SPD-Innenpolitiker Fiedler schließt Koalition mit Berliner Linke aus
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Regierungsbildung

SPD-Innenpolitiker Fiedler schließt Koalition mit Berliner Linke aus

Sebastian Fiedler zieht die rote Linie: Für Sozialdemokraten verbieten sich weitere Gespräche über eine Koalition mit der Berliner Linken. Auslöser ist ein „Spiegel“-Bericht über Angst-Vermerke von Spitzenkandidatin Elif Eralp.

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Sebastian Fiedler zieht eine rote Linie. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion schließt weitere Gespräche über eine Koalition mit der Berliner Linken aus – und nennt dafür einen Bericht des „Spiegel“ über Angst-Vermerke von Spitzenkandidatin Elif Eralp.

Gegenüber FOCUS sagte Fiedler, der Zustand der Linken sei „sogar noch viel schlimmer als befürchtet“. Die Partei habe eine „strukturelle Anschlussfähigkeit an das extremistische und terroristische Milieu“, die ein „ungeahntes Ausmaß erreicht“ habe.

Der Satz fällt während laufender Sondierungen zur Regierungsbildung in Berlin. FOCUS dokumentiert Fiedlers Forderung nach einem Koalitionsverzicht.

„Für jeden Sozialdemokraten verbieten sich weitere Gespräche über eine Koalition mit dieser Partei.“
Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

Vorausgegangen war die Feststellung, mit dem Bericht seien letzte Zweifel beseitigt: „Falls noch irgendjemand Zweifel hatte, dürften die jetzt beseitigt sein.“

Angst vor „diesen Leuten“

Auslöser ist ein Bericht des „Spiegel“ vom 29. Oktober 2026. Eralps Büro hatte die Autorisierungsfassung eines Interviews zurückgeschickt – mit internen Anmerkungen, die offenbar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

Darin schreibt Eralp, sie und ihr Mann hätten „Angst vor diesen Leuten“. Die Vermerke beziehen sich auf den Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim, der im September bei der Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln aufgetreten war.

Ibrahim gilt als Unterstützer der PFLP und des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees. Bei der Party ließ er sich mit dem Abgeordneten Ferat Koçak fotografieren, wenige Tage später reiste er zu einer Konferenz mit Hamas-Funktionären nach Istanbul. Ibrahim selbst sieht sich als Mann, der der Linken zum Wahlsieg verhalf.

Von der Wahlparty zum Koalitionsstreit

  1. 20. September 2026
    Die Linke gewinnt Berlin

    Mit 25,7 Prozent wird die Linke stärkste Kraft, Elif Eralp ist Spitzenkandidatin.

  2. September 2026
    Auftritt in Neukölln

    Der Palästina-Aktivist Ibrahim Ibrahim erscheint bei der Wahlparty, posiert mit Abgeordnetem Ferat Koçak und reist kurz darauf nach Istanbul.

  3. 26. Oktober 2026
    Interview beim „Spiegel“

    Das Magazin führt das Gespräch mit Eralp.

  4. 27. Oktober 2026
    Autorisierung geht ins Büro

    Die schriftliche Fassung wird Eralps Mitarbeitern zur Freigabe geschickt.

  5. 28. Oktober 2026
    Interne Vermerke im Dokument

    Das Manuskript kommt mit Anmerkungen zurück, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren.

  6. 29. Oktober 2026
    Veröffentlichung und Fiedlers Absage

    Der „Spiegel“ berichtet über den Vorgang, Fiedler schließt eine Koalition aus, Eralp wehrt sich.

  7. 31. Oktober 2026
    Landesparteitag der Linken

    Die Delegierten sollen über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen entscheiden.

Eralp: „Ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen“

Am Rande der konstituierenden Sitzung des Abgeordnetenhauses antwortete Eralp selbst. Die Reaktion der Spitzenkandidatin auf den Spiegel-Bericht fiel knapp aus: „Ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen.“

Gegen das Magazin will sie rechtlich vorgehen und Beschwerde beim Presserat einreichen. Die angekündigten Schritte gegen den „Spiegel“ richten sich gegen die Veröffentlichung der internen Anmerkungen.

Müller: Regierende Bürgermeisterin wäre erpressbar

Rückendeckung bekommt Fiedler aus der Berliner SPD. Michael Müller, ehemaliger Regierender Bürgermeister, sieht durch die Angst-Vermerke die Regierungsfähigkeit der Linken infrage gestellt.

„Das würde bedeuten, dass die Regierende Bürgermeisterin erpressbar ist. Das muss man so klar sagen.“
Michael Müller, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin (SPD)

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sagte: „Die Ohnmacht der Parteiführung und die Angst, die Frau Eralp persönlich zu verspüren scheint, schockieren mich – aber sie überraschen mich nicht.“ Der Zentralrat hatte bereits kurz nach der Wahl vor einer Koalition mit der Berliner Linken gewarnt.

Neben Fiedler und Müller äußerten sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, Senator Stefan Evers, der Grünen-Politiker Konstantin von Notz und der Menschenrechtsaktivist Volker Beck. Ihre Einordnungen fielen in den Berichten über den Vorgang überwiegend kritisch gegenüber einer Regierungsbeteiligung der Linken aus.

Entscheidung fällt am Samstag

Am Samstag, 31. Oktober 2026, entscheidet die Berliner Linke auf einem Landesparteitag, ob sie Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen aufnimmt. Ob Fiedlers Vorstoß die Delegierten oder die Sondierer der Berliner SPD beeinflusst, ist offen.

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Für Eralp laufen zwei Konflikte parallel: der Parteitag am Samstag und ihr Vorgehen gegen das Magazin. Ob die Berliner SPD nach Fiedlers Absage überhaupt weiterverhandelt, ist bislang nicht geklärt.