Friedrich Merz schließt Rücktritt aus und will Kanzler bleiben
Bundeskanzler Merz will im Amt bleiben und grenzt sich scharf von der AfD ab – „Wenn es eine Brandmauer gibt, sind wir die Brandmauer“. Der Ukraine sichert er weitere Waffen und Geld zu.
Bundeskanzler Friedrich Merz schließt einen Rücktritt aus. „Das werde ich nicht tun", sagt er der „Financial Times" – und antwortet damit auf den Druck, der seit Monaten auf ihm lastet. Auch die AfD verlangt seinen Rücktritt: Generalsekretär Seiferts Forderung nach einem Rücktritt fiel nach dem AfD-Sieg in Mecklenburg-Vorpommern.
Das Gespräch führte Merz am Mittwoch, dem 14. Oktober, direkt nach seiner Regierungserklärung im Bundestag und unmittelbar vor dem EU-Gipfel. Veröffentlicht wurde das Interview der Financial Times mit Merz am 15. Oktober unter dem Titel „Germany's Friedrich Merz vows to fight on: ‚We are the firewall'". Am selben Tag reiste der Kanzler nach Brüssel.
Umfrage
Lädt
Die Union als Brandmauer gegen die AfD
Auf die Frage nach der Abgrenzung zur AfD antwortete Merz mit einem Satz, der in der Union seit Jahren umstritten ist: „Wenn es eine Brandmauer gibt, sind wir die Brandmauer.“ Den Begriff selbst schätzt der Kanzler nicht. Er benutzt ihn dennoch, um die Grenze zur AfD zu markieren – eine Zusammenarbeit mit ihr schließt er aus.
Für die Abgrenzung nennt er außenpolitische Gründe: „Sie wollen die EU verlassen, sie wollen die Nato verlassen, sie wollen die Unterstützung für die Ukraine aufgeben.“ Zwischen CDU und AfD gebe es „keine gemeinsame Grundlage“. Der Streit über den richtigen Umgang mit der AfD begleitet die Union seit Jahren; im Oktober 2025 war die Brandmauer-Debatte erneut aufgeflammt.
Zusage an die Ukraine – und eine Warnung an Europa
Merz sicherte der Ukraine weitere militärische und finanzielle Unterstützung zu. Vor den Folgen eines Rückzugs warnt er in drastischen Worten.
„Wenn wir unsere Unterstützung für die Ukraine aufgeben, wird das enorme Auswirkungen auf die gesamte politische Ordnung dieses Kontinents haben.“
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)
Das Interview fällt in die Tage des EU-Gipfels in Brüssel, auf dem der Haushaltsrahmen und die Unterstützung für Kiew auf der Tagesordnung stehen. Merz sitzt mit am Tisch – am 15. Oktober, dem Tag der Veröffentlichung.
Kritik an Trumps Dieselgeschäft mit Russland
Die Kritik des Kanzlers trifft nicht nur die AfD. Der Ton gegenüber Washington ist rauer geworden: Schon Mitte September hatte Merz beim CDU-Wahlkampfabschluss das Ende der unbedingten Freundschaft mit den USA verkündet.
Zugleich mahnt Merz Verständnis für die Amerikaner an: „Die Amerikaner haben ein Problem mit den Preisen. Aber das ist eine der Folgen des schrecklichen Krieges im Nahen Osten.“ Den Preisdruck in den USA führt der Kanzler damit auf den Krieg im Nahen Osten zurück.
Merz will den Menschen Optimismus vermitteln
Merz will nach eigener Darstellung nicht nur verwalten. „Ich möchte den Menschen mehr Optimismus vermitteln, denn die Grundlagen in diesem Land sind außerordentlich gut“, sagt er. Und er betont seine Entschlossenheit: „Ich bin fest entschlossen, das zu tun.“ Das Regieren selbst beschreibt er als unberechenbares Tagesgeschäft.
„Das ist ein tägliches Geschäft. Man weiß nie, was am nächsten Tag passieren wird. Aber bisher haben wir es geschafft.“
Im Interview verweist Merz auf einen weiteren Termin: Am 19. Oktober beginnt in Berlin die Investorenkonferenz „Invest in Germany“.
Zuvor aber sitzt er am 15. Oktober in Brüssel am Gipfeltisch, an dem über den Haushaltsrahmen und die Ukraine-Hilfe verhandelt wird. Dort muss sich zeigen, ob der Kanzler seine Zusage durchhält – und ob die Union geschlossen hinter ihm steht.