Gysi grenzt Leugner von Israels Existenzrecht aus der Linken aus
Bild: KI-generiert
Nahost-Debatte

Gysi grenzt Leugner von Israels Existenzrecht aus der Linken aus

Gregor Gysi zieht bei der stern Stunde in Hamburg eine rote Linie: Wer Israels Existenzrecht bestreite, gehöre nicht in die Linke. In der eigenen Partei warnt er vor Hardlinern – während in Berlin SPD und Grüne mit der Linken über eine Koalition sondieren.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Gregor Gysi hat den Streit um den Israel-Kurs der Linken in die eigene Partei getragen. Bei der stern Stunde im KörberForum Hamburg zog der Bundestagsabgeordnete am 12. Oktober eine Grenze: Wer das Existenzrecht Israels bestreite, habe in der Linken nichts zu suchen.

Im Gespräch mit stern-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz markierte Gysi die rote Linie der Linken im Israel-Palästina-Konflikt. Mitgast des Abends unter dem Titel „Wie gerecht ist Deutschland?“ war die JU-Bundesschatzmeisterin und CDU-Influencerin Clara von Nathusius.

„Wer das Existenzrecht Israels bestreitet, gehört nicht in die Linke.“
Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter der Linken

Warnung an die Wortführer der eigenen Partei

Gysi richtete den Satz auch gegen die eigene Partei: Er warne vor „Hardlinern“ in den eigenen Reihen, wie die Jüdische Allgemeine über die Warnung vor Hardlinern berichtet.

„Manchmal habe ich den Eindruck, die Wortführer wünschen sich, dass der Staat Israel verschwindet.“
Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter der Linken

Ein sicheres Israel, ein souveränes Palästina

Gysi verknüpft die rote Linie mit der Zukunft seiner Partei. „Wenn die Linke das Existenzrecht Israels infrage stellte, wäre das das Ende“, sagte er. Die Abgrenzung von Israel-Gegnern ist bei ihm deshalb keine Nebenbemerkung.

Zugleich fordert Gysi eine Zwei-Staaten-Lösung: Ein sicheres Israel gebe es nur neben einem souveränen Palästina. Den israelischen Siedlungsbau kritisierte er deutlich. Für die Linke ist das seit dem Parteitag im Juni 2026 die offizielle Linie – das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und Palästinas.

Die Partei ringt seit dem 7. Oktober 2023

Der Satz trifft eine Partei, die seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 um ihren Israel-Kurs ringt. Mehrere Landesverbände und die Linksjugend gerieten in die Kritik. Im März 2026 forderten Mitglieder in einem Brandbrief eine Antirassismus-Schulung für Gysi – Auslöser waren seine Äußerungen zum „spezifischen Migrationshintergrund“.

Die Linke und der Streit um Israel

  1. 7. Oktober 2023
    Hamas-Massaker in Israel

    Der Angriff wird zum Ausgangspunkt der anhaltenden Israel-Debatte in der Linkspartei.

  2. 17. März 2026
    Brandbrief gegen Gysi

    Parteimitglieder fordern wegen seiner Äußerungen zum „spezifischen Migrationshintergrund“ eine Antirassismus-Schulung für ihn.

  3. 28./29. März 2026
    Abgrenzung von Israel-Gegnern

    Gysi, Bartsch und Ramelow erklären in einem Gastbeitrag, wo für sie in der Partei die Grenze verläuft.

  4. Juni 2026
    Parteitag bekennt sich zu zwei Staaten

    Der Bundesparteitag bekennt sich zum Existenzrecht Israels und Palästinas im Sinne einer Zwei-Staaten-Lösung.

  5. 8. Oktober 2026
    Berliner Vereinbarung gegen Antisemitismus

    Linke, Grüne und SPD verständigen sich in Berlin auf ein gemeinsames Vorgehen.

  6. 12. Oktober 2026
    Gysi zieht die rote Linie

    Bei der stern Stunde in Hamburg sagt Gysi, wer das Existenzrecht Israels bestreite, gehöre nicht in die Linke.

In Berlin hängt eine Koalition daran

Die Debatte reicht bis in die Regierungsbildung. In Berlin sondieren Linke, SPD und Grüne über eine Koalition; ein erstes Vorgespräch war nach fünf Stunden ergebnislos geblieben. SPD und Grüne fordern Garantien von der Linken.

Der Zentralrat der Juden hatte SPD und Grüne vor einer Koalition mit der Berliner Linken gewarnt. Am 8. Oktober verständigten sich Linke, Grüne und SPD in Berlin auf ein gemeinsames Vorgehen gegen Antisemitismus – vier Tage später saß Gysi in Hamburg auf dem Podium.

Umfrage
Lädt

Der Streit um Antisemitismus reicht über die Linke hinaus. Für Markus Lanz ist Antisemitismus ein Problem der ganzen Gesellschaft, nicht einer einzelnen Partei.

In Berlin laufen die Sondierungen weiter. Ob die Linke Gysis rote Linie in den eigenen Reihen durchsetzt, wird die SPD und die Grünen mehr interessieren als jeder Podiumssatz – eine Entscheidung über eine Koalition steht noch aus.