Drei Stimmen fehlen der AfD in Sachsen-Anhalt zur absoluten Mehrheit – und sie sollen aus der CDU kommen. Am 5. Dezember will die CDU in Zerbst einen neuen Landesvorstand wählen. Für die AfD ist dieser Parteitag der letzte Schritt vor der Wahl ihres Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten Mitte Dezember.
Der AfD-Landtagspräsident Tobias Rausch erklärte am 7. Oktober, es gebe eine Absprache mit mehreren CDU-Abgeordneten, auch für Siegmund zu stimmen. Man wolle zunächst den CDU-Landesparteitag am 5. Dezember abwarten.
Siegmunds Fraktion hat 39 der 83 Landtagssitze; für die absolute Mehrheit von 42 Stimmen fehlen mindestens drei. Ein BSW-Angebot, ihn per Enthaltung im dritten Wahlgang zu unterstützen, hat Siegmund abgelehnt. Wie seine Absage an die BSW-Hilfe zeigt, zählt für ihn allein „45 Prozent plus X“.
Siegmund fehlen drei Stimmen zur Mehrheit
Sitze im Landtag von Sachsen-Anhalt
Der Landesverfassungsschutz stuft die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch ein. Eine Regierung unter Siegmund wäre die erste AfD-geführte Landesregierung in Deutschland.
Neuer Vorstand, ungeklärte Führung
Für den Landesvorsitz kandidiert der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller. Der Kreisverband Dessau-Roßlau unterstützt ihn; Landrat André Schröder hatte eine eigene Kandidatur abgelehnt.
Sven Schulze hatte nach der Landtagswahl vom 6. September seinen Rückzug vom Landesvorsitz angekündigt – und sich zugleich mit 8 zu 7 Stimmen gegen Guido Heuer zum Fraktionsvorsitzenden wählen lassen. Er bleibt geschäftsführender Ministerpräsident und Landesvorsitzender. Mehrere CDU-Abgeordnete fordern inzwischen seinen Rücktritt als Fraktionschef.
Die AfD war bei der Landtagswahl mit 43,8 Prozent stärkste Kraft geworden, die CDU stürzte auf 17,3 Prozent. Am 5. Oktober sagte Schulze in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“:
„Es wird keiner von der CDU zur AfD wechseln. Da braucht auch die AfD nicht drauf hoffen.“
Der Test in der geheimen Wahl
Schon die konstituierende Sitzung des Landtags am 6. Oktober zeigte, wie unsicher die CDU-Reihen sind: Der AfD-Kandidat Tobias Rausch wurde mit 48 Stimmen zum ersten AfD-Landtagspräsidenten Deutschlands gewählt – vier mehr, als AfD und BSW zusammen haben. Statt der erwarteten 15 Enthaltungen der CDU gab es nur fünf; auch AfD-Vize Tillschneider erhielt mehr Stimmen, als die AfD Sitze hat.
Für die t-online-Reporterin Annika Leister war das der Testfall: ob die AfD „einzelne Abgeordnete in der geheimen Wahl auf unsere Seite gezogen“ bekommt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Marco Tullner, früherer Bildungsminister, bestätigt inzwischen eigene Austrittsgedanken; zum Jahresende wolle er in sich gehen, „und da sind alle Optionen offen“.
Dennis Radtke, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, fordert ein Parteiausschlussverfahren: „Sollte sich herausstellen, dass CDU-Abgeordnete den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten gewählt haben, erwarte ich, dass die Partei gegen sie ein Parteiausschlussverfahren einleitet.“ MDR Investigativ berichtet über die mögliche Spaltung der CDU-Fraktion.
Wie es bis Mitte Dezember weitergeht
Vom Wahlergebnis zum Parteitag in Zerbst
- 6. September 2026Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Die AfD wird mit 43,8 Prozent stärkste Kraft und erhält 39 Sitze, die CDU stürzt auf 17,3 Prozent (15 Sitze).
- 7. September 2026Schulze kündigt Rückzug an
Sven Schulze setzt sich mit 8 zu 7 Stimmen gegen Guido Heuer als Fraktionsvorsitzender durch und will den Landesvorsitz abgeben.
- 6. Oktober 2026Erster AfD-Landtagspräsident
Tobias Rausch wird mit 48 Stimmen gewählt; statt der erwarteten 15 Enthaltungen der CDU gibt es nur fünf.
- 7. Oktober 2026Rausch spricht von Absprache
Der Landtagspräsident erklärt, mehrere CDU-Abgeordnete hätten zugesagt, auch für Siegmund zu stimmen; man warte den Parteitag ab.
- 8. Oktober 2026Austrittsgedanken und Rücktrittsforderungen
Marco Tullner bestätigt Austrittsgedanken, CDU-Abgeordnete fordern Schulzes Rücktritt als Fraktionschef, Sepp Müller kandidiert für den Landesvorsitz.
- 5. Dezember 2026CDU-Landesparteitag in Zerbst
Geplant ist die Neuwahl des Landesvorstands.
- Mitte Dezember 2026Geplante Wahl Siegmunds
Der Landtag soll Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt wählen.
Bundesweit ist aus dem Landesstreit eine Debatte über die Brandmauer und ein mögliches AfD-Verbotsverfahren geworden. Die Linke-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner sagte, es wäre „wirklich der Moment, wo die Koalition, die Bundesregierung eigentlich zerbrechen müsste“, wenn Siegmund mit CDU-Stimmen gewählt würde.
Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel hatte Siegmund bereits im Juli zum künftigen Ministerpräsidenten erklärt; ihre Ankündigung beim Wahlkampfauftakt in Magdeburg ist bis heute die Linie der Partei. Bis zum Parteitag will die AfD abwarten, Mitte Dezember soll der Landtag abstimmen. Ob dann drei CDU-Abgeordnete für Siegmund stimmen, entscheidet sich in geheimer Wahl – für die CDU ist der 5. Dezember in Zerbst die letzte Station davor.
