Die AfD will den Posten des Landtagspräsidenten in Mecklenburg-Vorpommern – doch die Mehrheit im Parlament liegt bei ihren Gegnern. Am 13. Oktober beschloss die AfD-Fraktion einstimmig die Nominierung von Carlos Rodrigues, die SPD-Fraktion setzte einstimmig auf eine weitere Amtszeit von Birgit Hesse. Eine Woche vor der konstituierenden Sitzung ist damit klar, dass es zum Duell um die Spitze des Hauses kommt.
Rodrigues ist 52 Jahre alt und zieht zum ersten Mal in den Landtag ein, Hesse ist 51 und führt das Parlament seit 2021. Der Neuling aus Sagard auf Rügen sagte, er stehe „für Integrität, Neutralität und Respekt vor allen Abgeordneten und den Wählern“.
AfD beruft sich auf parlamentarische Gepflogenheiten
AfD-Fraktionschef Enrico Schult begründet den Anspruch mit den parlamentarischen Gepflogenheiten: Traditionell stelle die stärkste Partei den Landtagspräsidenten. 2021, als die SPD stärkste Kraft war, habe seine Fraktion die Wahl von Hesse mitgetragen. Aus Schults Sicht ist seine Fraktion deshalb nun an der Reihe.
„Dann wird es eine Kampfkandidatur geben.“
SPD lehnt AfD-Kandidaten für die Spitze ab
SPD-Fraktionschef Julian Barlen lehnt einen AfD-Kandidaten für den Präsidenten- und die Stellvertreterposten ab. Schon am 22. September hatte er ein Veto eingelegt: In der AfD-Fraktion gebe es keinen geeigneten Kandidaten. Der AfD-Fraktion warf er vor, sich in dieser Wahlperiode alles andere als würdevoll verhalten zu haben – wer so auftrete, wolle keinen fairen Umgang. Nach seinen Worten duldet die AfD Rechtsextremisten in ihren Reihen.
„Dieses Parlament verdient eine Spitze, die es würdevoll leitet.“
32 Sitze gegen 39 Stimmen
Die Zahlen sprechen gegen den AfD-Kandidaten. Bei der Landtagswahl am 20. September kam die AfD auf 38,2 Prozent und 32 von 71 Sitzen – ein Sieg ohne Regierungsmehrheit in Mecklenburg-Vorpommern. SPD (29 Sitze), Linke (5) und Grüne (5) bringen es zusammen auf 39 Stimmen, genug, um einen AfD-Kandidaten im geheimen Wahlgang durchfallen zu lassen. Die CDU kam auf 4,9 Prozent, FDP und BSW scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde, die Wahlbeteiligung lag bei 78,0 Prozent.
Sitze im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern
Landtagswahl am 20. September 2026
Parallel verhandeln SPD, Linke und Grüne seit dem 12. Oktober über eine rot-rot-grüne Koalition; die drei Fraktionen kämen zusammen auf 39 der 71 Sitze. Für sie wird die Präsidentenwahl am 20. Oktober zur ersten gemeinsamen Abstimmung, noch bevor ein Koalitionsvertrag steht.
Auch über die Besetzung der Vizepräsidentenposten wird in derselben Sitzung entschieden. Gewählt werden sie in derselben Sitzung wie der Präsident.
Wie Thüringen und Sachsen-Anhalt
Zwei Präzedenzfälle zeigen, wie umstritten die Gepflogenheit ist. In Thüringen wurde 2024 nicht der AfD-Kandidat, sondern der CDU-Politiker Thadäus König zum Landtagspräsidenten gewählt. In Sachsen-Anhalt fiel am 6. Oktober die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten auf Tobias Rausch, der 48 von 82 Stimmen erhielt.
Von der Landtagswahl zur konstituierenden Sitzung
- 20. September 2026Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die AfD wird mit 38,2 Prozent stärkste Kraft und erhält 32 von 71 Sitzen; SPD 29, Linke und Grüne je fünf.
- 22. September 2026SPD legt Veto gegen einen AfD-Präsidenten ein
Fraktionschef Barlen erklärt, in der AfD-Fraktion gebe es keinen geeigneten Kandidaten.
- 30. September 2026Amtliches Endergebnis bestätigt
Der Landeswahlleiter bestätigt das Ergebnis; die AfD bleibt stärkste Kraft.
- 6. Oktober 2026Erster AfD-Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt
Tobias Rausch wird mit 48 von 82 Stimmen gewählt.
- 12. Oktober 2026Koalitionsverhandlungen in Schwerin beginnen
SPD, Linke und Grüne verhandeln über eine rot-rot-grüne Koalition.
- 13. Oktober 2026SPD und AfD nominieren ihre Kandidaten
Einstimmig für Birgit Hesse und einstimmig für Carlos Rodrigues; Schult kündigt eine Kampfkandidatur an.
- 20. Oktober 2026Konstituierende Sitzung des Landtags
Um 14 Uhr im Schweriner Schloss sollen Präsident und Vizepräsidenten gewählt werden.
Entscheidung am 20. Oktober
Die Entscheidung fällt in der konstituierenden Sitzung des Landtags der 9. Wahlperiode am 20. Oktober um 14 Uhr im Plenarsaal des Schweriner Schlosses. Es ist der erste Zusammentritt des neu gewählten Parlaments. Gewählt wird geheim; die Chancen von Rodrigues gelten wegen der rot-rot-grünen Mehrheit als gering.
Amtsinhaberin Hesse sagte, sie wolle auch in den kommenden Jahren dafür sorgen, „dass im Landtag fair und geordnet beraten wird und die Würde des Hauses gewahrt bleibt“. Offen ist, ob die AfD auch für die Vizepräsidentenposten eigene Kandidaten aufstellt – Schult ließ das am 13. Oktober offen.
