67 Prozent halten Merz' Kanzlerschaft für gescheitert
67 Prozent der Wahlberechtigten halten die Kanzlerschaft von Friedrich Merz für gescheitert, 58 Prozent fordern seinen Rücktritt. In derselben Ipsos-Erhebung stürzt die Union auf 20 Prozent – die AfD liegt bei 28 Prozent.
Zwei Drittel der Wahlberechtigten in Deutschland sprechen Bundeskanzler Friedrich Merz die Eignung für sein Amt ab. 67 Prozent halten seine Kanzlerschaft für gescheitert, 58 Prozent fordern seinen Rücktritt. In derselben Erhebung fällt die Union auf 20 Prozent, die AfD steigt auf 28 Prozent.
Die Zahlen stammen aus dem SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor. Befragt wurden 2.002 Wahlberechtigte zwischen dem 30. September und dem 4. Oktober, veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 7. und 8. Oktober. Der Aussage „Die Kanzlerschaft von Friedrich Merz ist gescheitert“ stimmen 48 Prozent voll und ganz zu, weitere 19 Prozent eher – zusammen 67 Prozent, wie die neue Umfrage zur gescheiterten Kanzlerschaft zeigt.
Die Ablehnung ist im Osten deutlich größer: Dort sehen 80 Prozent der Befragten die Kanzlerschaft als gescheitert an, im Westen 64 Prozent. Auch beim Rücktritt sind die Mehrheiten eindeutig: 58 Prozent wollen, dass Merz Kanzleramt und CDU-Vorsitz abgibt – 44 Prozent stimmen voll und ganz zu, 14 Prozent eher. Nur 11 Prozent lehnen einen Rückzug vollständig ab.
Ipsos-Umfrage im Auftrag des SPIEGEL, Erhebung 30. September bis 4. Oktober 2026
Quelle: Ipsos / SPIEGEL, 8. Oktober 2026
Vorausgegangen sind schwere Niederlagen. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stürzte die CDU am 6. September auf 17,2 Prozent, die AfD siegte mit 43,8 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern fiel die CDU am 20. September erstmals unter die Fünf-Prozent-Hürde. In Berlin verlor sie am 27. September das Rote Rathaus; dort lag die Linke in den Umfragen bei 22 Prozent.
Söder führt – doch 43 Prozent wollen keinen der Genannten
Für den Fall eines Rückzugs gibt es unter den Befragten eine klare Rangfolge. 20 Prozent nennen Markus Söder (CSU) als Nachfolger, 16 Prozent Hendrik Wüst (CDU), 5 Prozent Alexander Dobrindt (CSU). Die größte Gruppe aber will keinen von ihnen: 43 Prozent entscheiden sich für „keiner der Genannten“.
Der ehemalige Vizekanzler Robert Habeck von den Grünen hat für den Kanzler nur eine knappe Beschreibung übrig:
„Friedrich Merz agiert offensichtlich innerhalb seiner Möglichkeiten.“
Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler (Grüne)
Die Regierungschefs der Länder sind weniger zurückhaltend. Beim Treffen der Ministerpräsidenten im Kanzleramt am 24. September kam es zum Eklat: Merz hielt Manuela Schwesig vor, sie habe den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern gegen ihn geführt – „Sie haben die demokratische Mitte zerstört“. Die Ministerpräsidentin nannte sein Auftreten unverschämt und ließ ihn stehen. Heute fordert sie: „Dieser Bundeskanzler sollte sich selbstkritisch fragen, was er vielleicht bisher falsch gemacht hat.“
Am Tag der Veröffentlichung, dem 7. Oktober, trat der Koalitionsausschuss erstmals seit über drei Monaten zusammen. Der Politikwissenschaftler Christian Stecker sieht die CDU im „finalen Stadium“ eines Zerfalls. Ob Merz diesen Eindruck bis zur nächsten Erhebung widerlegen kann, ist offen.