Die Hamas hat Israel über einen UN-Vermittler wissen lassen, dass sie zu einem neuen Angriff im Ausmaß des 7. Oktober 2023 bereit sei – im eigenen Land, im Westjordanland oder im Ausland. Am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, übergab der UN-Nahostgesandte Ramiz Alakbarov diese Botschaft bei einem Treffen mit COGAT-Chef Generalmajor Yoram Halevy in Israel.
Die israelische Behörde COGAT bestätigte den Bericht über die beispiellose Hamas-Drohung. Das Dokument sei nach israelischer Darstellung umgehend an die politische und die Sicherheitsführung weitergeleitet worden. Ynet nannte die Warnung beispiellos.
Alakbarov hatte in der Woche vor dem Treffen im Gazastreifen mit führenden Hamas-Mitgliedern gesprochen. Am 15. Oktober sagte er dem UN-Sicherheitsrat in seiner Warnung vor einer Rückkehr des Krieges, das Risiko sei so hoch wie nie zuvor.
„Das Risiko einer Rückkehr zum Krieg war nie höher.“
Warum die Hamas jetzt droht
Als Gründe nennt Ynet die andauernden israelischen Militäreinsätze. Ein Jahr nach der Waffenruhe vom Oktober 2025 hält Israel weiterhin mehr als die Hälfte des Gazastreifens. Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor mit Katz' Drohung mit der Räumung von Gaza-Stadt samt einer Million Einwohnern für zusätzliche Spannung gesorgt.
Der zweite Auslöser aus Sicht der Hamas ist die Verschiebung der palästinensischen Wahl. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verschob per Dekret vom 9. Oktober 2026 die für den 28. November geplante Parlamentswahl auf den 11. September 2027. Wie ernst solche Signale genommen werden müssen, zeigt die Warnung der VAE vor dem 7. Oktober.
Von der Waffenruhe zur Drohung
- 7. Oktober 2023Massaker löst den Gaza-Krieg aus
Hamas und andere extremistische Gruppen töten rund 1.200 Menschen in Israel und verschleppen mehr als 250 Geiseln.
- Oktober 2025Waffenruhe tritt in Kraft
Israel hält danach weiterhin mehr als die Hälfte des Gazastreifens.
- 9. Oktober 2026Abbas verschiebt die Parlamentswahl
Statt am 28. November 2026 soll nun am 11. September 2027 gewählt werden.
- 15. Oktober 2026Alakbarov warnt den Sicherheitsrat
Der UN-Gesandte sagt, das Risiko einer Rückkehr zum Krieg sei nie höher gewesen.
- 21. Oktober 2026Drohbotschaft an COGAT-Chef Halevy
Alakbarov übergibt die Warnung bei einem Treffen in Israel.
- 22. Oktober 2026Ynet veröffentlicht den Bericht
COGAT bestätigt die Übermittlung, Eisenkot kritisiert die Regierung scharf.
- 27. Oktober 2026Knesset-Wahl in Israel
Netanyahu und Katz hatten vor Angriffen vor oder während der Wahl gewarnt.
90 Millionen Schekel im Monat
Die Hamas steckt zugleich in einer schweren Finanzkrise. Für rund 30.000 Kräfte im Gazastreifen braucht sie nach israelischen Schätzungen etwa 90 Millionen Schekel monatlich – umgerechnet rund 29 Millionen Dollar. Pro Kopf sind das etwa 3.000 Schekel, knapp 970 Dollar.
Ob die Hamas nach drei Jahren Krieg überhaupt zu einer koordinierten Großattacke fähig ist, gilt als fraglich. Andere Berichte sehen die Organisation jedoch wieder bei bis zu 40.000 Kämpfern, deren Tunnelsystem weitgehend repariert sein soll.
Die Drohung schließt Ziele im Ausland ein. In Deutschland wirft die Bundesanwaltschaft sieben mutmaßlichen Hamas-Auslandsoperateuren vor, Waffen für einen Mordanschlag in Berlin beschafft zu haben; die Anklage gegen die Hamas-Waffenbeschaffer läuft seit September.
Wahlkampf unter Drohung
Die Warnung fällt mitten in den israelischen Wahlkampf. Am 27. Oktober 2026 wählt das Land eine neue Knesset. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz hatten zuvor öffentlich vor möglichen Angriffen vor oder während der Wahl gewarnt.
Gadi Eisenkot, Parteichef von Yashar und früherer Generalstabschef, nutzte den Bericht am 22. Oktober für eine Abrechnung mit der Regierung: Sie habe die Legitimität gehabt, die Hamas zu zerschlagen, und die selbst gesetzten Kriegsziele dennoch fahrlässig verfehlt.
„Es gab nie eine andere Regierung in Israel, die so viel öffentliche und internationale Legitimität genoss, die Hamas zu zerschlagen. Es gab nie eine andere Regierung, die so systematisch und fahrlässig daran scheiterte, die selbst gesetzten Kriegsziele zu erreichen, und dabei die Errungenschaften der Kämpfer vor Ort verspielte.“
Bis zur Knesset-Wahl bleiben fünf Tage. Ob die Drohung aus dem Gazastreifen Israels Sicherheitskabinett zu zusätzlichen Maßnahmen zwingt oder im Wahlkampf verhallt, dürfte sich in dieser Woche entscheiden – und damit auch, ob die Waffenruhe von 2025 hält.
