Weidel nennt Ukraine-Krieg verloren und will deutsche Hilfe stoppen
AfD-Chefin Weidel sagt in einem Interview mit The Economist, die Ukraine könne den Krieg nicht gewinnen, und will die deutsche Finanzierung beenden. Kanzler Merz warnt dagegen vor den Folgen für die politische Ordnung Europas.
Die AfD will den deutschen Geldhahn für die Ukraine zudrehen. Ihre Bundesvorsitzende Alice Weidel begründet das mit einem Krieg, den sie für entschieden hält: Die Ukraine sei zu klein, um Russland zu besiegen. In einem Interview mit dem britischen Magazin „The Economist“ forderte sie, die Finanzierung eines bereits verlorenen Krieges zu beenden.
Geführt hat das Gespräch Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes, aufgezeichnet wurde das rund 75-minütige Interview im Bundestag in Berlin. In dem Interview mit Alice Weidel beim Economist, das am 15. Oktober erschien, bekräftigt die AfD-Chefin ihre Ablehnung weiterer deutscher Zahlungen.
„Alice Weidel sagte im Interview: „Es ist falsch, die Finanzierung eines bereits verlorenen Krieges zu verlängern.““
Alice Weidel, Bundesvorsitzende der AfD
Gegenfrage statt Antwort
The Economist beschrieb das Gespräch als „rhetorisches Judo“: Weidel begegne Fragen immer wieder mit Gegenfragen statt mit Antworten. Oft bleibe unklar, wofür sie stehe. Diese Taktik prägte auch die zentrale Passage, in der es um die Friedensbereitschaft der Konfliktparteien ging.
Die Interviewerin hielt Weidel entgegen, Putin habe kein Interesse an Frieden. Die AfD-Chefin konterte mit einer Gegenfrage; WELT stellte Weidels Gegenfrage zu Selenskyjs Friedenswillen am 16. Oktober in den Mittelpunkt. Zuvor hatte Weidel gefordert, neben ukrainischen auch russische Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen.
„Das ist, was Sie sagen. Können Sie mir einen Beweis nennen, dass Selenskyj an Frieden interessiert ist?“
Alice Weidel, Bundesvorsitzende der AfD
Auf diese Umkehr läuft Weidels Argumentation hinaus: Nicht Russland steht in der Pflicht, seinen Friedenswillen zu belegen, sondern die Ukraine.
Merz hält dagegen
Bundeskanzler Friedrich Merz widersprach bereits am 14. Oktober in einem Interview mit der Financial Times. Wer die Unterstützung aufgebe, löse „enorme Auswirkungen auf die gesamte politische Ordnung dieses Kontinents“ aus. Die Ukraine werde nicht verlieren, „wenn wir das Richtige tun“. Merz kritisierte in dem Gespräch zudem Trumps Diesel-Geschäft mit Russland.
Im Bundestag hatte Merz die Milliardenhilfen für Kiew gegen die Angriffe der AfD verteidigt und vor wachsender russischer Eskalation gewarnt, wie Merz' Verteidigung der Ukraine-Hilfe im Bundestag dokumentiert. Dem hält Weidel ihre Priorität entgegen: „Ich stelle die Interessen meines Landes an erste Stelle: Deutschland zuerst, und dieser Krieg ist nicht in unserem Interesse.“
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Euro-Ausstieg als Mythos, vier Millionen Rückführungen
Neben der Ukraine-Politik räumte Weidel im Economist-Interview mit eigenen Positionen auf: Einen Euro-Ausstieg der AfD nannte sie einen „Mythos“ – obwohl die Forderung noch im Bundestagswahlprogramm zur Wahl 2025 stand. Der Widerspruch ist nicht neu: Weidels Euro-Ausstieg im ZDF-Sommerinterview hatte im August für Schlagzeilen gesorgt.
Scharf kritisierte Weidel außerdem Marine Le Pen vom französischen Rassemblement National. Zudem forderte sie, syrische, afghanische und ukrainische Staatsangehörige – rund vier Millionen Menschen – nach Kriegsende zurückzuführen.
Sachsen-Anhalt stimmt gegen Waffenlieferungen
Rückenwind für ihren Kurs bekam Weidel zuletzt aus Sachsen-Anhalt. Dort hatte die AfD im September die Landtagswahl mit knapp 44 Prozent gewonnen und liegt in Umfragen vorn. Am 7. Oktober beschloss der Landtag mit den Stimmen von AfD und BSW einen Antrag für einen Waffenstillstand, Friedensverhandlungen mit Russland und ein Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine. Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen.
Der frühere ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba warnt in einem in Kiew geführten Gespräch vor Putins Krieg und einem harten Winter – Kulebas Warnung vor Putins Krieg und hartem Winter. Ob Weidels Linie im Bund Mehrheiten findet, entscheiden die kommenden Abstimmungen über deutsche Milliarden für Kiew.