Zigaretten sollen 2027 rund 9,10 Euro pro Packung kosten
Nach heftigem Widerstand in den eigenen Reihen trägt die Union die verschärfte Tabaksteuer-Erhöhung mit. Eine Schachtel Zigaretten soll 2027 rund 9,10 Euro kosten – Zollgewerkschaft und Tabakwirtschaft warnen vor einem Boom des Schwarzmarkts.
Rauchen in Deutschland wird deutlich teurer: Eine Schachtel Zigaretten soll 2027 rund 9,10 Euro kosten. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung geben die Unions-Finanzpolitiker ihren Widerstand gegen die verschärfte Tabaksteuer-Erhöhung auf. Das Gesetz geht damit in der nachgeschärften Fassung in die weitere parlamentarische Beratung.
Der Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD sieht höhere Steuersätze vor als der ursprüngliche Regierungsentwurf. Die Mehreinnahmen sollen 2027 rund 1,5 Milliarden Euro betragen, für die Jahre 2027 bis 2030 zusammen rund 11,7 Milliarden Euro. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Tabaksteuer ordnen die Pläne ein.
Der Streit ist damit aber nicht beendet. Zollgewerkschaft und Tabakwirtschaft warnen, höhere Preise könnten den Schmuggel stärken und genau jene Mehreinnahmen auffressen, mit denen der Bund rechnet. Das Bundesfinanzministerium sieht für diesen Zusammenhang keine unabhängigen empirischen Daten.
Höhere Sätze als im Regierungsentwurf
Formell ist der Weg noch nicht zu Ende: Der Finanzausschuss des Bundestags befasste sich am Montag, 5. Oktober 2026, in einer öffentlichen Anhörung zum Tabaksteuergesetz mit dem Gesetzentwurf 21/7859 und dem Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen.
Um das Geld gab es auch innerhalb der Koalition Streit: Kanzleramtsminister Thorsten Frei verwies im Juli im ARD-Morgenmagazin auf Entlastungen für Krankenhäuser. Und der Streit um Verbrauchsteuern reißt nicht ab – der Zuckersteuer-Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil endete im Stopp durch das Kanzleramt nach Druck der CDU-Länder.
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Widerstand aus der eigenen Fraktion
Die härteste Kritik kommt von den Kontrolleuren. Thomas Liebel, Bundesvorsitzender der Zollgewerkschaft BDZ, warnt seit Juli, die wachsende Preislücke zwischen legaler und illegaler Ware mache Steuerbetrug attraktiver. Für ihn ist die Erhöhung keine Steuerpolitik, sondern eine Einladung an Banden:
„Die geplante Tabaksteuererhöhung wird zum Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität.“
Thomas Liebel, Bundesvorsitzender der Zollgewerkschaft BDZ
Auch in der Unionsfraktion selbst gibt es Zweifel. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Brodesser sagt: „Im Endeffekt erreicht man weder das gewünschte fiskalische Ergebnis noch die Stabilisierung des legalen Tabakmarktes.“ Für Fritz Söllner von der TU Ilmenau geht es „nur um das Stopfen von Haushaltslöchern“.
Die Tabakwirtschaft rechnet ebenfalls mit Gegenwehr. Der Hauptgeschäftsführer des BVTE, Jan Mücke, nennt die geplanten Mehreinnahmen „reine Fantasie“. Sein Verband warf dem Bundesfinanzministerium am 9. Oktober einen Blindflug vor. Am 6. Oktober hatte Unionsfraktionschef Thorsten Frei in der Arbeitsgruppe Finanzen seiner Fraktion seinen Kurs gegen heftige Kritik durchgesetzt.
Wie es zum Kurswechsel kam
Der Kurswechsel hat eine Vorgeschichte von fast drei Monaten – von der Kabinettsentscheidung im Juli bis zum Umschwenken der Unions-Finanzpolitiker in dieser Woche.
Von der Kabinettsentscheidung zur Einigung
13. Juli 2026
Kabinett beschließt Tabaksteuer-Erhöhung
Der Gesetzentwurf sieht jährliche Erhöhungen von 2027 bis 2030 vor. Kanzleramtsminister Thorsten Frei verweist im ARD-Morgenmagazin auf Entlastungen für Krankenhäuser.
17. Juli 2026
Zollgewerkschaft zweifelt an den Mehreinnahmen
Der BDZ warnt, die Erhöhung werde zum Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität.
5. Oktober 2026
Öffentliche Anhörung im Finanzausschuss
Der Ausschuss befasst sich mit dem Gesetzentwurf 21/7859 und dem Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen.
6. Oktober 2026
Frei setzt sich in der Fraktion durch
Der Unionsfraktionschef ist zu Gast in der Arbeitsgruppe Finanzen und verteidigt seinen Kurs gegen heftige Kritik.
8. Oktober 2026
Unions-Finanzpolitiker geben Widerstand auf
Das Gesetz kommt in der nachgeschärften Version in die weitere parlamentarische Beratung.
9. Oktober 2026
BVTE wirft Ministerium Blindflug vor
Der Verband kritisiert die Reaktion des Bundesfinanzministeriums auf die Warnungen der Zollgewerkschaft.
Entschieden ist damit nur der Streit in der Koalition, nicht das Gesetz. Ob die 1,5 Milliarden Euro im ersten Jahr und 11,7 Milliarden Euro bis 2030 tatsächlich zusammenkommen, hängt daran, wie viele Raucher auf billigere oder geschmuggelte Ware ausweichen. Genau dort sieht die Zollgewerkschaft den Fehler im Entwurf.