Hape Kerkeling nennt 150 AfD-Zuschriften niederträchtig
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SPIEGEL-Interview

Hape Kerkeling nennt 150 AfD-Zuschriften niederträchtig

Hape Kerkeling sagt, er habe für seinen Auftritt im Thüringer Landtag seine Karriere riskiert – und bekommt dafür nicht nur Zuspruch: Rund 150 Zuschriften von AfD-Anhängern nennt er beschämend, einen Tag später verspottet ihn die JUNGE FREIHEIT.

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Rund 150 Zuschriften von Anhängern der AfD hat Hape Kerkeling (61) nach eigener Darstellung für seinen Auftritt im Thüringer Landtag bekommen. Der Entertainer nennt sie „beschämend und niederträchtig“ – und beschreibt sie nicht als Kritik, sondern als Angriff.

Anlass für diese Bilanz ist ein Interview, das der SPIEGEL am 13. Oktober 2026 veröffentlicht hat (Heft 43/2026). Darin ordnet Kerkeling die Folgen seines Erfurter Auftritts ein: Ende September hatte er vor dem Justizausschuss des Landtags gesprochen und bei der Anhörung zum AfD-Verbotsverfahren in Erfurt für ein Prüfverfahren geworben.

Sein Einsatz war kalkuliert. „Mir war es regelrecht wurscht, ob ich meine Karriere aufs Spiel setze, solange die Aufmerksamkeit auf diese Anhörung gelenkt wird“, sagt Kerkeling in dem Gespräch; so steht es in Bericht über seinen riskanten Auftritt.

Zuspruch und Anfeindung

Zustimmung bekam er reichlich: Nach eigenen Angaben erreichten Kerkeling weit über 2.000 zustimmende E-Mails. Die 150 Zuschriften von AfD-Anhängern sind dagegen eine Minderheit – doch die Hasswelle gegen Kerkeling nach seiner Landtagsrede hält an. Im Internet, sagt er, werde „längst Lynchjustiz“ gegen ihn gefordert.

Vor der Haltung, die er hinter solchen Reaktionen vermutet, warnt er mit einem Bild: Wer die AfD wähle, so seine Lesart, verteile keinen Denkzettel, sondern nehme in Kauf, dass es blutig wird.

„Wer will, dass die Löwen in die Arena kommen, der will auch Blut sehen.“
Hape Kerkeling, Komiker, Schauspieler und Autor

Der Satz richtet sich an Wähler, die mit ihrer Stimme ein Signal setzen wollen. Kerkeling hält das für eine Fehldeutung: Wer Rechtsextremisten wähle, wolle nach seiner Darstellung keinen bloßen Denkzettel verteilen, sondern nehme Schaden in Kauf.

Spott aus der Jungen Freiheit

Einen Tag nach Veröffentlichung des Interviews antwortete die JUNGE FREIHEIT. Der Kommentar von Lorenz Bien trägt den Titel „Hape Kerkeling, der mutige Widerstandskämpfer“ und deutet den Auftritt in Erfurt als Selbstinszenierung eines Entertainers, der sich selbst zum politischen Helden erklärt.

Der Text legt Kerkeling zudem nahe, er sehe in der AfD eine Kraft, die „die Regierung kontrolliert“. Belege dafür führt der Kommentar nicht an; in den übrigen Berichten über das SPIEGEL-Interview findet sich der Punkt nicht.

154.000 Unterschriften für das höchste Amt

Parallel läuft eine Kampagne für ein Amt, das Kerkeling offenlässt. Eine Online-Petition der Organisation Campact fordert ihn als nächsten Bundespräsidenten und hat über 154.000 Unterzeichner. Mit Kerkelings Verweis auf die CDU ist die Frage nach dem Spitzenamt aber nicht beantwortet.

Kerkeling zeigt sich gerührt, hält einen Erfolg aber für unwahrscheinlich. „Ohne die CDU würde es nicht gehen. Und die wird jemanden nach ihrer Vorstellung küren. Da wollen wir hoffen, dass die Wahl auf die richtige Dame fällt“, sagt er.

Eine Deutung seines Selbstverständnisses liefert ein weiterer Satz aus dem Interview, der in dem Bericht über Kerkelings Satz zur Demokratie steht: „Ich bin die Demokratie, die ich mir wünsche.“

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Wie es zur Anhörung kam

Die Auseinandersetzung zieht sich über gut zwei Wochen – vom Auftritt im Landtag bis zum Kommentar der JUNGE FREIHEIT.

Vom Landtag zum Kommentar

  1. Ende September 2026
    Kerkeling spricht im Thüringer Landtag

    Bei der Anhörung des Justizausschusses in Erfurt wirbt der Entertainer für die Prüfung eines AfD-Verbots.

  2. 13. Oktober 2026
    Der SPIEGEL veröffentlicht das Interview

    In Heft 43/2026 berichtet Kerkeling, er habe seine Karriere riskiert, nennt weit über 2.000 zustimmende E-Mails und rund 150 Zuschriften von AfD-Anhängern.

  3. 13. Oktober 2026
    Medien greifen die Aussagen auf

    Unter anderem t-online, evangelisch.de und das RND berichten über die Bundespräsidenten-Petition und Kerkelings Haltung zum AfD-Verbot.

  4. 14. Oktober 2026
    Die JUNGE FREIHEIT antwortet mit Spott

    Der Kommentar von Lorenz Bien deutet Kerkelings Erfurter Auftritt als Selbstinszenierung.

Über die Petition entscheidet nicht das Netz, sondern die Union. Kerkeling selbst sagt, ohne die CDU gehe es nicht, und sie werde jemanden nach ihrer Vorstellung küren. Offen ist damit nicht nur, wen die Christdemokraten ins Spiel bringen – sondern auch, ob die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren nach seiner Anhörung in Erfurt neuen Schub bekommt.