jüdinnen und Juden müssen in unserem Land frei und sicher leben können.“
Ob die Fraktion Konsequenzen aus dem Vorgang zieht, ist offen. Unklar ist auch, ob aus Köktürks Anwaltsdrohung ein juristisches Nachspiel wird und ob die Strafanzeige von Tobias Huch ein Verfahren nach sich zieht.